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Montags-Demos in Leipzig: "Wir wollen Leute ansprechen, die auf der Suche sind"

Montags-Demos in Leipzig: "Wir wollen Leute ansprechen, die auf der Suche sind"

25 Jahre nach der Friedlichen Revolution gibt es sie wieder in Leipzig - die Montagsdemos. Erneut kommen Menschen zusammen, um Rechte einzufordern und auf Missstände aufmerksam zu machen.

Leipzig. Es waren die Auseinandersetzungen auf dem Maidan in Kiew mit zahlreichen Toten und Verletzten, die Aktivisten im März erstmals auf die Straßen trieben. Seitdem zeigen sie immer montags ab 18 Uhr Flagge für Frieden und soziale Gerechtigkeit. Und dies nicht nur in Leipzig, sondern auch in anderen Städten Deutschlands. Die Bewegung reißt nicht ab, denn der Demo-Gründe gibt es viele: der Krieg zwischen Israel und den Palästinensern, der Ukraine-Konflikt, der Bürgerkrieg in Syrien.

Die Montagsdemos in der Messestadt heißen jetzt: Leipziger Friedenswache. Bis zu 500 Menschen kamen in den vergangenen Wochen zusammen. Zunächst auf dem Augustusplatz, dann auf dem Richard-Wagner-Platz. "Wir sehen uns als Gastgeber. Wir wollen Leute ansprechen, die auf der Suche sind. Und die dann hoffentlich irgendwann einmal die Frage stellen, was sie tun können. Dann beginnt die basisdemokratische Arbeit im Plenum, dann können wir Aktionen starten", sagt Lutz Metzger, Mitglied im Organisationsteam und zur Zeit Anmelder der Demonstrationen. Die Veranstalter fühlen sich der "Tradition der friedlichen und gewaltfreien Bürgerbewegung von 1989" verpflichtet. Metzger war damals auch dabei. "Als die DDR-Friedensbewegung losging, waren die Leute froh, reden zu können. An diesem Punkt sind wir jetzt auch. Ob sich daraus gesellschaftsverändernde Momente ergeben, müssen wir abwarten. Dass es 1989 zu einem so massiven Umsturz kommen würde, hat vorher auch niemand gedacht."

Das Org-Team hat eine "Leipziger Erklärung" verfasst, um klar zu machen, wofür und wogegen die Initiatoren der Montagsdemos sind. Es geht ihnen nicht nur um Frieden in den Krisengebieten der Welt, sondern auch um innergesellschaftliche Veränderungen, um Chancengleichheit im Bildungssystem, um Naturschutz, um bessere Informationen durch die Medien, um Gesetze und politische Entscheidungen, die nicht durch Lobbyisten beeinflusst sind.

Die Teilnehmer, die sich von den Mahnwachen ansprechen lassen, sind sehr verschieden: Die meisten sind jung, viele sind Studenten. Sie informieren sich übers Internet, tauschen sich aus in den sozialen Netzwerken. Hagen Grell zum Beispiel, der einige Wochen lang die Demos moderiert hat, schreibt einen Blog. Er möchte jedoch nicht nur "Online-Aktivismus, sondern auch Offline-Aktivismus auf der Straße" machen. Aber es gibt auch Vertreter der Generation 50 plus wie Metzger oder Torsten Schleip, der Vorsitzende des Friedenszentrums Leipzig. Und sogar die Generation 70 plus ist vertreten durch Leute wie Christel Hartinger, die Anfang der 90er-Jahre Mitbegründerin des Friedenszentrums war. "Wir beteiligen uns an den Friedenswachen, weil wir ein Bündnis zwischen den verschiedenen kulturellen und politischen Auffassungen und sozialen Erfahrungen organisieren wollen, um den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bilden: das Ende der Gewalt, Ende der Konflikte, Verhandlungen", sagt die Literaturwissenschaftlerin, die lange Jahre ausländische Studierende an der Universität Leipzig unterrichtet hat und auch deshalb motiviert ist, sich für eine friedliche, gerechte Welt einzusetzen.

Doch auch in einer so jungen Bewegung gibt es Auseinandersetzungen. So hat sich das zeitweilig 30-köpfige Organisationsteam gespalten. Ein Teil, der sich laut Metzger als eher rechtsgerichtet entpuppt hat, veranstaltete vorübergehend eine Sonntagswache auf dem Augustusplatz. Jetzt hält diese Gruppe - parallel zur Friedenswache - montags auf dem Markt ihre Versammlungen ab.

Auch wegen des Einflusses aus Berlin gab es Zwist. Die Mütter und Väter der Bewegung aus der Hauptstadt zeigten gewisse Bestrebungen, alle Mahnwachen in Deutschland zentral zu steuern. So sollte zum Beispiel zu Beginn einer jeden Versammlung ein Brief aus Berlin verlesen werden. "Jemanden, der uns sagt, was wir zu tun haben, brauchen wir nicht", sagt Demo-Anmelder Metzger. Unter seinen Sympathisanten geht es ebenfalls immer mal wieder heiß her. Ist jede Kritik an der Politik Israels gleich Antisemitismus? Ein junger Mann meint, mit den Leuten der Hamas könne es keinen Frieden geben. Daraufhin fragt ihn Christel Hartinger: "Willst du Frieden oder willst du Recht haben?" Das "Prinzip des offenen Mikrofons" stellt eine Herausforderung für die Organisatoren dar. Grundsätzlich wollen sie jeden sprechen lassen. Wer jedoch bestimmte humanistische Werte nicht teilt, dem wird das Rederecht entzogen. "Das ist bis jetzt einmal passiert", sagt Grell.

Nach einigen Querelen innerhalb des Org-Teams finden die Friedenswachen gegenwärtig auf dem Richard-Wagner-Platz statt. Zum 1. September, dem Weltfriedenstag, wollen die Veranstalter aber wieder zurück auf dem Augustusplatz sein. Die Planungen für diesen Tag sind bereits angelaufen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.07.2014

Katrin Kleinod

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