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Morddrohung wegen Zwangsräumung

Morddrohung wegen Zwangsräumung

Dort musste sich der Hartz-IV-Empfänger gleich wegen einer Reihe schwerer Delikte verantworten. So hatte er - als aufgrund nicht gezahlter Miete seine Zwangsräumung aus einer Wohnung in Gohlis unmittelbar bevorstand - massive Drohungen ausgestoßen.

"Das stimmt, und ich bereue das auch", sagte er dazu gestern. Denn per Telefon kündigte er im Februar 2012 an, die Familie seines Vermieters auslöschen zu wollen. Für 5000 Euro habe er bereits Killer angeheuert. Die Anrufe kamen in einer Anwaltskanzlei an, die den Wohnungsbesitzer vertrat. "So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Der Mann kam mir verwirrt und alkoholisiert vor", schilderte eine 27-jährige Angestellte vor Gericht. Und auch die Polizei ließ Gerhard B. seinerzeit über die 110 wissen, dass er seinen Vermieter und dessen Kinder plattmachen werde. Seine Zwangsräumung verhindern konnte er jedoch nicht. Während er im Gefängnis gesessen hatte, war die Miete nicht automatisch weiterhin vom Sozialamt beglichen worden.

Im Juli 2012 folgte die nächste Entgleisung, als es um die Begleichung einer Geldstrafe ging. Nicht nur, dass B. einen Rechtspfleger der Staatsanwaltschaft übel beschimpfte, gegenüber einer Bewährungshelferin kündigte er auch an, ihn "abzuknallen".

"Das hatte gegenüber sonstigen Äußerungen ein anderes Level. Ich fühlte mich bedroht", berichtete der Justizmitarbeiter (37) gestern. Er zeigte Gerhard B. an. Der attackierte nur wenig später einen Straßenbahn-Kontrolleur in der Jahnallee. Beide Männer hatten an der Angerbrücke zufällig nebeneinander gestanden. "Plötzlich hielt er mir eine Pistole vors Gesicht und sagte: ,Eine falsche Bewegung und du bist tot.'" Der betroffene 34-Jährige blieb trotz aller Ängste bemerkenswert ruhig und alarmierte die Polizei. "Man weiß ja nicht, ob der wirklich abdrückt." Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine Schreckschusspistole.

Amtsrichterin Marion Weißenfels verurteilte B. (seit 1996 ist er arbeitslos, in jenem Jahr scheiterte auch seine Ehe) wegen versuchter Nötigung, Missbrauch von Notrufen, Bedrohung und eines Waffendelikts zu 13 Monaten Haft - entgegen der Forderung der Staatsanwaltschaft noch einmal auf Bewährung. "Das ist Ihre allerletzte Chance. Alkohol ist Ihr Problem. Tun Sie etwas. Alkohol ist kein Freibrief für die Begehung von Straftaten", so die Richterin. Sie riet dringend zur Therapie. Daraufhin der Angeklagte: "Es ist eine gerechte Strafe. Ich nehme das Urteil an."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.07.2013

Sabine Kreuz

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