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Lokales Mitmach-Aktion hilft Stadtplanern: So klingen Leipzig, Dresden, Deutschland
Leipzig Lokales Mitmach-Aktion hilft Stadtplanern: So klingen Leipzig, Dresden, Deutschland
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11:56 08.10.2015
Noch bis Ende des Jahres kann jeder selbst unter stadtklang2015.de seinen persönlichen Sound hochladen.  Quelle: Leipzig report / BMBF
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Leipzig

 Schon mal überlegt, wie Leipzig klingt? Wie Dresden, Chemnitz oder Hohenstein-Ernstthal? Welche Lieblingsgeräusche versüßen den Alltag, welche Geräusche rauben einem den Nerv? Das Forschungsministerium des Bundes hat in diesem Jahr mehr als 1000 Klänge aus ganz Deutschland gesammelt und kartiert. Noch bis Januar 2016 kann jeder seine persönliche Audiodatei vom Smartphone im Internet für das Projekt hochladen. Wissenschaftler erhoffen sich Erkenntnisse für die Stadt der Zukunft.

Die Aktion unter www.stadtklang2015.de mache auf die bislang noch wenig bekannte Forschungsdisziplin der akustischen Stadtplanung aufmerksam, so das Ministerium. „Dabei geht es nicht nur um Lärm oder darum, Stille zu erreichen“, erklärt der Berliner Klangforscher Thomas Kusitzky. Facettenreichtum sei ein Ziel. „Dieser Klang kann mal ruhig und entspannt sein, er kann aber eben auch hektisch oder lebendig sein, wie es zum Beispiel auf einem Wochenmarkt der Fall ist“, sagt er.

Auf der Basis einer Google-Karte können Nutzer auf der Webseite von www.stadtklang2015.de ihre Sound-Datei hochladen. Quelle: Screenshot

Leipziger Klangteppich noch fadenscheinig

Erstaunlich: Gerade in der Musikstadt Leipzig ist der Klangteppich noch sehr fadenscheinig. Das Läuten der Nikolai-, Thomas- oder Propsteikirche? Fehlanzeige. Weder eine Tatra-Straßenbahn, die um die Ecke quietscht, noch das Plätschern des Mende-Brunnens haben es bisher auf die Karte geschafft. Dafür gibt es eine kleine, akustische Mittagspause auf der Karli und eine Hörprobe vom Bürgersingen im Johannapark.

Halle und Dresden sind aktiver. Das Läuten der Frauenkirche, ein Güterzug, der über eine Brücke rumpelt, Warten am Hauptbahnhof der Saalestadt – die 15-Sekünder werfen Karten-Besucher für Momente in das Leben der jeweiligen Stadt. Hohenstein-Ernstthal nimmt Hörgäste mit zum Moto-GP, Eilenburg macht den Applaus am Ende eines Bachkonzerts in St. Marien unsterblich.

Wer einmal reingehört hat, kommt auf den Geschmack des akustischen Städte-Hoppings. Amselgesang in München, eine ablegende Fähre in Hamburg, Fan-Gesänge im Stadion des 1. FC Köln. Und immer wieder: Verkehrsgeräusche, Vogelgezwitscher, Besteckgeklapper und Gläserklimpern in Bars.

Hier selber Klänge hochladen

Vogelgezwitscher in die Städte holen

Die Berliner Professorin für Psychoakustik und Lärmwirkungsforschung Brigitte Schulte-Fortkamp leitet nun die Auswertung der Klangdaten. Ein „wertvoller Fundus von Geräuschen“ sei durch die Aktion entstanden. Eine aktuelle Forsa-Umfrage für das Ministerium ergab, dass vor allem Verkehrslärm ein Quälgeist ist. 46 Prozent in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern fühlen sich davon gestört. Gleichzeitig tragen Naturgeräusche offenbar zum Wohlbefinden der Deutschen bei: 43 Prozent der Großstädter wünschen sich mehr davon.

Stadtplaner können mit bewusst geplanten Ruhezonen reagieren, so die Klang-Experten. Schon die Verwendung bestimmter Baumaterialien könne Schall verstärken oder dämpfen. Ein Platz mit angenehmer Akustik werde von den Bürgern auch besser angenommen. Und: „Bäume sind nicht nur gut für das Klima, sie locken auch Vögel an“, so die Projektplaner. Klang gut, alles gut.

Von Evelyn ter Vehn

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