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00:17 30.01.2016
Mehr als jeder vierte Leipziger Schüler hat schon mal geschwänzt. Quelle: dpa-Zentralbild
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Leipzig

Mehr als jeder vierte Leipziger Schüler hat schon mal den Unterricht geschwänzt. Das geht aus einer Befragung des Amtes für Statistik und Wahlen unter 2255 Kindern und Jugendlichen hervor, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. Das Ordnungsamt hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 1653 Verstöße gegen die Schulpflicht aufgenommen und verfolgt.

27 Prozent der Schüler haben der Befragung zufolge zugegeben, schon mindestens einmal unentschuldigt dem Unterricht ferngeblieben zu sein – Jungen häufiger als Mädchen. Bemerkenswert daran: Ein Fünftel derer, die unentschuldigte Fehlzeiten einräumten, war allein in den zwei Wochen vor der Befragung nicht zum Unterricht erschienen – im Schnitt 4,3 Stunden. Das Ausmaß der Schulabstinenz erscheint allein vor diesem Hintergrund nicht unerheblich. Sie nimmt übrigens mit steigendem Alter zu. Während in der Altersklasse der 12- und 13-Jährigen lediglich sieben Prozent der Schüler angaben, schon einmal nicht zum Unterricht gegangen zu sein, waren es bei den 16-Jährigen schon 35 Prozent, bei den Volljährigen sogar 43 Prozent.

Einfluss auf die Regelmäßigkeit des Schulbesuchs hat den Erhebungen zufolge die familiäre Situation. In Patchwork-Familien und bei Alleinerziehenden kommt Schulschwänzerei häufiger und länger vor als bei Familien, in denen die Kinder mit Vater und Mutter zusammenleben. Einzelkinder schwänzen weniger als Kinder mit drei und mehr Geschwistern.

Jeder zweite Schüler, ergab die Umfrage, fühlt sich überfordert, besonders am Gymnasium, wo sogar zwei Drittel der Schüler der Meinung sind, dass die Erwartungen an sie in den letzten beiden Schuljahren zu hoch sind. Mädchen leiden dabei häufiger an Überforderung als Jungen, Jungen dafür mehr unter Gewalt an ihrer Schule.

Die Jugendbefragung war Teil der Kommunalen Bürgerumfrage 2015. Dazu wurden im Mai vorigen Jahres 3000 Fragebögen in Klassen ausgewählter Schulen verteilt (Oberschulen und Gymnasien – jeweils ab Klasse 7, Berufs-/Fachoberschule/Berufliches Gymnasium, Förderschule). Ausgefüllt wurden 2255 Fragebögen, was einer Teilnahmequote von 75 Prozent darstellt.

Im Statistikamt geht man davon aus, dass Schulschwänzerei weit verbreiteter ist, als die nackten Zahlen der Befragung es nahelegen. „Schülerinnen und Schüler, die erhebliche Fehlquoten aufweisen und die einen fortgeschrittenen Schulabsentismus aufweisen, können in der Regel nicht mit einer Befragung erreicht werden, die in der Schule zu regulären Unterrichtszeiten stattfindet“, so die Autoren der Studie.

„Unsere Schulen sind angehalten, die Schulpflicht gut zu überwachen“, sagt Roman Schulz, Sprecher der Bildungsagentur in Leipzig. „Nach unseren Informationen gibt es keinen signifikanten Anstieg“, berichtet er, „Schulschwänzen ist nicht unser Hauptproblem.“

Real ist die Zahl der Schulpflichtverletzungen zuletzt sogar leicht gesunken. „Im Jahr 2014 wurden 1787 und im Jahr 2015 1653 Verstöße gegen das Schulgesetz des Freistaates Sachsen aufgenommen und verfolgt“, erklärt Helga Kästner, stellvertretende Abteilungsleiterin des Ordnungsamtes.

Dennoch haben Behörden das Themen im Fokus. Den Schulen sind nach den Worten von Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) dafür explizit Ansprechpartner im Amt für Jugend, Familie und Bildung benannt worden. Der Allgemeine Sozialdienst werde nach der Benachrichtigung über Schulverweigerer durch die Schule aktiv. Er prüfe, ob ein Hilfebedarf besteht und welche Unterstützung und Beratung gegeben werden kann.

Erst im November hatte die behördenübergreifende Arbeitsgruppe Schulverweigerung/-abbruch getagt. Daran beteiligt waren die Stadt Leipzig, die Bildungsagentur, Polizei, Staatsanwaltschaft und Vertreter mehrere Schulen. Fabian: „Es wurden Möglichkeiten zur Verringerung und Vermeidung von Schulverweigerung und -abbruch beraten. Aus den Teilnehmern dieser Arbeitsgruppe wird nun eine Steuerungsgruppe mit zirka zehn Personen gegründet. Sie soll unter Einbindung vorhandener Projekte und Ideen konkrete Maßnahmen benennen und deren Umsetzung begleiten.“

Von Klaus Staeubert

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