Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Moschee-Bau in Leipzig: „Kein Grund, sich einschüchtern zu lassen“
Leipzig Lokales Moschee-Bau in Leipzig: „Kein Grund, sich einschüchtern zu lassen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Abdullah Wagishauser mit dem Modell des Siegerentwurfs.  Quelle: Wolfgang Zeyen
Anzeige
Leipzig

 - Ihren Höhepunkt erreichten die Proteste gegen die geplante Moschee im Leipziger Norden 2013, als Unbekannte Schweinsköpfe auf dem Baugrundstück aufspießten. Zwei Jahre später will die Ahmadiyya-Gemeinde nun einen offiziellen Bauantrag einreichen. Man sei weitgehend im Frieden mit den neuen Nachbarn, sagte der Gemeindevorsitzende Abdullah Wagishauser im Interview.

Herr Wagishauser, als bekannt wurde, dass Ihre Gemeinde in Leipzig-Gohlis eine Moschee bauen will, gab es Proteste. Wie ist die Stimmung jetzt?

 Positiv. Der Wendepunkt war das Attentat mit den Schweinsköpfen. Da haben viele Nachbarn angefangen, sich von bestimmten Kreisen zu distanzieren und haben mit uns gesprochen. Viele der Ängste sind verflogen, weil man sich mit der Gemeinde auseinandergesetzt hat und auch mit dem Islam als solchem. Wir versuchen, so transparent zu sein wie möglich, damit die Leute ihre eigenen Erfahrungen machen.

Trotzdem gibt es in Leipzig mit Legida seit einem Jahr eine islamfeindliche Bewegung, die fast jede Woche demonstriert. Haben Sie nicht zwischenzeitlich überlegt, das Projekt abzubrechen?
 
Gegenwind sind wir gewohnt. Nach 9/11 ist der stärker geworden, vor allem in den neuen Bundesländern. Das ist kein Grund, sich einschüchtern zu lassen. Wir haben immer wieder erlebt, dass so eine Moschee, wenn sie einmal gebaut ist, für Frieden und für Verständigung sorgt. Wenn man das weiß, hat man auch eine gewisse Ruhe bei solchen Prozessen und lässt sich da nicht irritieren.

 Islamophobe Ressentiments sind mittlerweile fast wieder salonfähig. Glauben Sie, das ändert sich auf absehbare Zeit?

Ich bin ein religiöser Mensch, daher habe ich eine positive Grundeinstellung. Ich glaube, dass sich da etwas tun kann. Die positive Reaktion auf die Hunderttausenden von Flüchtlingen, die gekommen sind - wenn einem das vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, hätte man gedacht, das klappt nicht. Aber es lässt sich verhältnismäßig gut an, wir haben immer noch eine positive Grundstimmung. Natürlich gibt es am rechten Rand Leute, die das missbrauchen, aber ein Großteil der Menschen sieht es zumindest nicht negativ.

 Zur Person: Abdullah Wagishauser (65) ist Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde in Deutschland. Auf einer Reise nach Indien 1976 kam er das erste Mal mit der Ahmadiyya-Gemeinde in Berührung. Seit 1984 ist er Vorsitzender der Glaubensgemeinschaft in der Bundesrepublik.

Von Interview: Theresa Martus

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige