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Mehr als 15.000 Leipziger feiern Lichtfest auf dem Augustusplatz

9. Oktober Mehr als 15.000 Leipziger feiern Lichtfest auf dem Augustusplatz

Tausende Leipziger kamen am Sonntag zum Lichtfest auf den Augustusplatz. Viele hatten Kerzen dabei. Davor versammelten sich hunderte Menschen beim Friedensgebet in der Nikolaikirche.

Tausende Leipziger kamen am Abend zum Lichtfest auf den Augustusplatz.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Leipzig feiert den Jahrestag der Friedlichen Revolution: Mehr als 15.000 Menschen kamen nach Angaben des Veranstalters am Sonntagabend zum Lichtfest auf dem Augustusplatz. Viele trugen Kerzen. In der Nikolaikirche fand am frühen Abend das Friedensgebet statt, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hielt seine Rede zur Demokratie. Bei einer Kundgebung von Rechtspopulisten und dem Gegenprotest auf dem Nikolaikirchhof blieb es nach Angaben der Polizei ebenso friedlich wie beim Lichtfest auf dem Augustusplatz.

Lichtfest auf dem Augustusplatz

Nach Angaben des Veranstalters, der Leipziger Marketing und Tourismus GmbH, kamen am Abend über 15.000 Menschen zum Lichtfest in der Innenstadt. Während viele mit Kerzen über den Augustusplatz liefen, kam es am Rande der Veranstaltung laut Augenzeugenberichten zu vereinzelten Pöbeleien von Besuchern.

Tausende Leipziger versammelten sich am Abend zum Lichtfest auf dem Augustusplatz. Fotos: André Kempner

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Performance auf der Bühne

Er ist der große Visionär: „Keine Mauer kann dem Drang nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit standhalten, der in der Seele des Menschen brennt“, sagt Sylvester Groth, der auf der Bühne auf dem Augustusplatz als Weltbürger wandelt. Und zitiert einen berühmten Satz von Barack Obama, als der im Juni 2013 die Reste der Berliner Mauer besuchte. „Mut – Werte – Veränderung“ ist das Lichtfest überschrieben, das gestern Abend wieder Abertausende Leipziger auf dem Augustusplatz vereint, um an die Friedliche Revolution vom 9. Oktober 1989 zu erinnern.

An jenem historischen Tag vor 27 Jahren kam es zur bislang größten Massendemonstration mit über 70. 000 Menschen, die von der Nikolaikirche und dem  Karl-Marx-Platz (heute Augustusplatz) über den Ring zogen. Am Sonntag geht es in der Performance aber auch um den Aufbruch und Wandel in unseren Tagen, bei dem es die Werte zu bewahren gilt. „Ich bin besorgt...“ folgen Zitate aus Reden von AfD-Politikern.

Eingekesselt und sich befreiend spielt Groth mit dem Leipziger Ballett, das sich mal zustimmend, mal ablehnend, tänzerisch zwischen Aufbruch und Erstarrung, zwischen Zukunft und Vergangenheit bei der Performance bewegt. Vor der Bühne drängen sich die Menschen, um eine aus mehr als 10 000 brennenden Lichtern gestaltete „89“ zu formen. Über ihren Köpfen schwebt eine Kugelkamera, um die Bilder des Abends einzufangen. „Freiheit“ flimmert es über zwei der „Milchtöpfe“ vor der Oper. Und es erklingt die Stimme Martin Luther Kings: „I have a dream.“

Nach Angaben des Veranstalters, der Leipziger Marketing und Tourismus GmbH, kamen am Abend über 15.000 Menschen zum Lichtfest in der Innenstadt. Während viele mit Kerzen über den Augustusplatz liefen, kam es am Rande der Veranstaltung laut Augenzeugenberichten zu vereinzelten Pöbeleien von Besuchern.

Schulz: "Wir sind das Volk" steht nicht für Hetze

"Wir erleben unmittelbar einen gesellschaftlichen Härtetest“, sagte Martin Schulz (SPD), der Präsident des Europäischen Parlaments, bei seiner Rede zur Demokratie in der Nikolaikirche. Er verwies auf die aktuelle Bedrohungslage sowie Anschläge mit ausländerfeindlichem Hintergrund.

