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Mondäne Hundertjährige: Leipzigs Mädler-Passage wurde 1913 eingeweiht

Mondäne Hundertjährige: Leipzigs Mädler-Passage wurde 1913 eingeweiht

das liebten schon unsere (Ur-)Großeltern. Seit 1913 konnten sie zum Sehen, Gesehen werden und Einkaufen durch die Mädler-Passage flanieren. Leipzigs schönste und luxuriöseste Passage feiert ihr 100-jähriges Bestehen.

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Mädler-Passage

Quelle: André Kempner

Erlebnisshopping. Kofferfabrikant Anton Mädler kaufte 1911 das heruntergekommene Messehaus "Auerbachs Hof" und konnte endlich einen Plan seines Vaters verwirklichen: Er ließ auf dem Grundstück eine mondäne Passage nach Mailänder Vorbild errichten. Mit Läden im Erdgeschoss und Ausstellungsräumen in den oberen Etagen. Oben hatte die Meißener Porzellanmanufaktur ihre Schauräume: Meißener Porzellan war das prominenteste Messegut, das während der Leipziger Messen, aber auch zwischendurch in Schauräumen gezeigt wurde. Schon seit 1712 stellten die säschsichen Landesfürsten das bewunderte Porzellan ihrer Manufaktur an dieser Stelle aus. Seit 1965 hängt in der Mädler-Passage ein Meißener Glockenspiel aus 125 Porzellanglocken, das auch regelmäßig gespielt wird. Ansonsten gab es während der Leipziger Messen in den Ausstellungsräumen über der Mädler-Passage böhmisches Kristall und viel (westdeutsches) Porzellan zu sehen.

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Das Reiben am Schuh von Faust soll Glück bringen.

Quelle: Volkmar Heinz

Ursprünglich wollte Mädler ein Kino in den Keller einbauen, dies wurde nicht genehmigt. Dafür durfte er die historische Weinstube von 1525 erweitern. So entstand der Große Keller, der heute als Auerbachs Keller bekannt ist. Er wurde am 22. Februar 1913 eröffnet, zusammen mit dem ersten Teil der Mädler-Passage von der Grimmaischen Straße Richtung Rotunde. Die Plastiken von Mathieu Molitor - sie zeigen Dr. Faust sowie Mephisto und die Studenten - kamen im September 1913 in die Passage. Der zweite Teil der Mädler-Passage bis zum Neumarkt wurde im August 1914 fertig. Der dritte Teil zur Petersstraße konnte gar nicht angelegt werden, weil die Grundstücke nicht zum Verkauf standen.

Zu DDR-Zeiten wurden die Erben Mädlers zwar nicht enteignet, aber die Passage wurde zwangsverwaltet. Nach dem Mauerfall bekamen sie ihre Rechte zurück und konnten über ihr Eigentum verfügen. Aufgrund des Sanierungsstaus verkauften sie zwei Drittel ihrer Beteiligungen an den Immobilienliebhaber Jürgen Schneider. Der betrieb zunächst nur Fassadenkosmetik, wollte später sanieren. Doch bereits 1994 ging Schneider spektakulär pleite. Die Commerzbank übernahm seine Anteile und ließ die Passage zusammen mit den Mädler-Töchtern für 29 Millionen Mark sanieren. Heutiger Eigentümer von Leipzigs edelster Shoppingmeile ist der Berlin-Leipziger Projektentwickler MIB AG - zusammen mit der in München ansässigen Stiftung der Familie Mädler.

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Das Meißener Glockenspiel in der Rotunde.

Quelle: Volkmar Heinz

An das 100-jährige Passagenjubiläum wird mit einer Ausstellung erinnert. Die Zeitreise von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart, also von 1850 bis heute, umfasst Installationen in luftiger Höhe sowie 28 Schautafeln. Eröffnet wird die Schau zum Mitternachtsshopping am 29. April, auch ein Urenkel von Anton Mädler wird dazu erwartet. Zu sehen ist sie bis zum Passagenfest am 6. September.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.04.2013

Kerstin Decker

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