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Lokales Mehr Wagner für Leipzig – doch die Kulturstiftung braucht Hilfe
Leipzig Lokales Mehr Wagner für Leipzig – doch die Kulturstiftung braucht Hilfe
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00:24 18.10.2018
Unermüdlich für kulturelle Angebote in der Alten Nikolaischule: Olaf Doehler und Werner Hocquél von der Kulturstiftung Leipzig. Damit die Angebote aufrechterhalten werden können, ist ein finanzieller Zuschuss durch die Stadt notwendig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Wagner bleibt das Aushängeschild. Immerhin war das spätere Musikgenie als junger Mann Schüler der Alten Nikolaischule, die die Kulturstiftung Leipzig betreibt. So einen authentischen Ort für einen Komponisten von Weltrang können nur wenige Städte bieten. Im Gebäude am Nikolaikirchhof gibt es daher ein Museum, das den jungen Wagner in seiner Leipziger Zeit würdigt. Aber eben nicht nur. Konzipiert ist das zu DDR-Zeiten verfallene Haus, das 1994 nach aufwändiger Restaurierung öffnete, als ein „Haus der Kultur“.

Pacht wurde bisher verrechnet

„Das soll auch so bleiben“, betont Geschäftsführer Olaf Doehler und weiß, dass die Stiftung ein wenig ins Strudeln geraten ist. Denn erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 1990 benötigt die Stiftung, die seitdem mehr als 2,2 Millionen Euro für eigene und geförderte Projekte ausgeben konnte, die Hilfe der Stadt. Deshalb muss der Stadtrat am 24. Oktober entscheiden, ob sie ab 2019 in die institutionelle Förderliste der Stadt aufgenommen wird. Wie berichtet, möchte Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) ihr jährlich 52 676,12 Euro zukommen lassen – ansonsten kann die Stiftung ab 2019 die Pacht nicht mehr zahlen.

1995 wurde ein Verrechnungsmodell mit einer sogenannten Heimfallentschädigung vereinbart. Damit war die Pacht bis 2018 abgegolten. Der Vertrag läuft bis 2033, an dessen Ende würde die Kulturstiftung als Pächter theoretisch eine Entschädigung bekommen. Weil die Stadt die Summe nicht zahlen möchte, würde „eine Art Abschmelzung“ mit der Pacht verrechnet. „Dieser Zeitraum geht 2018 zu Ende“, so Döhler. Müsste die Kulturstiftung ab 2019 zahlen, müsste sie die Alte Nikolaischule zumachen.

Am Gebäude stehen Reparaturen an

Auch am historischen Gebäude stehen, wie am Alten Rathaus, nach all den Jahren Reparaturen an. Deshalb will die Stadt einen Zuschuss von 350 000 Euro für bauliche Sanierungen in den Jahren 2019/20 sowie ab 2021 jährlich 65 000 Euro für den baulichen Unterhalt der Immobilie und die Bildung von Rücklagen gewähren. Die Stiftung hat in den Vorjahren bereits selbst 3,5 Millionen Euro für Reparaturen und Instandhaltung in das historische Haus gesteckt, das 1994 wiederöffnet werden konnte. So wurden die Toiletten komplett erneuert. „Es ist ein Denkmal. Viele notwendige Arbeiten wie Arbeiten am Dach und an sämtlichen Fußböden können wir gar nicht leisten“, so Doehler. „Das Glasdach ist mit Kautschuk abgedichtet. Nach so vielen Jahren muss es erneuert werden“, ergänzt Wolfgang Hocquél vom Stiftungsvorstand. Auch für den Aufzug gebe es schon gar keine Ersatzteile mehr.

Stiftung bekommt Geld von der Gaststätte

Stiftungen leben von ihren Erträgen, die ihr Kapital abwirft. Doch mittlerweile geht es ihnen wie jedem privaten Sparer, der sein Geld wegen fehlender Zinsen schwinden sieht. Davon bleibt auch die Kulturstiftung Leipzig nicht verschont, da die derzeitige Finanzpolitik Stiftungen praktisch enteignet. Dabei versucht sie bereits, zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften. So befindet sich im Erdgeschoss ein beliebtes Gasthaus. Beim Betreiberwechsel Ende 2016 wurde der Mietzins erhöht.

Im ersten Geschoss zeigt das Antikenmuseum der Uni Leipzig seine Schätze – zu günstiger Miete. „Mit diesen Einnahmen können wir einen Pachtzins nicht bedienen“, so der Geschäftsführer. Schließlich könne niemand ernsthaft wollen, das Museum vor die Tür zu setzen, um beispielsweise Platz für einen solventen Notar oder Rechtsanwalt zu schaffen. Zum anderen gebe es noch die Veranstaltungsetage mit der spätklassizistischen Aula, den einzig erhaltenen authentischen Ort für das Wirken Richard Wagners in Leipzig.

„Wir versuchen, sparsam und betriebswirtschaftlich zu agieren – allerdings unter der Prämisse, ein Kulturhaus zu betreiben“, so Doehler. Ohne ehrenamtliches Engagement sowie viele Förderer ginge das ohnehin nicht. So sei die Wagner-Ausstellung zu 90 Prozent privat finanziert worden. Was er nicht sagt: Andere wie die Mendelssohn-Stiftung werden von der Stadt Leipzig schließlich auch gefördert.

Viele Kulturprojekte in Vorbereitung

Ziel sei es, mehr Wagner in der Alten Nikolaischule anzubieten. Dazu wird gerade ein Konzept diskutiert. „Wir mühen uns um die Perspektiven der Alten Nikolaischule.“ Gemeinsam mit der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH werden auch Reisepakete für Touristen angeboten, die gut angenommen werden. Die zukünftige Ausrichtung des Hauses bleibt freilich eine Gratwanderung, weil die vielen anderen Veranstaltungen wie „Musik und Architektur“ nicht vernachlässigt werden.

Fürs nächste Jahr hat die Kulturstiftung viele Pläne, etwa mit vielen Partnern zum Bauhaus-Jubiläum. Außerdem erscheint eine Sonderedition der „Leipziger Blätter“ zum 200. Geburtstag von Clara Schumann, den die Stadt unter dem Motto „Clara19“ begehen will. Jenes Flaggschiff, ein kulturelles Gedächtnis unser Stadt, kann bereits mehr als 8000 Seiten seit 1982 aufweisen. Geplant ist auch eine Publikation zum jüdischen Architekten Wilhelm Haller, der in Leipzig die Feierhalle auf dem Neuen Jüdischen Friedhof baute sowie viele Gebäude in der „weißen Stadt“, die zum Weltkulturerbe gehören.

Von Mathias Orbeck

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