Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Möglichkeit zur natürlichen Geburt erhalten – Leipziger demonstrieren für Hebammen
Leipzig Lokales Möglichkeit zur natürlichen Geburt erhalten – Leipziger demonstrieren für Hebammen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:27 10.05.2014
Protest gegen steigende Versicherungsprämien für Hebammen in Leipzig - die Kosten bedrohen inzwischen den ganzen Berufsstand. Quelle: Sabine Kreuz
Anzeige
Leipzig

Der Protest ist Teil einer deutschlandweiten Bewegung, mit der die Geburtshelferinnen gegen die seit 2003 um über 200 Prozent gestiegenen Kosten für Haftpflichtversicherungen demonstrieren, die mittlerweile den ganzen Berufsstand bedrohen.

Viele Hebammen seien durch die steigenden Prämien bereits zur Aufgabe ihres Berufs gezwungen worden, sagten die Veranstalter bei der Demonstration in Leipzig. Ohne die persönliche Betreuung durch eine Hebamme seien viele Mütter gezwungen, auf eine natürliche Geburt ihres Kindes zu verzichten und stattdessen auf Kaiserschnitte auszuweichen. „Inzwischen erblicken deutschlandweit 32,1 Prozent aller Kinder das Licht der Welt im Operationssaal, das ist mehr als doppelt so oft, wie noch vor zwanzig Jahren“, warnten die Geburtshelferinnen in einem Flugblatt.

Für Annet Heitmann, Hebamme im Leipziger Geburtshaus am Marienplatz, ist die Entwicklung alarmierend: „Eine natürliche Geburt ist sehr wichtig für die Bindung zwischen Mutter und Kind. Zudem sind Kaiserschnitte Eingriffe mit erheblichen gesundheitlichen Risiken.“

In Sachsen sei das Angebot einer kontinuierlichen Geburtsbegleitung durch Hebammen noch relativ gut. So kamen in Dresden im vergangenen Jahr 408 Kinder zu hause oder im Geburtshaus zur Welt. Mit 19,4 Prozent lag die Quote der Geburten im Operationssaal deutlich niedriger, als im Bundesdurchschnitt. Allerdings sei die Nachfrage nach der Begleitung durch eine Hebamme zwei bis dreimal so groß wie das Angebot. „Auf Grund der schlechten Arbeitsbedingungen sind zu wenig Hebammen da, um dieses Bedürfnis abzudecken“, hieß es in dem Flugblatt.

In Leipzig ist die Situation laut Geburtshelferin Heitmann dramatischer. „In den Kliniken müssen sich die Hebammen inzwischen um bis zu fünf Mütter gleichzeitig kümmern. Darunter leidet die Betreuung." Nur noch zwei freiberufliche Hebammen mit Belegbetten in Krankenhäusern böten eine 1:1 Betreuung vor, während und nach einer Geburt an. Auch die Geburtshäuser seien auf lange Zeit ausgebucht. „Wir müssen sehr vielen Frauen absagen", bedauert Heitmann

Zur Galerie
Rund 100 Menschen demonstrierten am Samstagvormittag in der Leipziger Innenstadt gegen steigende Verischerungsprämien für Hebammen, die den Berufsstand bedrohen.

Landtags- und Kommunalwahlkandidaten der SPD unterstützten die Forderungen der Hebammen. „Als Mutter eines Sohnes weiß ich aus eigener Erfahrung, wie wertvol die Unterstützung durch eine gute Hebamme in der Schwangerschaft, bei der Geburt und danach ist“, sagte Landtagskandidatin Irena Rudolph-Kokot. Was die Politik für die Hebammen tun kann, äußerte Stadtratskandidat Victor Weiler: „Es muss ein staatlicher Haftungsfonds eingerichtet werden, der die Last der Versicherungsprämien fair verteilt. Schließlich handelt es sich bei der Sorge um die Kleinsten und ihre Mütter um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Hebamme Heitmann blickt angesichts der auch von Regierungspolitikern geäußerten Lösungsvorschläge optimistisch in die Zukunft. Allerdings werde in der Politik oft noch von falschen Fakten ausgegangen. „Oft heißt es, nur zwei Prozent aller Hebammen seien von dem Versicherungsprämien-Problem betroffen. Es geht aber um zwanzig Prozent der Geburten", sagte Heitmann und kündigte an, solange es keine politische Lösung gebe, würden die Geburtshelferinnen weiter auf die Straße gehen.

chg

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein tragischer Todesfall hat in der Kindertagesstätte "Knirpsen-Land am Königstein" in der Königsteinstraße in Lausen-Grünau große Verunsicherung ausgelöst.

19.05.2015

Blumen vor dem Holzkreuz, das seit Dezember vorigen Jahres an den Turm der im Zweiten Weltkrieg von Bomben getroffenen Johanniskirche erinnert: Ein Dutzend Mitglieder des Bürgervereins Johanniskirchturm hat am gestrigen Freitag auf der Wiese vor dem Grassimuseum an die Sprengung des barocken Turms vor 51 Jahren erinnert.

19.05.2015

Vor einigen Jahren erwachte eine kleine Straße am Rande der Innenstadt aus ihrem Dornröschenschlaf und wurde zu einer weiteren beliebten Kneipenmeile bei jungen und junggebliebenen Menschen - die Münzgasse.

19.05.2015
Anzeige