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Mit 87 in Rente - Tischlermeister Herbert Klier hört auf

Mit 87 in Rente - Tischlermeister Herbert Klier hört auf

"Ach, Klier? Ist der Senior noch da? Bei dem habe ich gelernt!" Bemerkungen dieser Art bekommt Florian Mückel-Klier (44) häufig von Tischler-Kollegen zu hören.

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Ganze Generationen von Tischlermeistern hat Herbert Klier (86) ausgebildet. Darunter den eigenen Adoptivsohn und Nachfolger Florian Mückel-Klier (44).

Quelle: André Kempner

Der Senior, das ist sein Adoptivvater Herbert Klier. Ja, der ist noch da - aber sein Berufsleben nähert sich nun doch mal dem Ende. Mitte Februar feiert der alte Herr seinen 87. Geburtstag, drei Tage später wird er in den Ruhestand verabschiedet. Bis Herbst war er regelmäßig jeden Vormittag in der Firma.

Rente mit 87 - für den Altmeister ist das nichts Sensationelles. "Die Arbeit hat mir Spaß gemacht, und was sollte ich denn sonst machen?", fragt er zurück. Mit seiner Ehefrau (78) hat er viele Reisen unternommen, in dieser Hinsicht bestehe kein Nachholebedarf. Der beste Freund wohnt in Hannover, ist selbst Tischlermeister und hat auch lange gearbeitet - von dieser Seite gibt es keine Verwunderung. Seinen Hund hat Klier bereits überlebt. Gesundheitlich ist der 86-Jährige noch fit, nimmt keine einzige Tablette. Nur die Ohren haben durch die Maschinen etwas gelitten. "Er stand ständig unter Strom, dieser Denksport hat ihn fit gehalten", glaubt der Junior. Ganz offiziell hat Florian Mückel-Klier schon 1993 die Firmenleitung angetreten. Da war er gerade Mitte 20. Die Sparkasse gewährte seinem Stiefvater, damals 65, keinen Kredit - also musste der Junge in die erste Reihe. "Aber tatsächlich schmiss er den Laden weiter, ich bin so nach und nach hineingewachsen."

Streng, aber immer geduldig und nie nachtragend sei der Vater gewesen. Zu DDR-Zeiten hat er die Berufsgruppe der Tischler geleitet, von 1990 bis 1995 war er Obermeister der wiedergegründeten Innung. Zwischen 1955 und 1995 hat Herbert Klier selbst Meister ausgebildet, jedes Jahr 30 Mann. Heutige Lehrlinge kommen in eine industrialisierte Tischlerei, mit modernen Maschinen zum Zuschneiden, Fräsen oder Lackieren. Nicht so gemütlich wie mancher denkt, der "Meister Eder und sein Pumuckel" gesehen hat. Als Herbert Klier selbst Lehrling war, Anfang der 1940er-Jahre, musste er jeden Morgen beim Meister den Schlüssel holen, die Werkstatt aufschließen und heizen. Zwölf Kilometer, die er mit dem Fahrrad zurücklegte.

1996 ist die Tischlerei in der Mockauer Straße 100 Jahre alt geworden. Das Orgelgehäuse in der (alten) Propsteikirche, Wandverkleidungen im Ratskeller und in der Volkshochschule, historische Fenster in der Alten Nikolaischule und in der Hupfeld-Villa, Stationen und Ärztezimmer im Elisabeth-Krankenhaus sind nur einige Spuren, die sie hinterlassen hat. Für die zwölf Mitarbeiter jeden Tag Arbeit heranzuschaffen - und den Konkurrenzdruck durch Ausschreibungen zu bestehen -, das bezeichnet Florian Mückel-Klier als die größten Herausforderungen der heutigen Zeit.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.01.2015

Kerstin Decker

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