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Mehr Wald, mehr Wasser, mehr Leben: Leipzig stellt neue Freiraumstrategie vor

Mitbestimmung bei Brachflächen Mehr Wald, mehr Wasser, mehr Leben: Leipzig stellt neue Freiraumstrategie vor

Der Anteil der Waldflächen soll von derzeit acht Prozent (2450 Hektar) auf zehn Prozent steigen. Die Zahl der Straßenbäume wächst bis zum Jahr 2030 von aktuell 60 000 auf 70 000 Stück. Das und viele weitere ehrgeizige Ziele stehen in der neuen Leipziger Freiraumstrategie.

Den Anteil ihrer Waldflächen will die Stadt Leipzig von derzeit acht Prozent auf zehn Prozent im Jahr 2030 erhöhen. Das steht in der neuen Freiraumstrategie, welche die Lebensqualität trotz kräftig steigender Einwohnerzahlen sichern soll.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Anteil der Waldflächen in Leipzig soll von derzeit acht Prozent (2450 Hektar) auf zehn Prozent steigen. Die Zahl der Straßenbäume wächst bis zum Jahr 2030 von aktuell etwa 60 000 auf 70 000 Stück. Das und viele weitere ehrgeizige Ziele stehen in einem 170-seitigen Strategiepapier, welches Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) am Mittwoch im Rathaus vorstellte. Es gehe darum, einem schleichenden Verlust von Freiräumen durch das starke Einwohnerwachstum sowie der Schließung von Baulücken entgegenzuwirken, erläuterte er. „Die Leipziger lieben ihre Grünflächen, Spielplätze, Parks und Gewässer. Sie fordern von uns als Stadtverwaltung völlig zu Recht ein, dass das rasante Wachstum nicht zu Lasten der Lebensqualität gehen darf.“

Deshalb habe das Amt für Grünflächen und Gewässer nun erstmals eine Freiraumstrategie zur „umfassenden Standortbestimmung bei der grün-blauen Infrastruktur“ erarbeitet, sagte Torsten Wilke als einer der Autoren. Dieses Gerüst sei einerseits bereits für das neue, kurz vor der Fertigstellung stehende Stadtentwicklungskonzept Insek genutzt worden – eine Art Generalplan, mit dem die Verwaltung Planken für die Bewältigung des Zuzugsbooms einziehen will. Andererseits werde die Freiraumstrategie nun im nächsten Schritt mit konkreten Aussagen zu einzelnen Flächen untersetzt, so Amtsleiter Rüdiger Dittmar. Erst am Montag sei erfreulicherweise ein Förderbescheid des Bundesumweltministeriums eingetroffen. Demnach erhalte die Stadt nun 160 000 Euro, um einen „Masterplan Grün Leipzig 2030“ zu erstellen. Die Arbeit daran beginne sofort, erklärte er. „Spätestens Anfang 2018 soll die erste Beteiligungsveranstaltung stattfinden.“ Man wolle vor allem die Bürger, aber auch Vereine, Wohnungsgenossenschaften und viele andere Partner an einen Tisch bringen, um konkrete Präferenzen für die verbliebenen Brachflächen zu verhandeln. In diesen Diskussionen müsse besprochen werden, wo Brachen Brachen bleiben sollen, wo neue Parks oder Wälder gebraucht werden oder wo Platz für weitere Gebäude und Gewerbe ist. Die absehbaren Verteilungskämpfe um solche Freiräume würden zwangsläufig zu Konflikten führen. Leipzig verfüge mit seiner guten Tradition der Bürgerbeteiligung und Moderation solcher Prozesse aber über alle Voraussetzungen, um die Konflikte zu lösen. „Auf dem Feld traut uns der Bund besonders viel zu.“ Leipzig habe die Fördermittel erhalten, um nachahmenswerte Modelle für andere Wachstumsstädte zu schaffen.

Rosenthal betonte, wie ernst es ihm um den Erhalt grün-blauer Freiräume sei. Das Strategiepapier solle auch innerhalb der Verwaltung wirken, wenn Wünsche nach mehr Bauland oder Gewerbeflächen aufkommen. „Als Umweltbürgermeister stelle ich mich nicht immer hinten an – und nur die Flächen zur Verfügung“, sagte er. In nächster Zeit liege der Schwerpunkt auf einer Vernetzung der Freiräume untereinander – zum Beispiel durch den Parkbogen Ost oder die Schließung von Lücken im Gewässersystem. Auch müssten für weitere Parks Entwicklungskonzepte erstellt werden – wie das bereits beim Clara-Zetkin-Park geschehen ist.

Mit 16 Quadratmetern Grünfläche pro Einwohner stehe Leipzig noch vergleichsweise gut da. Dennoch gebe es in einigen Stadtteilen schon Defizite, fuhr Rosenthal fort. Um sie anzugehen, seien neue Ideen nötig. So wolle die Kommune bei Sport- und Spielanlagen an Schulen eine öffentliche Nutzung nach Schließung der Horte testen, die Durchgängigkeit für Fußgänger in Kleingartensparten und auf Friedhöfen verbessern. Generell gelte es, den Freiräumen mehrere Nutzungen anzuheften, pflichtete Amtsleiter Dittmar bei. Bauprojekte könnten Klimakomfortinseln erhalten, die an heißen Tagen Abkühlung bieten. „Lärmschutzwälder taugen auch für Erholung und Artenvielfalt“, sagte er.

Von Jens Rometsch

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