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Mitteldeutscher Verkehrsverbund will ein Zwangsticket für alle Leipziger einführen

Mitteldeutscher Verkehrsverbund will ein Zwangsticket für alle Leipziger einführen

Die Geldnot im öffentlichen Nahverkehr wird immer prekärer. Weil die Verkehrsunternehmen seit Jahren von ihrer Substanz zehren und bis zum Jahr 2025 zusätzlich 130 Millionen Euro für den laufenden Betrieb sowie 50 Millionen Euro Investitionsmittel benötigen, hat der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) auf Wunsch der Politik alternative Finanzierungsvorschläge unterbreitet.

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MDV schlägt Zwangsticket für alle Leipziger vor.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Damit die Fahrgäste nicht Jahr für Jahr deutlich mehr für ihre Tickets zahlen müssen, wird die Einführung eines monatlich 20 Euro teuren Bürger-Tickets vorgeschlagen, für das jeder Leipziger vom Baby bis zum Greis bezahlen soll. Im Gegenzug kann der öffentliche Nahverkehr genutzt werden. "Ein Single würde dadurch mit 240 Euro und ein Drei-Personen-Haushalt mit 720 Euro im Jahr belastet", skizziert MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann den Vorschlag.

Mit den Studententickets in Leipzig gibt es bereits eine Solidargemeinschaft, in die auch Studenten einzahlen, die das Ticket nicht nutzen. Kritiker nennen das Verfahren allerdings eine Zwangsabgabe. "Mit diesem Bürger-Ticket müssten wir die Verkehrsleistung um rund 25 Prozent erhöhen, um die steigende Nachfrage abzudecken", betont Lehmann. Wenn Leipzig auf 600 000 Einwohner anwüchse, gebe es für die Stadt keine Alternative zum attraktiven Nahverkehr. "Leipzig ist so lebenswert, weil die Stadt viel Grün hat, nicht wegen lärmender Straßen", sagt der Geschäftsführer. "Mit einem guten Nahverkehr erhält sich die Stadt die Möglichkeit, noch einmal einen deutlichen Boom zu erleben."

Vorgeschlagen wird auch eine Grundsteuererhöhung um 1,1 Prozent, mit der sich in Leipzig eine Million Euro jährlich für den Nahverkehr einnehmen ließe. Auch ein Parkaufschlag von 10 Cent auf jedes Parkticket wird in die Diskussion gebracht. "In Leipzig gibt es 203 000 zugelassene Autos, wenn nur ein Viertel täglich auf einem bewirtschafteten Parkplatz steht, lassen sich 1,5 Millionen Euro im Jahr einnehmen", so Lehmann. "Bei 20 Cent wären es drei Millionen Euro."

Auch ein zusätzlicher Erschließungsbeitrag wird den kommunalen Entscheidungsträgern nahegelegt. Bei Leipzigs Quadratmeterpreisen von 100 bis 150 Euro sei ein Aufschlag von 1,50 Euro je Quadratmeter für die Erschließung eines Wohngebietes nicht zu viel. Schließlich koste das Anlegen einer Doppelhaltestelle rund 15 000 Euro und ein zusätzlicher Bus 230 000 Euro. Lehmann hofft, dass die MDV-Vorschläge keine aufgeregte und unsachliche Diskussion auslösen. "Das Finanzierungsthema ist komplex", sagte er. "Es muss sachlich mit der Politik diskutiert werden."

In Frankreich gibt es bereits Nahverkehrsabgaben. Dort müssen Arbeitgeber in Städten von über 20 000 Einwohnern zwischen 0,55 bis 2,6 Prozent der Lohnsumme an die Stadt überweisen, weil sie von Nahverkehrsangeboten profitieren. In Bordeaux und Strasbourg ist die Erweiterung der Straßenbahnnetze ebenfalls durch Abgaben von Unternehmen finanziert worden. In Wien gibt es seit 1970 eine Dienstgeberabgabe, für die Arbeitgeber zwei Euro in der Woche für jeden Arbeitnehmer zahlen, damit das Wiener U-Bahn-System finanziert werden kann.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.10.2014

Andreas Tappert

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