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Lokales Mit der Terrorgefahr wachsen auch die Anforderungen an die Sicherheitsbranche
Leipzig Lokales Mit der Terrorgefahr wachsen auch die Anforderungen an die Sicherheitsbranche
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00:18 12.05.2017
Personen- und Taschenkontrollen bei Großveranstaltungen gehören zu den Aufgaben des Veranstaltungsordnungsdienstes. Quelle: Foto: Bundesverband der Sicherheitswirtschaft
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Leipzig


Jörg Mokry, Geschäftsführer der Leipziger Löwen Sicherheit, fordert bundesweite einheitliche Pflichtschulungen und Qualifizierungsnachweise. Der 50-Jährige bringt mehr als 25 Jahre Berufserfahrung mit. Er hält für den Veranstaltungsordnungsdienst eine mindestens vierstündige interne Firmenschulung für erforderlich, zusätzlich zur Einweisung des Personals vor Ort am Einsatztag. Denn das Personal müsse im Ernstfall Entscheidungen treffen und bei einer Räumung kühlen Kopf bewahren. Die derzeit übliche Sachkundeprüfung sei nicht geeignet, um die Mitarbeiter angemessen für Großveranstaltungen zu qualifizieren. Mokry ist Mitglied im Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) und Sprecher für den Landesverband Sachsen. Er verweist als Vorbild auf die Schulungsverordnung des Deutschen Fußballbundes zur Sicherung von Fußballspielen, die Pflichtprogramm für seine Mitarbeiter sei.

Für Jörg Mokry (rechts) ist eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei – hier Leipzigs Polizeichef Bernd Merbitz – wichtig. Quelle: Kerstin Decker

Dominik Brähler, Geschäftsführer der Leipziger Eventagentur Blues Agency, veranstaltet seit Anfang der 1990er-Jahre in 30 Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz das Honky-Tonk-Kneipenfest und seit 2015 auch das Leipziger Genussfestival Eat Eat Eat. „Sicherheitsfragen werden immer wichtiger. So muss ich für das Eat Eat Eat Ende September auf dem Augustusplatz ein Sicherheitskonzept abgeben. Da erwarte ich natürlich, dass ich das vom Sicherheitsdienstleister erstellt bekomme.“ Nach Jahrzehnten im Veranstaltungsgeschäft hat Brähler einen guten Überblick, welche seriösen und unseriösen Firmen es in den jeweiligen Städten gibt. Hobbyveranstalter hätten das dagegen oft nicht und seien überrascht, wie viel sie für Sicherheitsfragen investieren müssen.

Übersicht im Dschungel der bundesweiten privaten Sicherheitsfirmen soll ab Mai die aus Leipzig kommende App „SECmarket“ bieten. Entwickelt wurde sie von Jörg Mokry zusammen mit der IMPLI Informations-Systeme GmbH. Derzeit läuft die Testphase. Die App schafft erstmals eine bundesweite Vernetzung der Sicherheitsbranche. Als Plattform für Security-Dienstleister, Auftraggeber, Ausbildungsanbieter und Ausrüster will sie dazu beitragen, Qualität und Image der Branche aufzubessern. Die App listet 111 verschiedene Tätigkeitsbereiche der Sicherheitswirtschaft auf, für die oft unterschiedliche Voraussetzungen erforderlich sind – beispielsweise Objekt- und Wachschutz, Veranstaltungssicherheit, Ladenüberwachung, Centerstreife, Parkplatzmanagement, Schutz von Sicherheitsanlagen, Personenschutz. Die meisten Unternehmen sind Mitglieder des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft und definitiv qualitätsgeprüft. Zusätzlich gibt es eine Jobfinder-App, die vom Nebenjob über Festanstellungen bis hin zum Ausbildungsplatz bundesweite Jobs in dieser Branche auflistet. Dabei wird auch mit der Bundesagentur für Arbeit kooperiert. Die kostenlose App für Computer, Smartphone und Tablet ist voraussichtlich ab Ende Mai für Apple- und Androidgeräte erhältlich.

Private Wach- und Sicherheitsdienste zählen zu den am stärksten wachsenden Berufszweigen Deutschlands, auch wegen des Bedarfs zum Schutz von Flüchtlingsunterkünften. Einzelne Übergriffe und Gewalttaten durch Sicherheitsleute, aber auch Fehden konkurrierender Sicherheitsunternehmen untereinander brachten in den letzten Monaten die Branche in Verruf. Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft, in dem 850 Unternehmen zusammengeschlossen sind, weist seit Jahren auf die Notwendigkeit eines speziellen Security-Gesetzes hin. Es soll Rechte und Pflichten der Sicherheitswirtschaft formulieren, verbesserte Schulungsprogramme und regelmäßige Überprüfungen der Unternehmen und des Personals festschreiben. Ein solches Spezialgesetz existiert außer in Deutschland, Österreich und Liechtenstein in allen anderen EU-Staaten. Außerdem sollte das Bewachungsgewerbe aus dem Wirtschaftsministerium ausgegliedert und unter Kontrolle des Innenministeriums gestellt werden, dem auch die Polizei untersteht.

Von Kerstin Decker

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