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Mieter in Leipziger Jahnallee sitzen in kalten Wohnungen

Verdacht auf Manipulation Mieter in Leipziger Jahnallee sitzen in kalten Wohnungen

Keine Heizung, kein Warmwasser und abgeschlossene Räume: Mieter in der Leipziger Jahnallee üben heftige Kritik an den Eigentümern des Gebäudes. Sie befürchten, dass sie aus ihren Wohnungen geekelt werden sollen.

Kalte Räume, ausbleibende Dienste: Die Mieter des Hauses in der Jahnallee erheben schwere Vorwürfe gegen den Eigentümer.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Alix Bouteleux trägt Winterjacke, Schal und Mütze. Bei den derzeitigen Temperaturen nichts Außergewöhnliches, möchte man meinen. Allerdings befinden wir uns nicht im Freien – sondern in der Küche von Bouteleux’ Wohnung in der Leipziger Jahnallee. Und die mollige Kleidung ist auch angebracht. Denn es ist kalt hier. Sehr kalt.

Mit Heizlüftern gegen Kälte

„Seit Anfang Dezember gibt es Probleme mit unserer Heizungsanlage“, berichtet Bouteleux. „Und seit dem 20. Dezember funktioniert praktisch gar nichts mehr – im ganzen Haus.“ Mittlerweile zeigt das Thermometer angesichts der Außentemperatur ungemütliche 8 Grad in den Räumen des Altbaus, lediglich kleine Bereiche können per Heizlüfter notdürftig erwärmt werden.

Eigentlich ist so ein Heizungsschaden ein Fall für die Hausverwaltung. Doch die derzeitigen Eigentümer des Gebäudes verweigern laut Bouteleux und den anderen Mietern in der Jahnallee bisher eine Reparatur. „Uns wurde nach wiederholter Aufforderung lediglich mitgeteilt, dass man die Anlage überholen lassen werde – wenn dies ökonomisch sinnvoll erscheine“, erläutert Bouteleux’ Nachbarin Evelyn Thamm. Bis dahin müsse man sich eben gedulden, was zwar angesichts der Temperaturen unangenehm aber nicht zu ändern sei, habe der Verwalter mitgeteilt.

Mit Protestbannern machen die Mieter auf ihre Situation aufmerksam

Mit Protestbannern machen die Mieter auf ihre Situation aufmerksam.

Quelle: André Kempner

„Nicht mehr zumutbar“

Dass hier ein erheblicher Mangel vorliegt, bestätigt auch Anke Mateijka. „Mindestens 21 Grad müssen in Wohnräumen erreichbar sein“, so die Geschäftsführerin des Leipziger Mietervereins. „Wenn die Temperatur unter 15 Grad fällt, wird es bereits kritisch, es besteht Gesundheitsgefahr. Eine Temperatur von 8 Grad ist nicht mehr zumutbar.“ Der Vermieter habe in einem solchen Fall umgehend dafür zu sorgen, dass eine Reparatur erfolge. Sei die Verwaltung nicht greifbar, oder reagiere nicht, könnten die Mieter auch einen Notdienst zu Hilfe rufen, der die Reparatur vornimmt.

Eine solche Vorgehensweise haben auch die Mieter in der Jahnallee gewählt. Doch nachdem der herbeigerufene Techniker mehrfach kleinere Reparaturen durchgeführt habe, sei eine solche Lösung mittlerweile nicht mehr möglich, denn: Der Heizungskeller ist verschlossen – und die Verwaltung droht laut Bouteleux mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch, sollten die Räume ohne Erlaubnis betreten werden.

Lange Mängelliste

„Es besteht inzwischen der Verdacht, dass die Eigentümer die Mieter durch Unterlassung von Reparaturen loswerden wollen, um anschließend umfangreiche Luxussanierungen an dem Gebäude durchführen zu können“, berichtet Jürgen Kasek. Er berät die Mieter als Anwalt. Und es sei nicht nur das Heizungsproblem, dass diese These stützt.

Die Liste der Mängel ist lang: „Wir haben nicht nur keinen Zugang zum Keller mehr, sondern auch nicht zu den Parkplätzen hinter dem Haus“, zählt Alix Bouteleux auf. „Hausmeisterdienste werden nicht mehr durchgeführt – obwohl wir für diese Dinge anteilig Miete bezahlen.“ Sie fühle sich nicht mehr sicher, bestätigt auch Mitmieterin Anne Liebsch. Zudem habe der Verwalter bereits mehrfach unangekündigt Wohnräume betreten.

Das Haus in der Jahnallee

Das Haus in der Jahnallee.

Quelle: André Kempner

Verdacht auf Nötigung

Die Mieter behelfen sich mit Notlösungen. Wo es geht kommen Heizlüfter zum Einsatz, geduscht werde bei Freunden, im Fitnessstudio oder im Schwimmbad. „Wir suchen uns ständig Heizungsasyl bei Freunden“, berichtet Bouteleux. Die Eigentümer seien mittlerweile nur noch sehr eingeschränkt erreichbar, kommunizierten größtenteils per SMS oder Mail, laut den Mietern oft in unverhohlen aggressivem Ton. „Das Auftreten der Verwaltung ist in meinen Augen nicht gerade von Seriosität geprägt, teilweise sehe ich den Tatbestand der Nötigung erfüllt“, stellt Anwalt Kasek klar.

Mittlerweile hat er im Namen der Mieter eine einstweilige Verfügung beantragt, damit zumindest die Heizung schnell wieder in Betrieb genommen wird. Und auch eine Anzeige gegen die Eigentümer und gegen unbekannt sei gestellt worden – wegen des Verdachts einer Manipulation der Heizungsanlage. Nun müssen sich Anwälte mit dem Fall beschäftigen.

Die Hausverwaltung hatte sich auf Anfrage von LVZ.de bis zum Montag nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Von bfi

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