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Lokales Mitarbeiter begehren gegen PC-Ware-Vorstand auf - Verdi fordert Betriebsrat
Leipzig Lokales Mitarbeiter begehren gegen PC-Ware-Vorstand auf - Verdi fordert Betriebsrat
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23:41 17.03.2010
Der Standort der Firma PC-Ware im Gewerbegebiet Heiterblick in Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Einer von ihnen muss das Unternehmen tatsächlich verlassen, nachdem er am Mittwoch zur Wahl eines Betriebsrats aufgerufen und den Vorstand kritisiert hatte.

Der Mitarbeiter hatte sich am Morgen in einer vierseitigen E-Mail - sie liegt der Leipziger Volkszeitung vor - an die Belegschaft des Konzerns in Deutschland gewandt. "Der Zeitpunkt ist gekommen, die Stimme der Belegschaft zu erheben", schrieb der Mann aus dem Raum Leipzig an seine Kollegen. "Wir brauchen eine Institution, die mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat auf Augenhöhe spricht." Er rufe daher zur Wahl eines Betriebsrates auf.

Hintergrund des Appells ist die Übernahme der börsennotierten PC-Ware AG durch die Raiffeisen Informatik Anfang 2009 und der Austausch der Unternehmensleitung im vergangenen Sommer. Nach einem Streit mit dem Hauptgesellschafter über die strategische Ausrichtung des Konzerns ging Firmengründer Knut Löschke zusammen mit Finanzvorstand Tillmann Blaschke. Seitdem leiten Klaus Elsbacher, Hansjörg Egger und Thomas Reich die PC-Ware AG.

Ihnen wirft der Verfasser der E-Mail vor, dass sie das Unternehmen "radikal auf dem Rücken der Mitarbeiter noch profitabler" machen wollten. Kollegen, die den Vorstand kritisiert hätten, seien entlassen worden. Die Belegschaft wisse nicht, welche Strategie die Unternehmensleitung habe. "Unter den Mitarbeitern herrscht Angst um den individuellen Arbeitsplatz." Ähnlich äußerte sich ein anderer Angestellter, der sich gestern an diese Zeitung wandte. "Die Situation ist für alle Mitarbeiter unerträglich, viele weinen und alle haben Angst." Tatsächlich mussten in den vergangenen Monaten einige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, unter ihnen Führungskräfte.

Der Vorstand des Unternehmens äußerte sich zu den Inhalten der Kritik auf Anfrage dieser Zeitung nicht. Ein Betriebsrat werde aber nicht abgelehnt, ließ er mitteilen. In einer E-Mail an die Mitarbeiter schrieb Reich: "Leisten Sie Ihren Beitrag für eine erfolgreiche Zukunft von PC-Ware, äußern Sie gerne auch Ihre Kritik!" Ob Entlassungen oder Einstellungen geplant sind, ließ der Vorstand offen. Dazu könnten keine Aussage gemacht werden, weil der Umbau des Konzerns noch nicht abgeschlossen sei.

Der Verfasser der E-Mail muss das Unternehmen jedoch verlassen. In seinem Schreiben seien "Eigentümer, Vorstand, Führungskräfte und Belegschaft massiv herabgewürdigt" worden, schrieb Reich an die Mitarbeiter. "Diese diskreditierenden Äußerungen machen die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für uns unzumutbar." Der Vorstand habe sich ohnehin von dem Mann trennen wollen. Nähere Angaben dazu machte das Management nicht.

Die Gewerkschaft Verdi bot den Mitarbeitern ihre Hilfe an. Sie rief den PC-Ware-Vorstand dazu auf, die Wahl einer Arbeitnehmervertretung zu unterstützen. "In den meisten Unternehmen, in denen es einen Betriebsrat gibt, ist ein konstruktiver Dialog zwischen Management und Belegschaft Realität", sagte Verdi-Sekretär Enrico Zemke.

PC-Ware hat weltweit etwa 1700 Beschäftigte, rund 300 davon in Leipzig. Das Unternehmen erreichte in den ersten Monaten seines Geschäftsjahres 2009/10 einen Umsatz von rund 640 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 3,2 Millionen Euro. Beide Werte liegen unter denen des Vorjahreszeitraums.

Markus Werning

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