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Mordversuch an Bundeswehr-Offizier in Leipzig: „Ich wünschte, du wärst tot“

Anklage gegen Ex-Ehefrau Mordversuch an Bundeswehr-Offizier in Leipzig: „Ich wünschte, du wärst tot“

Wegen versuchten Mordes an ihrem Ex-Ehemann muss sich seit Dienstag eine 50 Jahre alte Frau vor dem Leipziger Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, am 12. Dezember 2015 mit einem Messer auf den 51-Jährigen eingestochen zu haben. Er musste notoperiert werden.

Das Landgericht Leipzig verhandelt den Fall um versuchten Mord an einem Bundeswehr-Offizier.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Offenbar konnte sie diesen Anblick nicht ertragen: Ein festlich gedeckter Tisch, an dem ihre Kinder, ihr Ex-Mann und seine neue Partnerin zu Abend aßen. Letztlich endete das vorgezogene Weihnachtsessen am 12. Dezember 2015 in einem Leutzscher Einfamilienhaus mit einem Drama. Denn als der Mann auf das energische Klopfen seiner geschiedenen Frau gegen 19 Uhr die Balkontür in der Hans-Driesch-Straße öffnete, stach sie mit einem Messer zu. Wegen Mordversuchs an ihrem einstigen Gatten, einem Arzt und ranghohen Bundeswehr-Offizier, muss sich Annette Anna Z. (50) seit Dienstag vor dem Landgericht verantworten.

„Reflexartig habe ich ihr das Messer aus der Hand gedrückt“, schilderte Axel Z. (51), der Nebenkläger im Verfahren ist, vor Gericht. Erst danach bemerkte er damals seine Verletzung und herrschte die Mutter seiner vier Kinder an: „Bist du verrückt, du hättest mich umbringen können.“ Nach Aktenlage entgegnete sie ihm: „Ich wünschte, du wärst tot. Eines Tages werde ich dich töten. Du hast mir alles genommen: Geld, Haus und Kinder.“ Laut Staatsanwältin Katrin Minkus hatte sich die Angeklagte „Mut angetrunken“. Noch drei Stunden nach der Tat hatte sie ein Promille Alkohol im Blut. „Der Geschädigte rechnete nicht mit einem Angriff auf sein Leben“, so die Staatsanwältin. Zum Glück war das Messer an einer Rippe abgeglitten. „Ansonsten hätte sie mein Herz getroffen“, meinte der betroffene Arzt. Seiner Einschätzung nach handelte die Angreiferin klar und zielgerichtet. Er war damals in der Uni-Klinik notoperiert worden. Sowohl er als auch seine Lebenspartnerin, eine Finanzbeamtin (46), mussten sich in psychotherapeutische Behandlung begeben. Drei der vier Kinder, 17 bis 27 Jahre alt, waren Augenzeugen des Dramas; die jüngste Tochter befand sich im Ausland. Die zwei Töchter und zwei Söhne (ein fünftes Kind war gestorben) haben sich offenbar von ihrer Mutter distanziert, keiner hat sie im Gefängnis in Chemnitz besucht.

Den Angaben zufolge war die einst „ganz harmonische Ehe“, so der Mann, aufgrund von Depressionen und Alkoholeskapaden der Frau gescheitert. Es gab diverse Aufenthalte in psychiatrischen und Entzugskliniken. „Als ich merkte, dass ich und die Kinder kaputtgehen, habe ich mich im August 2011 von meiner Frau getrennt.“ 2014 folgte die Scheidung. Beide hatten sich schon in der Schulzeit kennengelernt: Da war sie 17 und er 18. Sie hatte dann ihr Jura-Studium wegen der Kinder abgebrochen. Nach ihrem Selbstverständnis war sie „von Beruf Mutter“, gab damals noch in Lübeck Englisch-Privatunterricht und arbeitete als freie Journalistin. Es folgten mehrere Umzüge, 2004 nach Leipzig.

Zum Tatvorwurf wollte die Angeklagte am Dienstag keine Angaben machen. Ihr Verteidiger Malte Heise berichtete jedoch, dass die Frau bereits im Ermittlungsverfahren betont habe, dass sie ihren Ex-Mann nicht töten wollte. „Sie erklärte, dass sie sich damals bedroht fühlte.“ Der größte Wunsch der Angeklagten: „Ich möchte für meine Kinder da sein. Ich möchte meine Enkelkinder sehen können.“ Sie sei jetzt trocken; damals habe sie Situationen falsch wahrgenommen. In dem noch bis 8. Juni laufenden Verfahren wird auch noch ein Psychiater angehört.

Von Sabine Kreuz

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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