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Lokales Mitflugzentrale bringt Privatpiloten und Fußgänger zusammen
Leipzig Lokales Mitflugzentrale bringt Privatpiloten und Fußgänger zusammen
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11:36 07.05.2016
Marcus Loffhagen, Kim Becker und Peter Nürnberger (von links) betreiben in Plagwitz das Startup Flyt.club. das Mitflüge bei Privatpiloten vermittelt.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

 Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Bis sie zur Marktreife entwickelt ist, braucht es einen langen Atem, durchgearbeitete Nächte und die ständige Suche nach Finanzierungsquellen. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Startup auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind, heute: die Mitflugzentrale Flyt.club aus Plagwitz.

Piloten, die den Flugschein besitzen, möchten so oft wie möglich fliegen, und das nicht unbedingt allein. Sie wollen den Blick auf großartige Landschaften mit anderen teilen, und – ja, sie wollen auch die Kosten ihres Hobbys mit anderen teilen. Nichtpiloten wiederum finden es spannend, näher in Kontakt mit der Privatfliegerei zu kommen. Beiden Seiten kann geholfen werden: von der Leipziger Mitflugbörse Flyt.club, einer Onlineplattform, die Privatpiloten und Fußgänger zusammenbringt.

Drei Gründer stecken hinter dem Portal. Die Webentwickler Peter Nürnberger (27) und Kim Becker (26) haben sich beim Studium in Trier kennengelernt. Sie machten die Mitfliegerei 2014 zum Thema ihrer gemeinsamen Bachelorarbeit. Für die sie übrigens eine glatte 1,0 bekamen. Um das Flugsharing aus der Theorie in ein Unternehmen zu überführen, entschieden sie sich für Leipzig als geeigneten Standort. In Leipzig stieß der Dritte zu ihrem Bund hinzu, Marcus Loffhagen (28), der sein betriebswirtschaftliches Wissen einbringt.

Im Juli 2015 ging Flyt.club testweise an den Start, Ende 2015 konnte das Unternehmen richtig abheben. Seither haben sich 550 Privatpiloten registrieren lassen und über 1000 Mitfluggelegenheiten angeboten. Inklusive attraktiver Fotos, was es von oben zu sehen gibt: Alpenpanoramen, Seenlandschaften oder Inseln aus der Vogelperspektive. Beispiele gefällig? Pilot Robert aus Wien bietet einen Flug von Wien nach Budweis und zurück an, inklusive Brauereibesichtigung, und will dafür 123 Euro haben. Pilot Vaclav bietet einen anderthalbstündigen Rundflug über Prag für 49 Euro an. Pilot Christopher fliegt Langstrecke von Borkum nach Stuttgart und nimmt für 216 Euro einen Passagier mit. Der Pilot darf übrigens nur die Selbstkosten – Kraftstoff oder Landegebühren – mit seinen Fluggästen teilen und muss selbst genauso viel bezahlen wie die Mitflieger.

Bei den Fluggeräten handelt es sich um Kleinflugzeuge, Helikopter oder Ultraleichtmaschinen mit zwei bis vier Sitzen. Leichtes Gepäck ist angesagt! Ein Pilot aus Augsburg bietet sogar eine ehemalige Maschine der Libyen Airforce an. Meist gehören die Flugzeuge nicht den Piloten, sondern Flugschulen, Vereinen, Besitzergemeinschaften oder Charterunternehmen.

Bisher haben die Gründer rund 90 000 Euro in ihr Startup investiert. Ein Stipendium verschaffte zunächst Nürnberger und Becker finanzielle Luft für die Entwicklungs- und Gründungsphase. Dem schließt sich jetzt ein Technologiegründer-Stipendium der Sächsischen Aufbaubank an: Ein Jahr lang können die Drei in Vollzeit an ihrem Unternehmen arbeiten. Leben können sie von der Mitfliegerei und den zehn Prozent Servicegebühren, die sie von den Fluggästen kassieren, noch nicht. „Zur Zeit haben wir im Schnitt eine Buchung pro Tag, wir brauchen aber 17“, rechnet Loffhagen vor. Deshalb kümmern sich die Drei neben der Investorensuche in erster Linie darum, bekannter zu werden, mehr Piloten und Mitflieger zu gewinnen. Die Pro-Sieben-Sendung Galileo oder die Zeitschrift Geo sind schon auf die jungen Leipziger Überflieger aufmerksam geworden. Gern wollen sie europa- und weltweit bekannt werden, „aber die rechtliche Lage in der Fliegerei ist generell sehr schwierig“, so Nürnberger. Erst seit Mitte 2014 sind in der EU Mitflüge für Privatpiloten zum Selbstkostenpreis rechtlich geregelt.

Nürnberger, Becker und Loffhagen sind übrigens Fußgänger, aber natürlich sind sie auch schon mal mitgeflogen: alle zusammen mit einem Piloten nach Berlin. Der hat ihnen Hintergründe der Fliegerei wie ein- und Ausflugrouten oder Meldepunkte erklärt. „Ein eigener Pilotenschein steht sicher auch irgendwann an“, sagt Peter Nürnberger.

 
https://flyt.club/
 

Von Kerstin Decker

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