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Mittelalterliche Dominikaner-Wandbilder jetzt neu in der Leipziger Uni

Mittelalterliche Dominikaner-Wandbilder jetzt neu in der Leipziger Uni

Er lagerte lange in der Versenkung, jetzt ist der Kunstschatz gehoben und auf dem City-Campus der Leipziger Uni ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. In einem Verbindungskorridor zwischen neuem Augusteum und Hörsaalgebäude erzählen Wandmalereien des einstigen Dominikaner-Klosters von der Frühzeit der Alma mater.

Leipzig. Jeweils rund anderthalb Tonnen wiegen die sechs mächtigen Mauerwerke, auf denen biblische Szenen, Heiligenlegenden und der Dominikaner-Stammbaum dargestellt sind. Ihren Platz haben sie im sogenannten Freskengang gefunden, strahlen Geschichtsträchtigkeit aus. "Wir stehen hier vor den einzigen figürlichen Wandmalereien Leipzigs aus dem Mittelalter und vor dem größten derartigen Zyklus, den Sachsen zu bieten hat", erklärt Gaertringen. Vor mehr als zehn Jahren, als die Campus-Neubebauung geplant wurde, war unter seiner Ägide ein Kunstkonzept entwickelt worden, in dem den Klosterwandbildern eine tragende Rolle zugedacht war. "Diese große Vision ist nun Wirklichkeit geworden", freut sich Gaertringen angesichts des vollbrachten Werkes, an dem viele mitwirkten. "Wenn ich alle Beteiligten aufzählen würde, hätte das die Länge eines Filmabspanns."

Mehr als eine viertel Million Euro wurden in das Projekt investiert. Als Sponsoren betätigten sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Ernst-von-Siemens-Kulturstiftung. Der Freistaat Sachsen steuerte rund 100 000 Euro bei. Gekonnt legte der Dresdner Restaurator Albrecht Körber bei den aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammenden Malereien Hand an. "Die Bildnisse verbargen sich hinter diversen Schichten, vor ihrer Offenbarung war da nur eine braune Fläche."

Um die Ursprünglichkeit so gut wie möglich wieder herzustellen, war Filigranarbeit nötig. Über Jahre zog sie sich hin. Es war das letzte Kapitel in der wechselvollen Historie dieses Nachlasses des Dominikanerordens, der anno 1229 in Leipzig Fuß fasste, dann auf dem heutigen Campus-Areal das Kloster St. Pauli errichtete, das nach der Reformation der Universität als Schenkung zufiel. Herzstück war ein als Mittelpaulinum bezeichnetes Gebäude, das die Bibliothek beherbergte und mit den Wandmalereien in einem Kreuzgang glänzte. Doch bereits im 16. Jahr- hundert wurden sie übertüncht, gerieten in Vergessenheit und tauchten erst 1868 wieder auf. Damals legte sie Architekt Oskar Mothes im Auftrag des Leipziger Geschichtsvereins frei. Aber die Wiedergeburt war nur von kurzer Dauer, Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Mittelpaulinum beerdigt. Nur durch einen bürgerschaftlichen Kraftakt konnten die Fresken gerettet werden. Samt Mauerwerk wurden sie aus der Wand gesägt. Beschieden war ihnen fortan nur noch ein Schattendasein. Endstation war schließlich ein Keller in der Bibliotheca Albertina in der Beethovenstraße. "Dort setzte ihnen die Feuchtigkeit zu", erzählt Gaertringen. In den 1990ern wurde das hochkarätige Kulturgut gesichert und in den letzten Jahren in einem Depot für die Präsentation konservatorisch herausgeputzt. Auf Luftkissenplattformen gelangten die Schwergewichte an ihre jetzige Position. "Eine logistische Meisterleistung", meint Uni-Baudezernent Titus Werner. Gaertringen: "Die Aktion war gut durchdacht, aber dann doch so etwas wie ein Blindflug mit glücklicher Landung."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.02.2014

Mario Beck

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