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Lokales Millionen-Schaden durch illegale Graffiti in Leipzig – Sprüher fordern mehr legale Flächen
Leipzig Lokales Millionen-Schaden durch illegale Graffiti in Leipzig – Sprüher fordern mehr legale Flächen
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15:28 17.07.2015
In Leipzig gibt es drei Walls of Fame. Quelle: Regina Katzer
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Leipzig

Die Folge: Bewährungsstrafe, Arbeitsstunden und hohe Schulden. Die fünfstellige Geldstrafe werde er noch ein paar Jahre abzahlen, sagt der Jugendliche und nestelt an seiner Schirmmütze.

In Leipzig entstehen durch illegale Graffiti jährlich Schäden in Höhe von zwei Millionen Euro. Etwa 60.000 Quadratmeter in der Stadt sind unerlaubt besprüht. 250.000 Euro im Jahr kostet die Reinigung allein des städtischen Eigentums.

Diese und weitere Zahlen präsentierte am Montagnachmittag Jörg Zimmermann vom Leipziger Ordnungsamt. Auf einer Anti-Graffiti-Tagung kamen im Neuen Rathaus Vertreter der Stadtverwaltung und Polizei mit Immobilienbesitzern und Baufirmen zusammen, um über wirksamen Schutz gegen illegale Werke zu beraten. Eingeladen hatte Stattbild, ein Leipziger Aktionsbündnis gegen illegale Graffiti.

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Touristen und Investoren werden abgeschreckt

Die Immobilienbranche leide unter den Schmierereien, Touristen und Investoren würden abgeschreckt, sagte Eckardt Nowak von Stattbild. Für Zimmermann ist das unerlaubte Sprühen „Profilierung auf Kosten der Gesellschaft". Er bescheinigte denen, die fremdes Eigentum mit Farbdosen beschmieren, ein „Persönlichkeitsdefizit". Aktive wie Paul dagegen sehen in Graffiti vor allem Kreativität und Leben. „Als ich mit 13 Jahren angefangen habe, ging es nicht nur um das Coolsein. Ich konnte die Umwelt gestalten und etwas Bleibendes schaffen", sagt er. Graffiti machten die Stadt bunter.

Rund 500 Sprüher zählt Sebastian Drechsel vom Graffitiverein zur Szene in Leipzig - die meisten von ihnen seien illegal unterwegs. Ihnen das auszureden, sei nicht Ziel des Vereins. Stattdessen wolle er legale Alternativen anbieten. Im Rahmen von Projekten werden zusammen mit Schulen, den Verkehrsbetrieben oder der Stadt einmalig Flächen zum Besprühen freigeben, erklärt Drechsel.

Zu wenig legale Graffiti-Flächen in Leipzig

In Leipzig gibt es drei Walls of Fame - Freiflächen, an denen sich Sprüher ohne Angst vor Verfolgung betätigen können. Quelle: Regina Katzer

Darüber hinaus gibt es in Leipzig drei so genannte Walls of Fame - Freiflächen, an denen sich Sprüher ohne Angst vor Verfolgung betätigen können. Am Werk II, am Conne Island und an der Skateranlage am Heizhaus sind die Graffiti jedoch meist nur ein paar Tage zu sehen, bevor sie von anderen Sprühern übermalt werden - zu wenig Platz für zu viele Sprüher.

Gäbe es mehr legale Flächen, würden die Graffiti auch ansehnlicher werden, meint Drechsel: „Je gefährlicher der Ort, desto schlechter die Bilder." Tags, einfarbige Schriftzüge, und Bombings, Schrift in größeren schwarz-silbernen Lettern, hätten wegen der schärferen Strafverfolgung seit 2005 eher zugenommen.

In Leipzig wurden 2011 etwa 1900 Anzeigen wegen illegaler Graffiti gestellt. Gefasst wurden nach Polizeiangaben 197 Täter. Sprüher wie Paul halten die Strafen für unverhältnismäßig. Ob sie ein wirksamer Schutz gegen unerlaubte Schmierereien sind, ist umstritten. „Wir haben deutlich mehr Kinder erwischt. Die Szene wächst nach", sagt Thomas Kretzschmar vom Polizeirevier Leipzig Nord.

Den Tätern zeigen: „Dies ist nicht deine Leinwand!"

Zumindest für Paul war nach der Verurteilung Schluss mit der Illegalität. Heute sprüht der Leipziger nach eigenen Angaben nur noch legal. Vor Kurzem hat er zusammen mit einem Freund die Fassaden eines Lebensmittelladens am Bayerischen Platz gestaltet. Dafür erhielt er nicht nur unerwarteten Zuspruch von Passanten. „Solche Aufträge werden auch in der Szene toleriert", sagt er. Es gehöre zum Ehrenkodex, diese Arbeiten nicht zu übersprühen. Genauso seien Kirchen und Friedhöfe als Graffiti-Flächen tabu.

Andere Erfahrungen hat Jörg Zimmermann vom Ordnungsamt gemacht. Wände farblich zu gestalten, helfe nur bedingt. Die beste Maßnahme gegen neue Graffiti sei, die alten so schnell wie möglich und immer wieder aufs Neue zu entfernen. „Wir müssen den Tätern zeigen: Dies ist nicht deine Leinwand!"

Robert Berlin

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