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Lokales Mit Rechnen „nichts zu tun“ – Leipziger holt Silber bei Matheolympiade in Hongkong
Leipzig Lokales Mit Rechnen „nichts zu tun“ – Leipziger holt Silber bei Matheolympiade in Hongkong
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18:21 18.07.2016
Der Leipziger Ferdinand Wagner (Mitte) mit dem Maskottchen „Mathematigerin“ und Martin Drees, Manfred Paul, Dr. Eric Müller und Prof. Jürgen Prestin vom deutschen Team bei der Medaillenvergabe in Hongkong. Quelle: Bildung & Begabung
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Leipzig

Knobelaufgabe. Das Wort mag Ferdinand Wagner nicht. „Das ist verharmlosend.“ Er würde die Übungen bei der Mathematikolympiade eher als eine andere Form der Wissenschaft bezeichnen. Der Leipziger Abiturient ist gerade von der 57. Ausgabe des internationalen Wettbewerbs in Hongkong zurückgekommen – mit Silber im Gepäck.

Einem Laien von dem Event eine Vorstellung zu vermitteln, ist gar nicht so einfach. „Das hat überhaupt nichts mit Rechnen zu tun“, versucht es der 17-Jährige in Worte zu fassen. „Man bekommt ein Problem oder eine Aussage, für die man dann einen Beweis finden muss. Zum Beispiel: Welches ist die kleinste Zahl, auf die ein bestimmter Sachverhalt zutrifft?“ Und das insgesamt sechsmal: Zwei Klausuren mit je drei Aufgaben und viereinhalb Stunden Bearbeitungszeit hat Ferdinand hinter sich.

15 Punkte in Mathe „notwendig“

Sein Ziel für die Reise nach Hongkong hat der 17-Jährige erreicht. „Ich habe vor zwei Jahren Silber, letztes Jahr Bronze geschafft“, erzählt er. „Silber sollte es da schon wenigstens wieder werden.“ Am Ende konnte sich Ferdinand über 23 von 42 möglichen Punkten freuen. „Hätte ich am ersten Tag eine Aufgabe mehr gelöst, hätte es für Gold gereicht“, schiebt er ein und fügt dann hinzu: „Das ist aber dennoch ein gutes Ergebnis.“

Von rund 600 Schülern haben nur fünf die maximale Punktzahl erhalten. Doch der 17-Jährige ist ehrgeizig. Die erreichten 15 Punkte im Matheabitur bezeichnet Ferdinand als „Notwendigkeit“. Bei der Teilnahme an der Olympiade zählt aber vor allem Spaß. „Normalerweise verbindet man Mathe nicht unbedingt mit Kreativität“, so der Leipziger. „Aber genau das ist das Besondere bei diesen Wettbewerben. Man muss unheimlich kreativ sein, um die Aufgaben zu lösen.“ Es ist Leidenschaft, die aus ihm spricht. „Das erfordert viel geistige Flexibilität. Diese Eleganz begeistert mich.“

Rio ohne Ferdinand

Fremde Orte und Kulturen kennenzulernen, ist ein angenehmer Nebeneffekt. „Ich hatte Glück mit den Austragungsorten der vergangenen Jahre. Da kann man schon mit in der Schulklasse angeben, wenn man erzählt, dass man nach Thailand, Südafrika oder Hongkong fliegt“, erzählt Ferdinand lachend. Der Stadtstaat im südchinesischen Meer hat ihn beeindruckt. „Das war sehr spannend. Das Leben dort ist schon ganz anders als unseres hier in Deutschland.“

Nächstes Jahr findet die Olympiade in Rio de Janeiro statt – allerdings ohne Ferdinand. Er hat seit dem Sommer sein Abitur in der Tasche, kann deshalb gemäß der Statuten nicht mehr teilnehmen. Ganz mit der Branche abgeschlossen hat der 17-Jährige aber noch nicht. „Mich weiter zu engagieren, zum Beispiel als Trainer auf Vorbereitungsseminaren, das könnte ich mir durchaus vorstellen.“ In der Zwischenzeit zieht es ihn erstmal an die Bonner Universität. Welches Fach er studiert? „Mathematik“ – natürlich, möchte man sagen.

Von Josephine Heinze

Die 57. Internationale Mathematikolympiade

fand vom 6. bis 16. Juli in Hongkong statt. Rund 600 Schüler aus 109 Ländern haben daran teilgenommen. Neben Ferdinand Wagner gehörten fünf weitere Mathetalente zum deutschen Team, das im Ländervergleich den 19. Platz erreichte. Deren Teilnahme wird vom bundesweiten Talentförderzentrum Bildung und Begabung in Bonn finanziert. Mehr unter imo-official.org.

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