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Lokales „... und ich dreh mich noch mal um“
Leipzig Lokales „... und ich dreh mich noch mal um“
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14:21 11.10.2018
„Umgeben von Erb- und Erinnerungsstücken fühle ich mich in der Einsamkeit meiner Wohnung am wohlsten.“ Quelle: Peter Degner/privat
Leipzig

Ich wuchs in einem christlich geprägten Elternhaus auf. In einer liberalisierten, einer Light-Fassung des Glaubens: wenig Strenge, keine Dogmen. Weihnachten und Ostern ging’s in die Kirche, und wir Kinder wurden ganz selbstverständlich in die Christenlehre geschickt. Das funktionierte, das muss man ja gelegentlich dazusagen, auch im real existierenden Sozialismus jener Jahre. Wir gehörten zur Leipziger Trinitatis-Gemeinde, und all die Pfarrer, die ich dort in meiner Kinder- und Jugendzeit kennenlernte, sind mir bis heute echte Persönlichkeiten: integer, klug, lebenserfahren, mit einer stillen, respekteinflößenden Ausstrahlung. In gewisser Weise gehörten die Pfarrer fast schon zur Familie. Die waren Ratgeber und Beistand und waren oft Gäste bei uns zu Hause. Ich ging in einen christlichen Kindergarten. Zu den Erzieherinnen, den „Tanten“, hatte ich Jahrzehnte später noch Kontakt.

„Peter Degner ... und ich dreh mich nochmal um. Vom Grabredner zum Impresario.“ Die LVZ druckt vorab Auszüge. Quelle: Verlag Neues Leben

„Mein Glaube war immer eine ziemlich luftige Angelegenheit“

Bis zu ihrem Tod habe ich Tante Hannelore, Tante Lotte und Tante Marga zu meinen Veranstaltungen eingeladen, um ihnen eine Freude zu machen. Das mag sentimental sein. Ich würde sagen, das spiegelt mein stetes Bedürfnis nach Harmonie. Der Glaube an Gott hatte für mich als Kind etwas Verspieltes. Er war keine Last, aber auch nichts, was mich groß beschäftige. „In die SED eintreten – dafür braucht es einen starken Glauben“, ist ein Spruch aus der Zeit, der mir dazu einfällt. Das christliche Selbstverständnis, diese Gewissheit, dass es einen Gott gibt, der über uns Menschen wacht, uns liebt und uns beschützt, hat sich in meinen späteren Lebensjahren verflüchtigt. Trotzdem sind Teile dieser Geisteshaltung bis heute in mir erhalten, auch wenn mein Glaube schon immer eine ziemlich luftige, vielleicht allzu leichte Angelegenheit gewesen ist. Schon in Kindertagen gab es für mich diese weitaus verlockendere, an Wundern weit reichere Welt. Die der Fantasie, der Kunst. Ein Film, ein Buch – das konnte mich regelrecht durchglühen. Die Kirche, der Glauben schaffte das nie. ...

Vom Grabredner zum Impresario – Peter Degner hat seine Memoiren vorgelegt. Hier einige Bilder aus seinem bewegten Leben:

Ich war eine Pfeife in der Schule. Aber ich wollte ja auch Künstler werden. Von der Schulpflicht hat mich meine Ausrede natürlich nicht gerettet. Ich besuchte die Richard-Wagner-Schule in der Karl-Vogel-Straße. Dort gab es einen furchtbaren Direktor. Hampe hieß der Mann, der wie eine Parodie auf seinen Berufsstand und sich selbst wirkte. Das Billig-Imitat einer Figur aus einem Roman von Dickens. Hampe war eine Angstperson, der Schülern immer wieder und mit sadistischer Freude an den Haaren zog. Zu den diversen Festivitäten, die sich übers sozialistische Schuljahr verteilten, erschien er immer in seiner NVA-Oberst-Uniform. Der war kein Lehrer, der war ganz und gar Kaserne. Hampe betrat zum Beispiel die Aula im Paradeschritt, hob dabei einen Arm und machte mit der Hand eine Geste, als würde er eine Glühbirne ausschrauben. Das ließ sofort jegliches Stimmengewirr im Publikum ersterben...

