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Mitteldeutsche S-Bahn prüft Einsatz von Brennstoffzellenzügen

Neue Linien geplant Mitteldeutsche S-Bahn prüft Einsatz von Brennstoffzellenzügen

Seit Jahren drängen Städte wie Grimma oder Döbeln darauf, ins Leipziger S-Bahn-Netz integriert zu werden. Doch weil die Strecken dorthin nicht elektrifiziert sind, ist dies bislang nicht möglich. Jetzt soll das mit modernster Technik gelingen.

Auch die neuen Brennstoffzellenzüge sollen direkt bis unter den Leipziger Markt rollen.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. In Leipzigs S-Bahn-Netz deutet sich eine kleine Revolution an: Nach LVZ-Informationen wird der Einsatz von Brennstoffzellenzügen untersucht. Sie sollen Ziele ansteuern können, zu denen es noch keine elektrifizierten Strecken gibt. Priorität hat dabei die Verbindung von Leipzig über Grimma nach Döbeln. In einem zweiten Schritt sollen die neuartigen Züge von Leipzig über Zeitz bis nach Gera rollen. Schon im Januar könnte eine Grundsatzentscheidung fallen.

Zuständig für dieses Projekt ist der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL). „Wir lassen zurzeit eine Studie erarbeiten, die im Januar vorliegen wird“, sagt dort Experte Bernd Irrgang. „Anschließend werden wir mehr wissen und das auch kommunizieren.“

Nach LVZ-Recherchen sind die Dinge schon viel weiter gediehen. Bereits seit Jahresmitte arbeitet eine Gruppe mit zahlreichen Akteuren an dem Projekt. Auch ein Fahrzeug gibt es schon. Dabei handelt es sich um einen Triebwagen des französischen Bahntechnik-Konzern Alstom. Das Fahrzeug trägt den Namen iLint und kommt mit einer Tankladung 600 bis 800 Kilometer weit – bei einer Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern. Die neue Züge unterscheiden sich nur im Antrieb von ihren Diesel-Brüdern: Sie haben einen Wasserstofftank auf dem Dach und eine Brennstoffzelle. Diese Zelle wandelt Wasserstoff in elektrische Energie um – statt Dieselruß geben die Züge nur noch Wasserdampf und Kondenswasser ab. Und sie benötigen auch keine teure Streckenelektrifizierung – die für das mitteldeutsche S-Bahn-Netz zwingend ist, weil keine Diesel-Fahrzeuge durch den City-Tunnel rollen dürfen. „Der Zug ist deshalb für den ländlichen Raum fantastisch“, schwärmt ein Experte.

Gedacht sind die neuen Züge vor allem für die Einbindung von Grimma und Döbeln ins Leipziger S-Bahn-Netz. Die Planer wollen so ein zusätzliches Einzugsgebiet von 400 000 Menschen erschließen. In Grimma werden schon heute täglich 1500 Ein- und Aussteiger in Diesel-Züge gezählt – diese Zahl dürfte mit einer attraktiven S-Bahn-Anbindung direkt unter die Leipziger City noch deutlich steigen, meinen Experten. Für diese Fahrten könnten die S-Bahn-Linien weitergeführt werden, die zum Beispiel bislang in Stötteritz enden.

In einem zweiten Schritt könnten die iLints über Zeitz bis nach Gera rollen. Doch weil diese Verbindung durch drei Bundesländer führt, rechnen Experten mit einem zeitaufwendigen Abstimmungsverfahren. „In Niedersachsen beginnt schon im nächsten Jahr der Probebetrieb mit Reisenden“, so ein Bahner. „Wenn das funktioniert, wird auch der ZVNL mitmachen.“

Nähe zu Leuna und Piesteritz von Vorteil

Ermittelt wurde schon, dass der Bezug von Wasserstoff denkbar leicht wäre. Denn dieser entsteht in den Chemiefabriken von Leuna und Piesteritz als Abprodukt. In der Region gibt es auch schon Pipelines für Wasserstoff – eine verläuft dicht am Airport Leipzig-Halle vorbei.

Offen ist dagegen, ob Brennstoffzellenzüge durch Leipzigs City-Tunnel fahren dürfen. Alstoms iLint hat zwar eine Zulassung für das Befahren von 1400 Meter langen Tunneln, doch für die längeren Röhren unter Leipzigs City braucht er eine weitere vom Eisenbahnbundesamt. Ob es die gibt, ist doch nicht sicher. „Notfalls wird der ZVNL dafür kämpfen“, heißt es unter Experten.

Als sicher gilt, dass der Zweckverband die neue Technik lieber heute als morgen einsetzen will – zumindest auf der Strecke Grimma-Döbeln. Sollte dies nicht möglich sein, wird die neue Technik auf jeden Fall Bestandteil der Neuvergabe des gesamten S-Bahn-Netzes im Jahr 2025 werden. Die Vorbereitungen für diese Ausschreibung beginnen im nächsten Jahr.

Von Andreas Tappert

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