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Monarchen aus Mitteldeutschland: Europas Könige haben Wurzeln in Leipzig

Blaues Blut Monarchen aus Mitteldeutschland: Europas Könige haben Wurzeln in Leipzig

Juan Carlos und sein jetzt regierender Sohn Felipe von Spanien, Philippe von Belgien, Carl Gustav von Schweden und Harald von Norwegen haben gemeinsame Wurzeln in Leipzig.

Die europäischen Königshäuser Spaniens, Belgiens, Großbritanniens oder Norwegens haben ihre Wurzeln in Mitteldeutschland.

Quelle: Grafik: Patrick Moye

Leipzig. Katharina und Conrad Kroll sind die 13-fachen, im Falle Norwegens 12-fachen, Urgroßeltern all dieser europäischen Könige. Und das, obwohl beide dem bürgerlichen Milieu entstammten. Ihr großer Reichtum war vermutlich ausschlaggebend dafür, dass eine der beiden Töchter - ebenfalls mit Namen Katharina - in die altadelige Familie von Hoym aus dem damaligen Anhalt einheiraten durfte. Aus dieser Verbindung schließlich ging auch der Sohn Christoph von Hoym hervor, der die von nun an rein blaublütige Reihe fortsetzte. So heiratete zum Beispiel sieben Generationen später seine Nachfahrin Sophia-Wilhelmine Marianne von Nassau in das schwedische Königshaus ein. Oder seine neunfache Urenkelin in das Niederländische.

 Nun, um den Makel bürgerlichen Blutes in den hochwohlgeborenen Herrschaften zu vertuschen, wurde in späteren Ahnentafeln mitunter aus der Tochter Krolls eine "von Leipzigerin" oder auch "Catharina von Leipzigern aus Zwetta" gemacht. Das stellte der Familienforscher Bernd Hofestädt fest. Er hat jetzt herausgefunden, dass die Leipzigerin Katharina Kroll nach ihrem Tod im Jahr 1570 auf dem Stadtgottesacker in Halle begraben wurde.

 Die Krolls sind in Leipzig nicht ganz unbekannt. Das heutige Sporergäßchen trug einst seinen Namen, und das 1920 abgerissene Schletterhaus in der Peterstraße, an dessen Stelle heute das Concentrahaus steht, hat er erbauen lassen. Der damals auch "Cuntz Crell" Genannte war bereits ein Jahr nach seiner Einbürgerung im Jahr 1496 Mitglied des Rates. Er gehörte zu den wohlhabenden Bürgern der Stadt, die die Höhe ihres Vermögens verschweigen konnten und die Steuer direkt an den Landesherrn entrichteten. Neben dem prächtigen, fünfgeschossigen Schletterhaus besaß er noch weitere Mietshäuser. Als junger Ratsherr erlangte Kroll vom späteren Kaiser Maximilian I das erste Reichsmesseprivileg für Leipzig.

 Frau Katharina, so ergaben die Nachforschungen Hofestädts, wiederum war in die Glaubenskriege jener Zeit verwickelt, die auch in Leipzig tobten. "Zwar hat sie vorsichtig agiert, aber sie fühlte sich zu Luthers Lehren hingezogen und hat dementsprechend gehandelt." Zwar wisse man nicht, wie sich Ehemann Conrad zu der Auseinandersetzung verhalten habe, so der hallesche Familienforscher. "Eines aber ist sicher: Die Auseinandersetzungen um den rechten Glauben gingen alle an und spalteten gelegentlich auch Familien. Katharina Kroll und ihre beiden Töchter jedenfalls sind wohl recht bald evangelisch geworden."

 Conrad Kroll verstarb 1541 oder 42. Seine Frau, von der es nach heutigem Stand kein Bildnis gibt, überlebte ihn um fast dreißig Jahre. Letzte Spuren von ihr finden sich in Halle, wo Bernd Hofestädt in der berühmten Marienbibliothek auf sie stieß. Und zwar in einem "Historischen Kalendarium" von 1557, geführt vom Mann ihrer zweiten Tochter, Georg von Selmenitz. Es ist eine Art Chronik, die in gedruckter Form erschien und auf leeren Seiten Platz für Persönliches freiließ. Dort hinterließ von Selmenitz zahlreiche persönliche und historische Vermerke.

 Und hier stieß Hofestädt auf jenen Eintrag zum 4. Mai 1570, dass "Fraw Katarina Crollin alhir zu Hall In dem Ersten Schwibbogen vffm Gotzacker mit Eynner herlichen Prission zur Erden bestattet wurden" sei. Prission, vermutet der Familienforscher, bedeutet wohl Prozession. Vermutlich verlebte Katharina ihre letzten Jahr im Hause von Selmenitz. Sehr wahrscheinlich ist, dass sie dort verstarb, worauf der Verweis auf den exakten Todeszeitpunkt - am 2. Mai 1570 um drei Uhr nachmittags - und das rasche Begräbnis zwei Tage später sprechen.

 Bis vor Kurzem waren der Ort ihres Todes und ihre Grabstätte gänzlich unbekannt. Denn es gibt weder einen Grabstein noch eine Inschrift auf dem geschichtsträchtigen Stadtgottesacker, einer großen Friedhofsanlage aus der Renaissance.

 Um dessen Pflege und Erforschung bemüht sich seit vielen Jahren der Verein Bauhütte, dessen Mitglied Bernd Hofestädt ist. Froh ist man dort jetzt jedenfalls, dass die Belegung des Schwibbogens Nr. 11 geklärt ist. Und Leipzig kann sich zweier weiterer berühmter Häupter rühmen.

  Die europäischen Königshäuser Spaniens, Belgiens, Großbritanniens oder Norwegens haben ihre Wurzeln in Mitteldeutschland. Sie reichen über die Familie von Hoym bis nach Leipzig beziehungsweise in direkter Linie nach Sachsen-Anhalt zum Hause Wettin. Nach den Welfen ist dies das älteste urkundlich nachgewiesene Geschlecht des deutschen Adels und eines der ältesten des europäischen Hochadels.

 Ihren Namen leitet die Dynastie von der Burg Wettin her, die in der Nähe von Halle liegt. Das seit über tausend Jahren nachweisbare Geschlecht besteht bis heute in direktem Mannesstamm fort, geteilt im Rahmen der berühmten wie folgenschweren Leipziger Teilung vom 26. August 1485 in zwei Hauptlinien: Die ernestinische Linie war ursprünglich in Thüringen ansässig, die jüngere ist die albertinische Linie. Deren Herrschaftsgebiet entsprach ungefähr dem heutigen Freistaat Sachsen.

 Mehrere Monarchen von Sachsen, Polen, Portugal und Bulgarien gingen aus dieser Linie hervor. Aktuell regierende Monarchen wettinischer Abstammung sind Königin Elisabeth II von Großbritannien und - hier gibt es eine Verbindung zu den von Hoyms - König Philippe von Belgien.

 Doch Mitteldeutschland hat noch mehr zu bieten. So heiratete eine Prinzessin von Anhalt-Zerbst namens Sophie Auguste Friederike im Jahr 1745 den russischen Thronfolger Peter III. Als Zarin Katharina II. (die Große) ging sie später in die Geschichte ein.

 Nicht zu vergessen Schloss Oranienbaum, das als eines der vier "Mutterhäuser" des niederländischen Königshauses - dem Haus Oranien-Nassau - gilt. Ex-Königin Beatrix ist Schirmherrin der Restaurierung des Schlosses.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2015
Anja Falgowski

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