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Miese Haltung, kranke Tiere – Vorwürfe überschatten „Berolina“-Gastspiel

Zirkus in Leipzig Miese Haltung, kranke Tiere – Vorwürfe überschatten „Berolina“-Gastspiel

„Berolina“ ist der letzte Zirkus, der nach dem Wildtier-Verbot durch den Stadtrat noch einmal mit Elefant & Co. am Cottaweg gastieren darf. Jetzt werden schwere Vorwürfe gegen das Zirkusunternehmen erhoben. Tiere würden nicht artgerecht gehalten, seien sogar verletzt. „Berolina“ weist die Anschuldigungen zurück.

Bald nicht mehr mit auf Reisen? Tiertrainer Mario Spindler und die Elefantendamen des Circus Berolina, der derzeit am Cottaweg gastiert.
 

Quelle: Kempner

Leipzig. „Berolina“ ist der letzte Zirkus, der nach dem Wildtier-Verbot durch den Stadtrat vor vier Wochen noch einmal mit Elefant & Co. am Cottaweg gastieren darf. Jetzt werden schwere Vorwürfe gegen das Zirkusunternehmen erhoben. Tiere würden nicht artgerecht gehalten, seien sogar verletzt. „Berolina“ weist die Anschuldigungen zurück.

Anfang der Woche war eine Anzeige gegen „Berolina“ im städtischen Veterinäramt eingegangen. Darin seien dem Zirkus Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen worden, bestätigte die Behörde auf LVZ-Anfrage. Die Vorwürfe: Eine Elefantenkuh weise Verletzungen an den Vorderläufen auf, und die Tiere verfügten über zu wenige Scheuermöglichkeiten zur Hautpflege. Zudem seien einem Pferd – wenn auch unbeabsichtigt – während einer Vorstellung Verletzungen zugefügt worden.

Letzteres verweist „Berolina“-Geschäftsführerin Melanie Spindler ins Reich der Fantasie. Der Artist lande bei der betreffenden Nummer auf dem ausreichend gepolsterten Rücken des Pferdes. Scheuermöglichkeiten für die Elefanten seien sowohl im Zelt, als auch im angrenzenden Park ausreichend vorhanden. Die bemängelten Stellen an den Beinen der Elefantenkuh seien bekannt, das Tier befinde sich deswegen in tierärztlicher Behandlung.

Diese Darstellung bestätigte auch das Tieramt nach einer außerplanmäßigen Kontrolle. In Bezug auf die Elefantenkuh seien angeordnete Pflegemaßnahmen und deren Dokumentation umgesetzt worden, ein Ausschluss von den Vorführungen sei nicht angeraten, da die Bewegung Durchblutung und Heilung fördere. Man werde zudem zeitnah eine Vorstellung besuchen, um sich einen umfassenden Überblick über die Darbietungen zu verschaffen.

Spindler zeigt sich angesichts der Anschuldigungen empört: „Kein Unternehmen wird so stark kontrolliert wie ein Zirkus, wir stellen uns mehr als 40 Kontrollen im Jahr“, betont sie. Das sei auch in Leipzig nicht anders: „Bauaufsicht, Veterinäramt und Gesundheitsamt hatten alle nichts zu beanstanden. Wir halten alle Leitlinien ein und können das auch belegen.“

Spindler übt zudem scharfe Kritik am Beschluss des Stadtrats und den Argumenten der Gegenseite. Wie berichtet, hatte die Stadt im Februar entschieden, dass künftig kein Zirkus mehr in Leipzig auf städtischen Grundstücken auftreten darf, der Wildtiere dabei hat. „Berolina“ ist von der Verfügung ausgenommen, weil der Gastspielvertrag mit der Stadt vor dem Ratsbeschluss zustande gekommen war. Dass Zirkusbetriebe mit Wildtieren auf private Flächen ausweichen könnten, hält Spindler für zu kurz gedacht. „Festplätze sind ja genau für solche Veranstaltungen konzipiert, hier gibt es feste Strom- und Wasseranschlüsse, sowie genügend Auslauffläche für die Tiere“, sagte sie. All dies sei auf Privatgrundstücken nicht zwingend gegeben – und könnte zu neuer Kritik führen.

Generell habe die Stadt ihrer Meinung nach, gerade im Hinblick auf eine derzeit im Bundesrat angestoßene Tierschutzinitiative, in vorauseilendem Gehorsam gehandelt. „Das Verbot ist an der Realität vorbei gedacht.“ Man habe weder in ausreichendem Maße das Wohl der Tiere, noch die wirtschaftliche Situation der Zirkusse im Blick gehabt. „Wenn das Verbot kommt, können wir zumachen“, beschreibt sie mögliche Konsequenzen für ihr Unternehmen. Beließe man die Tiere ganzjährig in ihrem Winterquartier, müssten auch die entsprechenden Kontaktpersonen dort verbleiben. Spindler: „Das Reisen lohnt sich für uns dann fast nicht mehr.“

Anders sehen die Lage Leipziger Tierschützer. Es gebe durchaus noch andere Optionen als das Winterquartier, erklärt Jens Hübel von der Initiative Wildtierfreier Zirkus Leipzig. „Verschiedene zoologische Einrichtungen oder auch spezialisierte Auffangeinrichtungen sind eine Möglichkeit“, führt er aus. Entsprechende Konzepte könnten individuell erarbeitet werden. „Keiner verlangt, dass das von heute auf morgen geschieht.“ Den Verweis auf die Tiere als wichtigen Wirtschaftsfaktor will er nicht gelten lassen: „Es gibt genug Beispiele, die zeigen, dass auch ein Zirkus ohne Tiere erfolgreich sein kann.“

Melanie Spindler hofft noch auf eine Lösung am Verhandlungstisch, gibt sich allerdings auch kämpferisch: „Im Notfall werden wir ein weiteres Gastspiel am Cottaweg einklagen.“

Von Bastian Fischer

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