Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Mord und Mordversuch - und der Angeklagte grinst

Fahrstuhl-Prozess Mord und Mordversuch - und der Angeklagte grinst

Sebastian T. verbirgt keineswegs sein Gesicht, wie es Angeklagte im Gericht häufig tun, wenn Kameras auf sie gerichtet sind. Demonstrativ blickt er in die "Röhren" - und grinst.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Sebastian T. verbirgt keineswegs sein Gesicht, wie es Angeklagte im Gericht häufig tun, wenn Kameras auf sie gerichtet sind. Demonstrativ blickt er in die "Röhren" - und grinst. Offenbar will der Leipziger, gerade 30 Jahre alt geworden, Selbstsicherheit zur Schau stellen. Seit dem 3. Dezember vorigen Jahres sitzt der arbeitslose Koch wegen des Verdachts, in Leipzig einen Mord, einen versuchten Mord und Brandstiftungen begangen zu haben, in Untersuchungshaft. Während der Ermittlungen bestritt er die Vorwürfe, künftig will er schweigen, so gestern seine Verteidiger Kerstin Linnemann und Detlef Knoch: "Zur Sache und zur Person wird er sich nicht äußern", sagt Knoch.

Das Landgericht stellt sich auf ein langwieriges Strafverfahren bis mindestens 4. Januar ein, um zu klären: War es tatsächlich Sebastian T., der am 16. September 2013 seinen Kumpel Adriano H. (22) in einem Grünauer Hochhaus in den Fahrstuhlschacht stieß? Und der eine Woche zuvor seinem weiteren Bekannten Brian R. (20) ein starkes Beruhigungsmittel in den Drink mixte, um den Bewusstlosen danach auf Zuggleise im Leipziger Westen zu legen?

 Noch im Herbst 2013 schlossen die Ermittler weder Unfälle noch Suizide beziehungsweise im Fall des Lifts technisches Versagen sofort aus. Doch Zweifel kamen rasch. Brian R. war vom Güterzug erfasst worden, hatte trotz Polytrauma und Brüchen überlebt. Merkwürdiger "Zufall": Der 20-Jährige war ein Freund des im Fahrstuhlschacht ums Leben gekommenen Adriano H. - und beide wiederum kannten den heutigen Angeklagten Sebastian T.; der auch für die Kripo und die Staatsanwaltschaft kein unbeschriebenes Blatt war. Im Gegenteil: Der 30-Jährige ist mehrfach wegen Eigentumsdelikten vorbestraft. Ein Indiz für die Staatsanwaltschaft aus schließlich einer ganzen Kette, die sie zur Überzeugung kommen ließ, dass Sebastian T. den Fahrstuhlsturz sowie die Zugüberfahrung arrangiert hat.

 Laut Staatsanwältin Katrin Minkus war der Angeklagte spielsüchtig und beging seit 2010 zahlreiche Betrugshandlungen im Internet. Zeitweise habe er die Identität seines späteren Opfers Brian R. angenommen, in dessen Namen ein Bankkonto und einen Ebay-Account eröffnet. Die verkauften Waren seien jedoch nicht ausgeliefert worden. Aus Angst, von seinen beiden Bekannten angezeigt zu werden, wollte er diese aus dem Weg räumen, glaubt die Staatsanwaltschaft. "Sein Motiv ist verachtenswert und steht sittlich auf niedrigster Stufe", so Staatsanwältin Minkus gestern. Den Mord soll er ausgerechnet in jenem 16-Geschosser in der Stuttgarter Allee begangen haben, der auch sein Zuhause war. "Unter dem Vorwand, dass in dem Fahrstuhlschacht weitere Drogen zu finden sind", meint Minkus, habe der Angeklagte sein Opfer dorthin gelockt. In dem Gebäude soll T. 2013 zudem sieben Brände gelegt haben; einen weiteren im Nachbarhaus. Einem gestrigen rechtlichen Hinweis von Richter Hans Jagenlauf zufolge kommt auch Sicherungsverwahrung in Betracht, die ein lebenslanges Eingesperrtsein bedeuten kann.

 Das Gericht will sowohl die Mutter als auch den Bruder des Todesopfers als Zeugen anhören. Beide sind zudem Nebenkläger. "Mein Mandant möchte die Aufklärung des Falles", sagt Markus Czempik, Anwalt des Bruders. Die Mutter nimmt nicht an den 30 Prozesstagen teil: "Es ist sehr belastend für sie. Noch immer ist sie sehr geschockt", sagt Rechtsanwalt Stephan Flemming. Auch Opfer Brian R. ist Nebenkläger. Bei der Prozessfortsetzung nächsten Dienstag geht es zunächst um den Zug-Fall.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.08.2015

LVZ-Reportage zu Crystal Meth in Sachsen

Die große Multimedia-Reportage berichtet über Crystal-Abhängige, Suchtberater und Drogenfahnder. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr