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Menschlichkeit am Zug - Leipzigs Bahnhofsmission besteht seit 100 Jahren

Menschlichkeit am Zug - Leipzigs Bahnhofsmission besteht seit 100 Jahren

Ein denkwürdiges Jahr für Leipzigs ökumenische Bahnhofsmission (BM): Sie blickt jetzt auf ihr 100-jähriges Bestehen sowie den 20. Jahrestag ihrer Wiedereröffnung nach der politischen Wende zurück.

Die Helfer von der Bahnhofsmission in ihren blauen Westen gehören seit Jahren zum Bild auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Für viele Reisende sind sie unentbehrliche Begleiter.

Quelle: Andreas Doering

Leipzig. 1913 hatte die BM ihre Arbeit aufgenommen. Als immer mehr Menschen die prosperierende Industriestadt frequentierten, es auch Flüchtlinge und Soldaten zu versorgen galt. Von 1939 bis 1945 war die Hilfseinrichtung verboten - die "Nationalsozialistische Volkswohlfahrt" übernahm den Dienst. Nach dem Zweiten Weltkrieg dann der Neustart. Bis wiederum die DDR 1956 die Dienste der Frauen und Männer mit den blauen Westen und dem lila Kreuz hinten drauf verbot. 1993 schließlich, mit dem Segen der Stadt, die BM-Wiedergeburt im wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Leipzigs.

In der Gegenwart werde natürlich nach wie vor Menschen beim Umsteigen geholfen. "Menschlichkeit am Zug", so das Motto. Es gibt Projekte wie "Kids on Tour", das erst im Januar eine Erweiterung durch "Bahnhofsmission Mobil" erfuhr, wo geschulte Ehrenamtler gegen eine Spende alleinreisenden Kindern, behinderten, kranken oder älteren Personen zumindest auf Regionalrouten zum Zielbahnhof zur Seite stehen. "Jüngst etwa begleitete eine Kollegin von uns einen psychisch Kranken in die Uni-Klinik Halle", erzählt BM-Leiter Frank Engelien. "Und letzten Freitag zum Beispiel hatten wir gleich acht Kinder - drei nachmittags, fünf abends - die, betreut von uns allein nach Frankfurt/Main reisten."

Indes: Die Crew um Engelien - neben ihm und seinem Mitstreiter Carlo Arena (beide mit Teilzeitstelle) sind das eine junge Frau im Bundesfreiwilligendienst plus 20 Ehrenamtler - ist bei Weitem nicht mehr nur auf den Bahnsteigen präsent. Bei Leipzigs BM schlagen die unterschiedlichsten Menschen auf: "Es kommen Leute, darunter manch Stammgast, die sich einen Kummer von der Seele reden wollen", so Engelien. "Wir ackerten schon mit Suizidgefährdeten. Wir sind Anlaufstelle für Wohnungslose und Leipziger mit sozialen Nöten, denen wir mit einem Tee und Tipps versuchen weiterzuhelfen, sie etwa zum Tagestreff Oase vermitteln, ihnen Wege zu entsprechenden Fachstellen ebnen. Wobei", flicht er ein, "man auch mal sagen muss: Unter den 100 Bahnhofsmissionen in Deutschland sind wir die einzige, die ihren Klienten dann auch mal mit einer Straßenbahnfahrkarte solche Wege ermöglichen kann - weil die Leipziger Verkehrsbetriebe uns monatlich unterstützen".

Verstärkt würden in der BM aber auch Ausländer, die in der Region gearbeitet haben, jedoch dafür kein Geld bekamen, aufschlagen. "Sie wollen einfach nur nach Hause, können aber die Fahrt nicht bezahlen. Das sind dann so Sachen, wo wir mit dem Sozialamt eine Lösung suchen." Letzte Rettung sei das BM-Team nicht zuletzt für jene, denen Gepäck oder Portemonnaie gestohlen wurden oder verloren gingen. Oder Leute wie letzten Donnerstag jener junge Mann, der kürzlich, aus welchem Grund auch immer, noch bei Frost barfuß in Sandalen daherkam. Was für uns dieses eine Mal aber ein Problem war", bekennt Engelien. "Normalerweise sind wir auch so ein wenig 'Kleiderkammer', nehmen Spenden für den Caritas-Laden Grünau an und haben so selbst auch immer ein paar Notsachen vorrätig. Nur, diesmal hatten wir unsere Sachen gerade noch ausgelagert. Durch den City-Tunnel-Bau hatten wir nämlich arge Risse hier in unseren Räumen und waren zeitweilig gerade Baustelle."

Die Frauen und Männer um Engelien, altersmäßig eine wohl durchmischte Mannschaft, verlangen für ihre Hilfe keinen Cent. Auch nicht dafür, wenn sie Gruppen wie Leipzigs Anonymen Alkoholikern nach Dienstschluss für deren Treffs mal die BM-Räume überlassen. Und manch Missions-Mitstreiter zieht ebenso gratis schon auch mal mit der Mission los, dem Nachwuchs in Schulen etwa das Ehrenamt nahezubringen. Auf Spenden für ihre Arbeit ist Leipzigs Bahnhofsmission allerdings schon angewiesen. Zumal die Unsicherheit der Finanzierung ein Dauerthema ist. Allein, Engelien ist ein Mann mit Gottvertrauen, baut drauf, dass eine Einrichtung, die im Schnitt jährlich 18000 Bedürftigen in Alltagsnöten hilft, einfach weiterexistieren muss -

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.04.2013

Raulien, Angelika

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