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„Mein Leipzig lob‘ ich mir“ soll Mitte 2018 wieder strahlen

Goethe-Leuchtreklame kehrt zurück „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ soll Mitte 2018 wieder strahlen

Der jahrelange Rechtsstreit ist beigelegt: Die historische Leuchtreklame „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ darf auf den Höfen am Brühl montiert werden. Mitte 2018 könnte das Goethe-Zitat wieder über Leipzig strahlen. Zuvor muss der Schriftzug aufwendig restauriert werden.

Bis 2007 stand die historische Leuchtreklame „Mein Leipzig lob’ ich mir“ auf den Wohnblöcken am Brühl. Im kommenden Jahr soll sie – frisch restauriert – auf den Höfen am Brühl installiert werden.
 

Quelle: LVZ-Archiv/Heinz

Leipzig.  Vor einem halben Jahrhundert ging sie auf den DDR-Plattenbauten am Brühl in Betrieb, nach dem Abriss der Wohnblöcke vor zehn Jahren wurde sie eingelagert und nun soll sie endlich zurückkehren: Die berühmte Leuchtreklame mit dem Zitat „Mein Leipzig lob‘ ich mir“ aus Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ könnte Mitte kommenden Jahres auf den Höfen am Brühl strahlen. Andrea Eggers, Managerin des Einkaufszentrums, sagte auf Anfrage von LVZ.de: „Ich hoffe, dass der Schriftzug nach seiner Restaurierung 2018 – wenn es gut läuft im zweiten oder dritten Quartal – auf dem Dach der Höfe leuchten kann.“

Mit einem Vergleich war jüngst ein  fünf Jahre währender Rechtsstreit beigelegt worden. Seit 2012 durfte die denkmalgeschützte Leuchtwerbung nicht installiert werden, weil das angrenzende Marriott-Hotel in der Brühl-Arkade eine Belästigung seiner Gäste befürchtete. In rund 70 Zimmer hätte der berühmte Schriftzug hineingestrahlt, hieß es. Der ehemalige Besitzer der Immobilie hatte deswegen die Baugenehmigung für die Werbeanlage auf dem 2013 eröffneten Center angefochten und war bis vor das sächsische Oberverwaltungsgericht gezogen. Mit dem neuen Eigentümer TLG Immobilien, der das Gebäude 2016 erwarb, gab es nun die lange erhoffte Einigung.

Von den 1970er-Jahren bis 2007 war die historische Goethe-Leuchtreklame "Mein Leipzig lob' ich mir" ein Wahrzeichen der Stadt. Nun soll der berühmte Schriftzug an den Brühl zurückkehren.

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Nächtliche „Leuchtpause“ geplant

Der Kompromiss, der im Kern bereits von Anfang an im Gespräch war, sieht eine nächtliche „Leuchtpause“ bei einem der drei Reklameteile vor. Der nach Osten zum Hotel hin geplante Abschnitt soll künftig mit Geschäftsschluss in den Höfen am Brühl, allerdings spätestens um 22 Uhr, bis in die Morgenstunden abgeschaltet werden, heißt es in der Einigung. Die anderen beiden nach Norden und Süden ausgerichteten Teile können dagegen auch nachts in Betrieb bleiben.

Auf dem Dach der Höfe am Brühl soll die Leuchtreklame 2018 montiert werden

Auf dem Dach der Höfe am Brühl soll die Leuchtreklame 2018 montiert werden.

Quelle: Dirk Knofe

Die 1967 auf den Wohnblöcken am Brühl installierte Leuchtreklame besteht zum einen aus dem berühmten Goethe-Zitat „Mein Leipzig lob’ ich mir“ mit einer Silhouette des Dichters, der auch in Leipzig wirkte und Teile seines „Faust“ im berühmten Auerbachs Keller ansiedelte. Die anderen beiden Reklameteile setzen sich aus dem Schriftzug „Willkommen in Leipzig“ auf Deutsch mit dem Stadtwappen sowie dem Willkommensgruß in Englisch, Französisch und Russisch zusammen.

Noch ist nicht festgelegt, welche Abschnitte der rund 100 Meter langen Leuchtreklame an welcher Dachseite angebracht werden. „Derzeit läuft die Bauzeitenplanung. Im Anschluss wird es Gespräche mit dem Denkmalschutz, dem Stadtplanungsamt und den beteiligten Gewerken geben“, erklärte Andrea Eggers den geplanten Ablauf. Der Hauptteil des Schriftzugs, versicherte die Höfe-Managerin, werde aber zum Ring hin strahlen und damit rund um die Uhr erleuchtet sein.

Restaurierung wird teurer als geplant

Seitdem die Blöcke 2007 von der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) abgerissen wurden, liegt die in ihre Einzelteile zerlegte Leuchtreklame in einer Lagerhalle in Neukieritzsch südlich von Leipzig und wartet auf ihre Restaurierung. Diese soll nun nach Abschluss der Planungen beginnen. „Wir wollen es technisch und historisch richtig machen“, betonte Eggers.

Die Leuchtreklame liegt seit Jahren in einer Lagerhalle in Neukieritzsch und wartet auf ihre Restaurierung

Die Leuchtreklame liegt seit Jahren in einer Lagerhalle in Neukieritzsch und wartet auf ihre Restaurierung.

Quelle: LVZ-Archiv/Heinz

Die ursprünglich veranschlagten Kosten von rund 300.000 Euro – so die Schätzung von 2012 – ist inzwischen überholt. Sanierung und Anbringung werden wohl deutlich teurer, auch wenn sich dazu noch niemand konkret äußern will. „Die technischen Anforderungen haben sich in der Zwischenzeit geändert. Das Projekt muss daher auch neu kalkuliert werden“, so die Centermanagerin. Die Finanzierung übernimmt der Höfe-Eigentümer Unibail-Rodamco (ehemals Mfi). Das Unternehmen aus Essen hatte sich beim Bau des Einkaufszentrums dazu verpflichtet, das historische Wahrzeichen auf dem Dach zu montieren. Vorrichtungen dafür sind bereits installiert.

Hotelzimmer können auch bei Tag abgedunkelt werden

Mit dem nun gefundenen Kompromiss zeigen sich sowohl Eggers als auch die Stadt und das Hotel zufrieden. „Wir freuen uns sehr, dass es zu dem Kompromiss gekommen ist und wir ein wichtiges Stückchen von Leipzig wieder ausstellen können“, so die Höfe-Managerin. Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) zeigte sich über die Beilegung des Rechtsstreits erleichtert. „So hält bei allen Neuerungen auch immer ein Stück Geschichte eine Stadt wie die unsere lebendig“, sagte sie.

„Selbstverständlich“ unterstütze man den Vergleich, heißt es auch aus dem Marriott-Hotel, das in der Zwischenzeit mehrfach den Direktor gewechselt hat und nach dem Abschied von Peter Reischl Ende Mai auf einen neuen Chef wartet. „Wir können mit dem Kompromiss gut leben“, sagte am Dienstag Verkaufsdirektor Gerrit Haertprich gegenüber LVZ.de. Auch Gäste, die es tagsüber dunkel mögen, müssten keine Behelligung befürchten. Zur kompletten Verdunklung – zum Beispiel für übernachtende Flugzeug-Crews – seien ohnehin bereits alle Zimmer mit speziellen Vorhängen ausgestattet.

Von Robert Nößler

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