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Mehr Zuzüge nach Ostdeutschland – Vor allem Leipzig profitiert

Abwanderungstrend gestoppt Mehr Zuzüge nach Ostdeutschland – Vor allem Leipzig profitiert

Erstmals seit der Wende ist der Abwanderungstrend aus den neuen Bundesländern gestoppt: So lautet das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Unter den ostdeutschen Großstädten profitiert vor allem Leipzig von der Entwicklung.

Leipzig profitiert besonders vom Stopp des Abwanderungstrends.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Gute Nachrichten für die ostdeutschen Bundesländer: Die Jahrzehnte währende Abwanderung ist gestoppt. Seit 2012 ziehen mehr Menschen in die neuen Bundesländer, als Einwohner verloren gehen. Das geht aus einer am Dienstag vorgestellten Studie des Berlin-Instituts hervor. Die Forscher hatten die Bevölkerungsentwicklung im Zeitraum von 2008 bis 2013 ausgewertet. Besonderer Gewinner dieser Entwicklung ist Leipzig.

Leipzig legt bei allen Gruppen zu

Die Messestadt weist für den Untersuchungszeitraum ein Plus von 43.975 neuen Einwohnern aus. Durch das rasante Bevölkerungswachstum wurde 2013 sogar eine Wachstumsrate von zwei Prozent erreicht – wodurch Leipzig in die Spitzengruppe der deutschen Großstädte vorstieß. 2015 legte die Stadt dann erneut um 16.000 Einwohner zu.

In allen sechs berücksichtigten Bevölkerungsgruppen konnte die Messestadt im Untersuchungszeitraum ein deutliches Plus erzielen. Die absolute Spitzengruppe bilden junge Menschen, vornehmlich Studierende und Auszubildende. Zwischen 2008 und 2013 zog es 30.788 sogenannte Bildungswanderer an Pleiße und Weiße Elster. Ein stark verbesserter Arbeitsmarkt in und um die Messestadt sorgt zudem dafür, dass viele nach Beendigung der Ausbildung in der Stadt bleiben. Selbst eine Familiengründung sorgt nicht mehr zwangsweise für eine Abwanderung in die Randgebiete.

Auch die Zahl der Menschen, die wegen der Arbeit nach Leipzig ziehen, legte deutlich zu. Innerhalb der untersuchten sechs Jahre verlagerten 9.051 Menschen aus diesem Grund ihren Wohnsitz nach Klein-Paris. Auch bei Familien erfreut sich Leipzig immer stärkerer Beliebtheit. Knapp 1.132 von ihnen konnten zwischen 2008 und 2013 als Neubürger begrüßt werden – flankiert von 312 Zugezogenen unter 18 Jahren. Ebenfalls deutlich angestiegen ist laut Studie die Zahl der Einwohner aus der Gruppe der sogenannten Empty-Nest-Wanderer – Eltern, deren Kinder bereits aus dem Haus sind – mit 1.325 Zugezogenen und die der Ruhestandswanderer über 65 Jahren. Sie machen 1.367 der neuen Bürger zwischen 2008 und 2013 aus.

Vor allem Großstädte profitieren

Während die neun ostdeutschen Großstädte mit einer Bevölkerungszahl von über 100.000 Einwohnern stark vom gestoppten Abwanderungstrend profitieren, nehmen die ländlichen Gemeinden nach wie vor die Verliererrolle ein. Vor allem sie müssen ihre jungen Einwohner in die Ballungszentren ziehen lassen. Somit wächst das Gefälle zwischen schrumpfenden und wachsenden Regionen auch 2015 immer weiter. Rund 85 Prozent der ostdeutschen Gemeinden verlieren laut der Studie weiterhin Einwohner.

Einige mittelgroße Städte mit Einwohnerzahlen zwischen 10.000 und 50.000 Einwohnern trotzen hingegen inzwischen dem Schrumpfprozess. Durch ihre Rolle als lokale Versorgungszentren, mit kurzen Wegen etwa zu Ärzten, Apotheken, Geschäften und kulturellen Einrichtungen seien sie entscheidend für die Lebensqualität in der gesamten Region. Gerade dies mache sie für die steigende Zahl der Ruheständler aus dem Umland attraktiv, hieß es. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich hierbei Orte in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die durch Nähe zum Meer oder ihren Status als ehemalige Luftkurorte punkten können.

Zuwanderung als Chance

Eine Chance für die ländlichen Gemeinden sehen die Autoren in den derzeit zuziehenden Flüchtlingen. Wo diese sich dauerhaft niederließen, könnten etwa Schulen vor der Schließung bewahrt werden, neue Geschäfte entstehen und Leerstand zu Wohnraum umgewandelt werden. Zwar fehle es auf dem Land an Migrantennetzwerken, was einen Zuzug zunächst unattraktiv erscheinen lasse. Dieser Mangel könne allerdings im Idealfall durch die enge Ortsgemeinschaft und Institutionen wie Vereine oder Freiwillige Feuerwehr ausgeglichen werden. Damit würde auch Integration im Gegensatz zu den oft anonymen Großstädten tendenziell vereinfacht.

Von bfi (mit dpa)

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