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Lokales Mitteldeutsches S-Bahn-Netz: Bis zu 300 Störungen im Monat
Leipzig Lokales Mitteldeutsches S-Bahn-Netz: Bis zu 300 Störungen im Monat
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00:17 29.10.2016
Die Türen und Toiletten in den Talent-2-Zügen im mitteldeutschen S-Bahn-Netz bereiten immer mehr Probleme. Quelle: Martin Pelzl
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Leipzig

„Das wird immer schlimmer mit den Türen.“ Lokführer Hagen Ruhner, der seinen richtigen Namen nicht nennen will, ist sauer. Immer öfter funktionieren Türen in den 51 silbergrau-grünen Talent-2-Zügen nicht, mit denen seit Dezember 2013 das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz betrieben wird. Auch zahlreiche Zugbegleiter können ein Lied von den kaputten Türen singen. Folge: Hindernisläufe von Fahrgästen mit Koffern, Fahrrädern oder der gesamten Sippschaft im Schlepptau quer durch den halben Triebwagen bis zur nächsten funktionierenden Tür. Anfang der Woche fuhr in der City-Tunnel-Station Leipzig Hauptbahnhof (tief) eine S-Bahn weiter, ohne dass alle Passagiere aussteigen konnten. Das Geschrei und die wüsten Beschimpfungen des Personals kann man sich gut vorstellen.

Der Eindruck, dass die Anzahl der nicht funktionierenden Türen in den nicht einmal drei Jahre alten Zügen zuletzt deutlich gestiegen ist, trügt nicht. Bahn-Sprecher Jörg Bönisch bestätigte auf LVZ-Anfrage: „Die Häufigkeit der Türstörungen nimmt seit ungefähr einem Jahr zu. Dementsprechend steigt auch der Instandhaltungsaufwand.“ Konkrete Wartungszahlen für die Jahre 2014, 2015 und 2016 konnte er zwar nicht liefern, doch bezifferte der Bahn-Sprecher die Anzahl der Vorfälle auf – monatlich schwankend – „zwischen 100 und über 300 Störungen an Türen und WC“.

Ob es sich dabei um Konstruktionsfehler an den von der Bombardier Transportation GmbH in Hennigsdorf hergestellten Zügen handelt, dazu wollte sich Bönisch nicht dezidiert äußern. „Da die Störungsursachen vielfältig sind, ist hier keine pauschale Aussage möglich. Es gibt mehrere Hundert verschiedene Störungsursachen.“

Über 30.000 Euro pro Monat für Reparaturen

Mehrere Hundert Ursachen – da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Und wer repariert das Ganze nun? Die Bahn? Bombardier? „Für viele Störungen gibt es eine Herstellergewährleistung. In diesem Fall erfolgt die Reparatur durch respektive auf Kosten von Bombardier“, teilte der Bahn-Mitarbeiter mit. In Summe würden „durchschnittlich über 30.000 Euro pro Monat für Reparaturen an Türen und WC“ seitens der Bahn aufgewendet.

Da dies kein Dauerzustand werden darf, will das Eisenbahnunternehmen, das das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz unter anderem für den Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) betreibt, „die dezentrale Instandhaltung noch weiter ausweiten“, wie es Bönisch formulierte.

Mit der Dezentralen-Instandhaltungs-Klappe soll noch eine weitere (Pro-blem-)Fliege geschlagen werden, denn auch mit den Toiletten in den Zügen gibt es Schwierigkeiten. Oft ist eines der beiden WC nicht nutzbar, wie der Bahn-Sprecher bestätigte. Allerdings aus meist anderen Gründen, wie er ausführte: „Bei den Toiletten ist es häufig so, dass nicht eine mechanische Störung Ursache für die Nichtverfügbarkeit ist, sondern dass die Toilette nicht entsorgt werden konnte.“ Ein wesentlicher Grund dafür seien die umfangreichen Baustellen im S-Bahn-Netz, wodurch die Fahrzeuge nicht an ihre vorgesehenen Standorte zur Frischwasserver- und Abwasserentsorgung kommen. „Es wird mit mobilen Ver- und Entsorgungsfahrzeugen nachgesteuert“, erklärte Bönisch.

Die Bahn will das Problem nun in einer konzertierten Aktion angehen. „Auf der Agenda stehen der Aus- beziehungsweise Aufbau einer dezentralen mobilen Instandhaltung außerhalb der Werkstätten sowie die Verbesserung der Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten – beispielsweise in Wurzen durch eine zusätzliche Frischwasserversorgung“, wie der Bahn-Sprecher mitteilte.

Übrigens: Ähnliche Probleme mit Türen hatte auch die Nürnberger S-Bahn vor einiger Zeit. Dort öffneten sich wie durch Geisterhand Türen der dortigen Talent-2-Züge sogar während der Fahrt.

Martin Pelzl

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