Zum Auftakt des Lichtfestes fand am frühen Abend das Friedensgebet in der Nikolaikirche statt. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hielt außerdem seine Rede zur Demokratie. Fotos: Andé Kempner

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"Wenn Gotteshäuser in Deutschland brennen und Ordnungskräfte und Politiker angegriffen werden, dann ist unsere Demokratie in Gefahr", betonte Schulz. Und zwar genau die Demokratie, für die die Massen 1989 mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ protestierten und die "ein Resultat eines langen, mühevollen Freiheitskampfes in ganz Europa" gewesen sei. Jene 70000 Menschen vom 9. Oktober 1989 reklamierten zurecht diesen Satz "Wir sind das Volk" für sich. Und nicht jene, die "unter Missbrauch" dieses großen Satzes, heute "unsere demokratisch gewählten Volksvertreter beschimpfen und anpöbeln". Er bezeichnete den Mut der Leipziger als "die Wurzel unserer demokratisch vereinten Bundesrepublik". Daran müsse Jahr für Jahr erinnert werden.

Protest gegen „Mahnwache“ von Rechtspopulisten

Zum Auftakt des Lichtfestes zeigten Initiativen wie "Weltoffenes Gohlis" und "Leipzig nimmt Platz" am Sonntagnachmittag auf dem Nikolaikirchhof Gesicht für Religionsfreiheit und Toleranz. Rund 70 Menschen demonstrierten mit Transparenten für Zivilcourage und gegen Nationalismus. Im Vorfeld hatte die Ankündigung der rechtspopulistischen Initiative „Gida Regional“ in den sozialen Netzwerken Wellen geschlagen. Die Anhänger hatten eine "Mahnwache" von 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr auf dem Kirchhof angekündigt. Dort kamen aber nur rund ein Dutzend Menschen zusammen, die Pappschilder und Kerzen hochhielten. Laut Polizeisprecherin Birgit Höhn blieb bei beiden Veranstaltungen alles friedlich.

Der ehemalige Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff und das Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" hatten zu Gegenprotest aufgerufen. "Der Hass von *Gida hatte sich zuletzt am 3. Oktober vor der Dresdner Frauenkirche Bahn gebrochen" hieß es am Samstag in einer öffentlichen Appell des Netzwerks.

Polizei: Keinerlei Hinweise auf Gefährdung

Auch am Sonntag wurde bundesweit noch nach einem 22-Jährigen gefahndet, der verdächtigt wird, einen Sprengstoffanschlag vorbereitet zu haben. Die Polizeidirektion Leipzig will die Veranstaltungen in der Messestadt "mit ausreichend Kräften" sichern. Das sagte Sprecherin Birgit Höhn am Sonntag auf Anfrage gegenüber LVZ.de. Die Polizei betonte, dass es aber keinerlei Hinweise auf eine Gefährdung der Veranstaltung oder von Personen in Leipzig gebe.

Vielmehr seien die Vorkehrungen der Polizei seit Wochen wegen der allgemeinen Sicherheitslage erhöht, auch mit Blick auf mögliche Terroranschläge, so die Sprecherin weiter. Durch den  Staatsbesuch von Königin Silvia und König Carl Gustaf am Samstag seien ebenfalls zahlreiche Sicherheitskräfte in der Stadt. Mit Unterstützung der Bundespolizei sollen auch am Sonntag alle Großveranstaltungen wie Halbmarathon, Mitteldeutscher Marathon und eben das Lichtfest abgesichert werden. Mit Blick auf Chemnitz und die laufende Fahndung nach dem verdächtigen 22-Jährigen haben die Beamten darauf ein "besonderes Augenmerk" hieß es weiter. Welche Maßnahmen im Einzelnen greifen, und wie viele Einsatzkräfte letztlich in Leipzig unterwegs sind, dazu gebe es aus Sicherheitsgründen keine Auskunft.

LVZ

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Leipzig Augustusplatz
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