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Lokales Mikroparks und grüne Dächer – so wollen die Grünen Leipzig abkühlen
Leipzig Lokales Mikroparks und grüne Dächer – so wollen die Grünen Leipzig abkühlen
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17:36 16.09.2018
Stefanie Gruner und Matthias Jobke bleiben Sprecher der Grünen. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Dem Sommer ist die Puste noch nicht ausgegangen. Die langanhaltende Hitze, die mit einer ausgeprägten Dürreperiode verbunden war, ist wohl keine Ausnahme mehr. Experten gehen davon aus, dass heiße und trockene Sommer zur Regel werden. Grund genug für die Grünen, etwas gegen die Aufheizung der Stadt zu tun. Bei ihrem Stadtparteitag am Sonnabend im Werk II in Connewitz haben sie das Programm „Leipzig braucht kühle Nachbarschaften“ beschlossen. Das ist ein Zehn-Punkte-Plan, wie die Stadt auf die Zunahme von Hitzetagen reagieren kann. Gleichzeitig wurden die Juristin Stefanie Gruner (38) und der Social-Media-Manager Matthias Jobke (31) als Sprecher des Kreisvorstandes von Bündnis 90/Die Grünen bestätigt.

Hitzetage in Leipzig haben sich verdoppelt

„Die Hitzetage über 30 Grad Celsius haben sich 2018 fast verdoppelt. Der Sommer wird zunehmend als Stress, als Belastung für Mensch und Tier empfunden“, erklärt Tobias Peter vom Arbeitskreis Stadtentwicklung und Mobilität der Grünen. Seit 1963 sei es in Leipzig im Mittel um 1,6 Grad wärmer geworden, auch die Zahl der Tropennächte nimmt kontinuierlich zu. Das lasse sich – als Konsequenz der Veränderungen im globalen Klimasystem – belegen. Dem Regionalen Klimaatlas zufolge seien bis 2040 Temperaturerhöhungen bis zu 1,4 Grad Celsius, ab 2071 sogar von 2,2 bis zu 5,7 Grad Celsius zu erwarten. Unabhängig von globalen und bundesweiten Maßnahmen, wie dem Ausstieg aus der Kohleförderung, könnten auch Städte reagieren.

Mikroparks können zur Abkühlung beitragen

„Wir brauchen nicht nur große Parks wie den Clara-Zetkin-Park oder Erholungsgebiete wie den Auwald. Wichtig ist, in allen Stadtteilen kleinere Mikroparks zu schaffen“, nennt Peter ein Beispiel. Es habe Konsequenzen in der wachsenden Stadt, ob Brachflächen bebaut werden oder eben nicht. In dicht bebauten Quartieren werde Wärme von Häuser- und Dachflächen an die Umgebung abgestrahlt, bleibe im Quartier gebunden. Mikroparks, darunter auch Flächen für Urban Gardening, könnten da gezielt für Abkühlung sorgen. Wichtig sei auch die konsequente Umsetzung des „Tausend-Bäume-Programms“, mit dem es in Leipzig hapert. So hat der Stadtrat zwar auf Initiative der Grünen beschlossen, 1000 Bäume pro Jahr neu zu pflanzen – umgesetzt werden aber lediglich Ersatzpflanzungen.

„Nur 20 Prozent der Straßen in Leipzig sind mit Bäumen begrünt. In besonders hitzeanfälligen Straßen brauchen wir deutlich mehr Anstrengungen“, so der 40-Jährige, der als Bildungsforscher arbeitet. Derzeit sei das städtische Programm für private Baumspenden bürokratisch. Anreize wären da hilfreich. Zum Beispiel könnte die Stadt für jeden privat gepflanzten Baum einen kommunalen hinzufügen. Kommunale Unternehmen könnten für privat gepflanzte Pflanzungen Prämien zahlen. Gefordert wird auch, dem Rat endlich das überfällige Straßenbaumkonzept vorzulegen.

Innenhöfe vor einer Bebauung schützen

Notwendig ist nach Ansicht der Grünen auch der Erhalt von Grünflächen, die bei der Ausweisung von Bauflächen und der Aufstellung von Bebauungsplänen rechtlich verbindlich geschützt werden müssen. So sei eine Bebauung von Innenhöfen grundsätzlich auszuschließen, eine Entsiegelung und Begrünung sollte gefördert werden. „Ausnahmen bleiben bei größeren Innenhöfen möglich, grundsätzlich müssen wir sie aber von einer Bebauung ausnehmen“, erklärt Peter und verweist auf Satzungen wie in München. Durch eine Satzung könnte Leipzig zudem den Einsatz unnötig hitzeaufnehmender Oberflächen bei Bauprojekten ausschließen. Wasserspender, Trink- und Springbrunnen, eine Ausweitung des Netzes von Freibädern sieht der Grünen-Plan ebenso vor wie Beratung und Prävention, um gesundheitlichen Hitzebelastungen vorzubeugen.

Begonnen hat die Diskussion über das Kommunalwahlprogramm für 2019. „Es ist unsere Aufgabe, den Menschen Mut und Zuversicht zu geben und den Zusammenhalt zu stärken“, sagt Gruner mit Blick auf den Rechtsruck und den zunehmenden Hass auf alles Fremde in Sachsen.

Von Mathias Orbeck

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