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Moderne Missionierung: Die drei christlichen Schwestern aus dem zwölften Stock

Moderne Missionierung: Die drei christlichen Schwestern aus dem zwölften Stock

Weihnachten – das Fest der Kinder, die Stunde der Familie. Doch es gibt Menschen, die verzichten auf den "klassischen Weg". Sie haben eine andere Lebensform gewählt.

Ihr christlicher Glaube hat aus ihnen Schwestern gemacht. Paula Bickel (74), Susanne Schneider (50) und Maria Wolfsberger (40) sind Beispiele für eine solche Entscheidung. Die drei Frauen gehören der katholischen Ordensgemeinschaft der Missionarinnen Christi (MC) an, die seit 1991 in Leipzig wirkt.

Wer zu den Schwestern will, sollte den Aufzug nutzen. Es sei denn, er ist ein Freund beschwerlicher Treppenaufstiege. Zwölfte Etage eines Hochhauses in der Karl-Tauchnitz-Straße – hier haben die Leipziger Missionarinnen Christi drei Wohnungen angemietet, leben in bescheidenen Verhältnissen. Jede für sich hat ihr kleines Reich, alle gemeinsam haben die Küche, in der sie nach Möglichkeit jeden Morgen an einem Tisch sitzen, um zu frühstücken, um zu reden. Davor aber findet ein anderes wichtiges Ritual statt: das gemeinsame Morgengebet. Eine halbe Stunde innere Einkehr, bevor der Tag beginnt, bevor eine jede ihrer Aufgabe nachgeht. "Das Gebet, das Gespräch mit Gott, ist die Kraftquelle, aus der wir leben", sagen die MC aus dem zwölften Stock. Der Text auf der offiziellen Homepage der Gemeinschaft formuliert es so: "Wir tragen den Namen Jesu Christi und lassen uns von ihm aussenden, um den Menschen Gottes Liebe nahe zu bringen – jede Schwester an ihrem Ort, in ihrem Beruf und mit ihren Fähigkeiten."

Weihnachten – das Fest der Kinder, die Stunde der Familie. Doch es gibt Menschen, die verzichten auf den "klassischen Weg". Sie haben eine andere Lebensform gewählt. Ihr christlicher Glaube hat aus ihnen Schwestern gemacht. Paula Bickel (74), Susanne Schneider (50) und Maria Wolfsberger (40) aus Leipzig sind Beispiele für eine solche Entscheidung.

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Schwester Susanne ist katholische Theologin, arbeitet seit 2001 zusammen mit Jesuiten in der Kontaktstelle Orientierung, Hainstraße 12. Bekannt geworden ist die Einrichtung durch das Angebot des sogenannten dritten Weges: die Feier des Erwachsenwerdens als Alternative zu Jugendweihe und Konfirmation respektive Firmung. "Wir wenden uns in der Hainstraße ganz besonders an die, die mit Religion und Kirche bislang wenig anfangen konnten, aber auf der Suche nach Halt, nach dem Sinn des Lebens sind", sagt Susanne Schneider. Der Begriff Mission habe sich verändert. Im 19./20. Jahrhundert seien europäische Ordensleute in ferne Kontinente gezogen, um humanitär zu helfen, allerdings auch um zu taufen. "Es ist die schöne Pflicht des Christen, vom Glück des Glaubens zu erzählen. Aber deshalb muss ich niemandem, der konfessionslos ist, etwas überstülpen wollen", betont die gebürtige Badenerin.

Schwester Paula kennt das Gefühl, im Dienste der Nächstenliebe in die Ferne zu ziehen. Bevor sie 2011 an die Pleiße kam, arbeitete sie 16 Jahre lang im sibirischen Omsk, gehörte zu den Missionarinnen der ersten Stunde, die in Russland heimisch wurden. Inzwischen engagiert sich die Seniorin der Leipziger Gruppe – sie ist Gemeindereferentin und Religionslehrerin - ehrenamtlich in der Kontaktstelle Orientierung und in der katholischen Propstei. Hin und wieder kommt es auch zu Gesprächen mit Bewohnern des ansonsten eher anonymen Hochhauses in der Karl-Tauchnitz-Straße. "Die Leute wollen schon wissen, was wir so treiben", erzählt die Frau, die aus Vorarlberg in Österreich stammt. Kämen sie oder die Mitschwestern auf das Angebot "Spirituelle Lebenskunst" zu sprechen, stünden viele unverzüglich auf der Bremse. "Dann heißt es: ,Ich möchte aber nicht missioniert werden.'" Eine diffuse Angst vor dem Religiösen sei typisch für viele Leipziger. "Es herrscht mitunter großes Unverständnis. Aber dass wir deshalb rundweg abgelehnt würden, kann ich nun auch wieder nicht sagen." Grundsätzlich gebe es ein freundliches Interesse.

Das hat Schwester Maria auch in Grünau gespürt, wo die Gemeinschaft zwischen 1991 und 2010 schon einmal einen Mehrgeschosser bewohnte. Die Jüngste im Bunde ist ein besonders interessanter Fall. Während Susanne und Paula bemüht sind, Brücken zu schlagen zwischen Christen und Nicht-Christen, zwischen Jung und Alt, hat die Kirchenmusikerin aus dem Salzkammergut die - inoffizielle - ökumenische Mission, den Gesprächsfaden zwischen Protestanten und Katholiken nicht abreißen zu lassen. "Jetzt mal im Ernst", sagt die freiberufliche Künstlerin Maria Wolfsberger mit einem Lachen, "es ist doch schön, dass ich Vertretungsdienste als Organistin an der evangelisch-lutherischen Nikolaikirche leisten darf. Gott loben mit und in der Musik, nur darum geht's". Zudem unterstützt sie Nikolaikantor Jürgen Wolf bei der Chorarbeit, hilft als Korrepetitorin und Stimmbildnerin. In St. Nikolai ist die Oberösterreicherin auch am Heiligabend zu hören. Ab 17 Uhr orgelt sie zur Christvesper, gestaltet vom Bach-Chor unter Wolfs Leitung.

Die Kolleginnen sind am 24. Dezember ebenfalls im Einsatz. Schwester Paula gestaltet nachmittags eine Weihnachtsfeier in einem Altenheim mit, ist ab 22 Uhr Kommunionhelferin in der katholischen Christmette in der Nikolaikirche. Schwester Susanne sorgt ab 22 Uhr in der Orientierung, Hainstraße 12, für die Alternative. "Wir feiern eine Mette für Menschen, die nach dem Sinn des christlichen Weihnachtsfestes suchen", sagt sie.

Zwischen 19 und 21 Uhr schlägt die Stunde der Gemeinschaft. "Wir kommen zu einer Gebetszeit zusammen, halten Stille und Fürbitte in den Anliegen der Missionarinnen Christi, der Kirche und der Welt", erzählen die Schwestern. Im Anschluss gibt es ein einfaches Abendessen. Danach macht jede ihres. Dabei wird das Trio an die Bedeutung von Weihnachten erinnern. Daran, dass Gott Mensch geworden ist. Daran, dass der kleine Jesus bald nach seiner Geburt zum Flüchtling wurde. "Angesichts von Pegida und Legida sollten Christen offen und gastfreundlich gegenüber anderen sein. Uns ist die Achtung der Menschenwürde ein wichtiges Anliegen", betonen die drei Missionarinnen Christi. Sie tun es auf ihre freundliche Art. Überstülpen ist nicht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.12.2014.

Dominic Welters

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