Narrenfreiheit in der Schule gelernt

Im Grunde tänzelte ich durch meine Schulzeit. Das Nervende und vielleicht Bedrückende konnte ich ausklammern. Ich schützte mich durch eine Narrenfreiheit, die zu erobern und zu bewahren ich mir in der Richard-Wagner-Schule beibrachte. Eine Technik, die sich im Laufe der Jahre verfeinern, die, verinnerlicht, zu einem Charakterzug werden sollte. Sage keiner, man lerne in der Schule nichts fürs Leben ...

Während meiner Schulzeit war Frau Goldhahn meine absolute Lieblingslehrerin. Eine ausgesprochen aparte Person, bei deren Wahrnehmung damals, das muss ich zugeben, ein paar niedere Instinkte meinerseits entscheidend mitgewirkt haben. Um es deutlich zu sagen: Frau Goldhahn war ein Goldstück im grauen Schulalltag. Ein Farbtupfer und außerdem das, was man gern einen „Feger“ nannte. Tatsächlich wirbelte sie etwas Staub auf – und bei mir zusätzlich ein paar Hormone. Eine junge Lehrerin, attraktiv, witzig, charmant. Und mit einer Neigung für aufregend enge Pullover. In meine Beurteilung schrieb sie den Satz: »Peters unbestreitbare Erfolge in Fernsehsendungen haben ihm etwas den Boden weggezogen.« Die Frau hatte keine Ahnung, wie sehr sie mir immer wieder den Boden unter den Füßen wegzog, mich zum Schweben in Tagträumen brachte ...

Doktorspiele mit Gisela

So schön manche Lehrerinnen und Erinnerungen auch sein mögen, das Schönste an der Schulzeit waren natürlich die Ferien. Das dürfte eine Konstante über alle Zeiten hinweg sein. Die einzige richtige Urlaubsreise mit meinen Eltern ging nach Rittersgrün im Erzgebirge. Es lag vor allem am fehlenden Geld, dass wir sonst nicht weggefahren sind. In dem Gasthaus, in dem wir logierten, habe ich in der Kneipe mitgeholfen: Tische decken, Stühle rücken, auch mal eine Bestellung aufnehmen. Die Kneiperstochter hieß Gisela, mit der habe ich zwischendurch gespielt. Doktorspiele mit Gisela. Sie war meine erste Liebe. Eine Ferienliebe, die verblasst, sobald der Sommer vorbei ist. Aber ein Leben lang erinnert man sich mit einer leichten Wehmut daran zurück ...

Von Peter Degner

Ein Berliner, der vor 43 Jahren wegen des Wetters nach Leipzig gezogen ist. Doch jetzt geht Gerold Weber, Chef der hiesigen Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes in den Ruhestand. Im Interview verrät er, aus welchem Grund er weiterhin aufs Wetter schauen wird.

11.10.2018
Lokales Ministerpräsident stellt sich Bürgern - So lief das Sachsengespräch mit Kretschmer in Leipzig

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kam am Mittwochabend mit Leipzigern ins Gespräch – und das deutlich umfangreicher als ursprünglich vorgesehen. Zum Thema rechtsextreme Gewalt im Freistaat forderte er eine deutliche Position seitens der Bürger.

11.10.2018

Keine andere Branche in Leipzig konnte im vorigen Jahr ein so hohes Job-Wachstum vorweisen wie jene der IT-Unternehmen. Bekannte Marken wie Trivago, Check24 oder Verivox haben größere Einheiten in der Messestadt. Sie setzen auf Leipzig, auch weil hier leicht gute Arbeitskräfte zu finden sind.

11.10.2018