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Lokales Michael Fischert-Art: Wohnmodule kontra Notunterkünfte
Leipzig Lokales Michael Fischert-Art: Wohnmodule kontra Notunterkünfte
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Neue Baumaterialien, intelligente Detaillösungen und unverwechselbares Aussehen - so könnten die Wohnmodule "Made in Leipzig" aussehen. Quelle: Michael Fischer-Art
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Leipzig

Die wachsende Anzahl von Asylbewerbern sollte in individuell zusammensetzbaren Wohnmodulen untergebracht werden. Mit dieser Idee wirbt der Leipziger Künstler Michael Fischer-Art im sächsischen Landtag und im Bundestag; auch Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat er diesen Vorschlag unterbreitet. Die Elemente seien auch haushaltspolitisch interessant, argumentiert Fischer-Art. Sie seien mehrfach verwendbar und damit perspektivisch als Unterkunft in Ländern wie Syrien geeignet - wenn die Flüchtlinge in einigen Jahren dorthin zurückkehren, um ihre zerstörten Länder wieder aufzubauen.

 "Notquartiere sind verlorenes Geld", sagt der Künstler. Solche Gebäude müssten häufig erst einmal vor dem Bezug durch Asylbewerber saniert werden und dann auch wieder nach dem Auszug. Hinzu komme, dass Massenquartiere wie die Ernst-Grube-Sporthalle einen völlig inakzeptablen Standard bieten. "Nur in ansprechenden Quartieren können Flüchtlinge wieder Energie tanken und Wissen vermittelt bekommen", wirbt der 46-Jährige. "In modernen Wohnmodulen haben traumatisierte Bürgerkriegsflüchtlinge die Möglichkeit, die Tür zuzuschließen und sich selber zu sammeln."

 Der Künstler betont, dass es auf dem Markt bereits solche Module gibt, die aber zu einem "sächsischen Modell" weiterentwickelt werden sollten. "Wir sind Weltmeister im Finden kostengünstiger Lösungen", sagt er. Gleichzeitig sollten die Module nicht wie Flüchtlingsunterkünfte aussehen, sondern künstlerisch überhöht gestaltet werden. Damit ließe sich deutschlandweit ein Zeichen setzen. Fischer-Art: "Solche Module zeigen: Wir in Sachsen sind keine braunen Dumpfbacken."

 Der Künstler hat bereits Pläne für ein neues universelles Baukastensystem entwickelt, dessen Module überall aufgestellt und so kombiniert werden können, dass größere Räume entstehen. "Wenn die Flüchtlinge in einigen Jahren wieder in ihre Heimat zurückkehren, könnten die Module auch in völlig zerstörten Städten wie Kobane aufgestellt werden und eine Keimzelle für neues Leben werden", sagt er. Später seien kombinierte Wohnelemente als Schulen und Krankenhäuser weiter nutzbar.

 Der Künstler hält auch an seinem Vorschlag fest, den alten Leipziger Postbahnhof an der Rohrteichstraße zu einem Standort für die Unterbringung von Asylbewerbern zu entwickeln. "Dieses Gebiet ist groß genug und außerdem können sich die Flüchtlinge dort auch betätigen", sagt er. Dort könnten zum Beispiel eine Tischlerei oder eine Schlosserwerkstatt aufgebaut werden, um die Flüchtlinge zu beschäftigen.

 Der Eigentümer des Areals hat gestern betont, dass er bereits seit über einem Jahr an dem Projekt arbeitet, aus dem Alten Postbahnhof einen Asylbewerber-Standort zu machen. "Wir haben die Arbeiten zeitgleich mit unserem Engagement für den Fußballverein FC International begonnen", sagte Ulf Graichen von der Leipziger CG-Gruppe. Der Verein wurde im vergangenen Jahr in Schönefeld gegründet, um den Migranten-Kindern im Bereich der Eisenbahnstraße eine Sportmöglichkeit zu bieten. Derzeit spielen in dem Verein Kinder, die 17 verschiedenen Nationalitäten angehören. Hauptsponsor ist die Leipziger CG-Gruppe. "Wir sind in der Lage, die Fläche des Alten Postbahnhofs schnell herzurichten, und zwar mit einem baulichen Anspruch, der weit über das übliche Maß hinausreicht", so Graichen.

 Außerdem bietet die CG-Gruppe ein Ausweichquartier für alle Leipziger Vereine an, die von der Sperrung der Ernst-Grube-Halle oder anderer Sporthallen betroffen sind, weil diese vorübergehend als Asylbewerberunterkünfte genutzt werden müssen. "Im Jahr 2013 hat unser Unternehmen die Soccer-Halle in der Markranstädter Straße übernommen", berichtet Graichen. Sie verfüge über eine Fläche von 4000 Quadratmetern, die zurzeit für fünf Fußballfelder genutzt wird. "Wir können diese Soccer-Halle sehr schnell in eine Mehrzweckhalle verwandeln und sind bereit, sie kurzfristig und unproblematisch für den Vereins-, den Schul- und den Hochschulsport zur Verfügung zu stellen", so der Immobilienexperte. Interessenten könnten sich an die CG-Gruppe unter Telefon 0341 2692020 wenden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.09.2015
Andreas Tappert

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