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Montags-Demonstrant Uschmann: "Ohne Revolution wäre ich nicht mehr am Leben"

Montags-Demonstrant Uschmann: "Ohne Revolution wäre ich nicht mehr am Leben"

Ein Mann der Straße: Kurt Uschmann schenkt seine für die Friedliche Revolution selbst gestalteten Demo-Plakate dem Zeitgeschichtlichen Forum. Der heute 74-Jährige gehört zu Leipzigs Montagsdemonstranten, die dafür sorgten, dass im Herbst 1989 die SED-Diktatur wie ein Kartenhaus zusammenfiel.

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Rainer Eckert (links), Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums, nimmt die Demo-Plakate von Kurt Uschmann (rechts) entgegen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Jetzt hatte der Rentner in seinem Siedlungshaus in Portitz ungewöhnlichen Besuch.

Rainer Eckert ist gekommen, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig. Im Hof von Ex-Revolutionär Uschmann liegen jene Plakate, die er ab Oktober 1989 gemalt hatte und mit denen er Montag fürMontag um den LeipzigerRing marschierte. Stundenlang stand er vor den Demos in seiner Garage und schrieb die selbst erdachten Schriftzüge mit Latexfarbe auf Stoffbahnen. Uschmann war flexibel, stellte wirkliche "Wende"-Plakate her, beschriftete seine Banner von zwei Seiten. Vor den Demos war Uschmann für die Familie quasi nicht mehr einsatzfähig, denn er malte und malte. Tags darauf packte er das aktuelle Plakat in seinen Skoda und fuhr in die Stadt. Uschmann war erstmals am 9. Oktober auf der Demonstration, da auch er noch ohne Beiwerk. Ohnehin war es ja an diesem Montag noch ein Protest fast ohne Transparente. 14 Tage später schlug dann auch Uschmanns Stunde.

Beim Aufräumen der Garage fand er jetzt die fast schon vergessenen Revolutions-Reliquien. Was tun damit? Die Kinder und Enkel hatten kein Interesse, also rief er im Zeitgeschichtlichen Forum an. Die Freude über solche Geschichts-Trophäen ist hier groß.Geschichts-Professor Eckert: "Nach fast 25 Jahren kommt es nur noch sehr selten vor, dass uns solche Dinge angeboten werden. Herr Uschmann stellt uns nationales Kulturgut zur Verfügung, zu dem ich seine Plakate zählen kann. Wir werden überlegen, wie wir die toll gestalteten Transparente in unsere Dauerausstellung zur Friedlichen Revolution integrieren können."

Noch heute denkt Uschmann, der zu Revolutionszeiten 50 und als Kraftfahrer tätig war, mit Dankbarkeit an jene Zeit zurück. "Wir waren mehr als euphorisch, hatten unsere Wünsche und Träume. Die erfüllten sich zwar nicht alle, aber insgesamt ist die deutsche Wiedervereinigung das Beste, was mir und meiner Familie passieren konnte."

Was an einem konkreten Beispiel deutlich wird: Uschmann hat gesundheitliche Probleme - das Herz. In den 90er-Jahren konnte ihm in einer Leipziger Spezialklinik geholfen werden: "Mir wurde ein Schrittmacher implantiert, den ich unter DDR-Verhältnissen wohl nicht bekommen hätte. Ohne die Revolution wäre ich also heute nicht mehr am Leben."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.04.2013

Mayer, Thomas

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