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Lokales Wie Hildegard Knef mich hypnotisierte
Leipzig Lokales Wie Hildegard Knef mich hypnotisierte
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15:05 13.10.2018
Peter Degner mit Hildegard Knef, Deutschlands letzter Diva. „Nächtelang sprachen wir über Musik, das Theater und über das Leben.“ Quelle: Peter Degner privat
Leipzig

Ich schrieb als Kind gern Geschichten. Was nicht heißt, dass ich Schriftsteller werden wollte. Nie kam ich auf die Idee, sie irgendwem zu zeigen. Darum ging es auch gar nicht. Das Schreiben war eine Beschäftigung, die ich ganz allein für mich betrieb. Über ein Heft gebeugt, tauchte ich, ähnlich wie im Kino, ab in die Welt der Fantasie, die mir näher, gemäßer und aufregender erschien als die Wirklichkeit. Moorhunde und wachsende Nasen, der „Dieb von Bagdad“ mit dem wunderbaren Conrad Veidt als Wesir, „Fifi, die Feder“, eine französische Komödie über einen kleinen Ganoven, der im Zirkusmilieu untertaucht – all das tummelte sich frohgemut und lautstark in meinem Kopf. Unmöglich, bei einer solchen Party der Vorstellungskraft einzuschlafen.

Das war den Erwachsenen natürlich schwer zu erklären. So gab es immer ein Riesentheater, wenn meine Eltern mal in die Oper gehen wollten. Ihre Erwartung, dass ich mich während ihrer Ausgehzeit brav in Träumen wiegen würde, war schlichtweg naiv. Eine unmögliche Forderung. Ähnlich unmöglich wie die Vorstellung, ich könnte an Heiligabend in stiller Vorfreude geduldig auf die Bescherung warten. Was für ein Unsinn! An Weihnachten sah meine Mutter letztlich nur eine Möglichkeit, mich Nerventod zur Räson zu bringen: Erst eine Schlaftablette machte mir und dem Rest der Familie die Stunden bis zur Geschenkeübergabe erträglich.

In diese frühen Jahre fiel auch meine erste Begegnung mit Hildegard Knef. Ich war sieben und sah sie in der „Aktuellen Schaubude“, einer samstäglichen Unterhaltungsshow des NDR. Westfernsehen also und ein Familienritual. Vor der Sendung versammelten wir uns regelmäßig vorm Fernsehgerät und wurden vom Moderatorenduo Carlheinz Hollmann und Marie-Louise Steinbauer, allseits nur beim Vornamen genannt, begrüßt wie gute alte Bekannte. Und eines Tages begrüßten Hollmann und Marie-Louise in ihrer Sendung die Schauspielerin Hildegard Knef.

Diesen Postkartengruß schrieb Hildegard Knef an Peter Degner Mitte der 80er-Jahre. Später fand er sie in seiner Stasi-Akte wieder. Quelle: Peter Degner privat

Ich verfiel sofort in eine Art Hypnosezustand, schwer nachzuvollziehen. Ich hatte von der Knef vorher noch nie was gehört, sie noch nie gesehen. Aber ich erinnere mich noch sehr genau, wie sie angekündigt wurde und wie die ersten Akkorde des „Mackie Messer“ von Bert Brecht und Kurt Weill ertönten. Als sie auf der Bildfläche erschien in ihrem schwarzen Kleid mit der Perlenkette, fragte ich gleich die Eltern: „Wer ist das?“ Dann ging es los. Unmittelbar nach der Sendung entdeckte ich das Tonbandgerät meiner Eltern für mich und schnitt massenhaft Radiosendungen mit: Wunschkonzerte auf Mittelwelle, in Mono und mit Rauschen, verewigt mit einem „Smaragd“ BG23-Tonbandgerät. Chansons, Schlager. Texte, die mir gefallen haben. Keine Rockmusik. Das interessierte mich nicht. Und sollte mich auch nie interessieren ...

War ich auch kein Einzelkind, so war ich doch ein Einzelgänger. Nie habe ich die Gesellschaft von Gleichaltrigen vermisst. Ich hatte ja das Kino, die Bücher, die Musik. Ich kam gut klar mit meinen Klassenkameraden, später mit den Kollegen, aber Freundschaften schloss ich selten. Auch heute noch mag ich es nicht, wie bedenkenlos manche allein mit dem Begriff umgehen ...

Am 25. Oktober um 19 Uhr ist Peter Degner mit seinem Buch zu Gast in der LVZ-Kuppel (Peterssteinweg 19) und plaudert mit LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer. Karten gibt es in allen LVZ-Geschäftsstellen, bei ticketgalerie.de und über die Hotline: 0800 2181-050 (kostenfrei).

Peter Degner „... und ich dreh mich noch mal um“; Vom Grabredner zum Impresario; 272 Seiten; Verlag neues leben; ISBN 978-3-355-01872-2; 17,99 Euro. Das Buch kann vorbestellt werden unter www.lvz-shop.de.

Am Montag in der LVZ: Teil 4

Von Peter Degner

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