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Modelleisenbahn-Händler Puschner: "Wer diesen Virus hat, der kriegt ihn nicht mehr los"

Modelleisenbahn-Händler Puschner: "Wer diesen Virus hat, der kriegt ihn nicht mehr los"

Seit 25 Jahren führt Michael Puschner das Modelleisenbahnfachgeschäft Nitsche in der Altranstädter Straße. Als das Fachgeschäft, vor dem er zu DDR-Zeiten mit anderen Eisenbahn-Liebhabern Schlange stand, plötzlich zu haben sein sollte, fasste sich der Elektrosignalmechaniker ein Herz und versuchte sein Glück.

Leipzig. "Bin gegebenenfalls an der Geschäftsübernahme interessiert." Dass einmal ein schmuckloses Zettelchen im Visitenkartenformat sein Leben grundlegend verändern würde, das hatte sich Michael Puschner so sicherlich nicht vorgestellt. Vor gut 25 Jahren hinterließ er ebendiese Zeilen klammheimlich an der Tür des Modelleisenbahnfachgeschäfts in der Altranstädter Straße 44. "Meine Frau wusste nichts davon. Ich hatte nur gehört, dass Werner Nitsche den von seinem Vater Alfred im Februar 1924 gegründeten Laden abgeben will", erzählt Puschner rückblickend. Am morgigen Sonntag jährt sich die Geschäftsübernahme zum 25. Mal. Und die Weichen für die Zukunft sind auch gestellt: "In neun Jahren bin ich 65 und die Firma Nitsche wird 100 - so lange ich fit bin, stehe ich hier", sagt der passionierte Modellbahner, der in seinen beiden Töchtern leider keine Nachfolger hat.

Leipzig. Seit 25 Jahren führt Michael Puschner das Modelleisenbahnfachgeschäft Nitsche in der Altranstädter Straße. Als das Fachgeschäft, vor dem er zu DDR-Zeiten mit anderen Eisenbahn-Liebhabern Schlange stand, plötzlich zu haben sein sollte, fasste sich der Elektrosignalmechaniker ein Herz und versuchte sein Glück.

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Seit seinem fünften Lebensjahr dampfen die kleinen Bahnen durchs Leben des gebürtigen Halberstädters. Gingen sie zunächst in handlicher Spur auf große Fahrt, so wuchsen sie mit, als sein Bruder Fahrdienstleiter in einem Stellwerk wurde. Da zog es auch Michael zur Bahn. Er wurde Elektrosignalmechaniker, reparierte bald Signale und Weichen auf Leipzigs Hauptbahnhof, bis ihm der Sinn nach anderem stand und die Wende auch ihm neue Chancen eröffnete. Als das Fachgeschäft, vor dem er zu DDR-Zeiten mit anderen Eisenbahn-Liebhabern Schlange stand, plötzlich zu haben sein sollte, fasste er sich ein Herz und versuchte sein Glück. Schon bald standen die Signale für ihn auf Grün.

Ein Vierteljahrhundert steht Michael Puschner inzwischen mit Ehefrau Marina (54) - die gelernte Chemielaborantin teilt seine Leidenschaft - hinter der Ladentafel und bemüht sich, die Wünsche großer und kleiner Freunde schnaufender Lokomotiven samt allerlei Wagen zu erfüllen. "Wer den Eisenbahnvirus einmal hat, der kriegt ihn nicht mehr los", ist er überzeugt. Laufkundschaft verirrt sich kaum zu ihm. Etwas versteckt, fernab vom Trubel am Adler, war das Fachgeschäft schon vor der Wende ein Geheimtipp. "Den harten Kern der Stammkundschaft konnte ich übernehmen. Mittlerweile umfasst mein Einzugsgebiet aber rund 80 Kilometer", sagt er. Käufer zwischen 25 und 75 kämen aus Wurzen oder Altenburg. Und dann klingelt auch schon das Telefon. "Ein Kunde aus Lauscha", bittet der Fachmann für Schienenmobile aller Art um Verständnis.

Nein, klassisches Kinderspielzeug seien Modelleisenbahnen nicht, betont der Fachhändler. Für die preiswerteste Lok müssten immerhin 50 Euro hingelegt werden. Bis zu 1500 Euro lassen sich manche das Objekt ihrer Begierde schon kosten. Und dann gibt's ja noch diverses Zubehör ...

"Für viele, die hier seit Jahren einkaufen, bin ich noch immer der Herr Nitsche", erzählt dessen Nachfolger gelassen. Der Ruf des seit 91 Jahren existierenden Fachgeschäfts ist ihm Herausforderung und Verpflichtung zugleich. "Bei uns geht es immer noch ziemlich familiär zu. Oft werden wir sogar nach Hause eingeladen, um Platten zu bestaunen." Momentan würden Modelleisenbahner übrigens ihre Anlagen vor allem in der Epoche3 bis 4, das heißt wie in den Jahren 1950 bis 1985, gestalten. "Die heutige Detailtreue ist kaum zu toppen", schwärmt Puschner. Solch ein Hobby pflege niemand nur in der Weihnachtszeit. "Manche setzen ihre Loks nicht mal mehr auf Schienen, sondern gleich in die Vitrine und erfreuen sich so an ihren Schätzen." Doch egal, ob sie nun H0, TT - die Spur der Mitte -, N oder G - die große für den Garten - bevorzugen: Allen steht der Fachhändler in seinem 80 Quadratmeter großen Reich gern zur Seite. "Allerdings kommen fast ausschließlich Männer", sagt er und gesteht: "Ich würde lieber an Frauen verkaufen. Die sind locker, unkompliziert und kommunikativ. Leider nehmen sie aber nur Gutscheine, vermutlich als Alternative zu Socken oder Rasierwasser." Pusch­ner nimmt's mit Humor und teilt mit Goethe die Überzeugung: "Sammler sind glückliche Menschen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Cornelia Lachmann

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