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Lokales Müntefering spricht im Leipziger Rathaus
Leipzig Lokales Müntefering spricht im Leipziger Rathaus
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09:30 27.09.2018
Ruth Schenk, Veronika Nitschke, Ex-SPD-Chef Franz Müntefering und Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) im Gespräch. Quelle: André Kempner
Leipzig

Menschen mit viel zu kurzen Beinen und überdimensional langen Fingern prophezeit Franz Müntefering, wenn sich die Smartphone-Nutzung dieser Generation auf die evolutionäre Entwicklung auswirken würde. Bei dieser Vorstellung kommt vergnügtes Gelächter auf, die Menschen im Publikum erkennen sich in diesem Mann und seinen Perspektiven auf die heutige Zeit wieder. Franz Müntefering ist Politiker (SPD), er war Parteichef, Vizekanzler, Kabinettsmitglied. Und er ist 78 Jahre alt – einer von ihnen: Einer von den rund 21 Millionen Menschen in Deutschland, die über 60 Jahre alt sind, und auf die – statistisch gesehen – ein langes Leben im Alter wartet. Menschen, die die Arbeitswelt oft schon hinter sich haben, und doch noch so viel Lebenszeit vor sich. „Du kommst aus dem Berufsleben, und vor dir liegt ein freies Feld“, erzählt Müntefering aus seiner eigenen Erfahrung. „Das können noch zehn oder 15 Jahre sein. Damit muss man doch etwas anfangen!“

„Nicht allmächtig und nicht ohnmächtig“

Zum Tag der Senioren und Seniorinnen ist Franz Müntefering in seiner Funktion als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Senioren-Organisationen (BAGSO) heute Vormittag nach Leipzig gereist, etwas verspätet durch die Sperrung des Hauptbahnhofes, wie er eingangs gut gelaunt erwähnt. Sein Tenor wird später ernster. Er wisse um das Gefühl der Ohnmacht, wenn der Körper beginnt Schwäche zu zeigen. Die beste medizinische Versorgung könne das nicht verhindern. „Wir sind nicht allmächtig“, sagt Müntefering, „aber wir sind auch nicht ohnmächtig.“

Die roten Stühle des Festsaals sind alle besetzt. Längst nicht alle Köpfe sind grau. Älter werden hat viele Facetten, das lässt sich am Publikum ablesen: gebrechliche Damen am Gehstock, Herren kurz über 60 in Segelturnschuhen, Menschen in Jogginghose und nur noch wenigen Zähnen im Mund und zurechtgemachte Frauen in ihren Siebzigern. Nicht alle von ihnen erreicht Franz Müntefering mit seinem Optimismus. Ein paar wütende Stimmen hallen in der abschließenden Fragestunde doch durch den Raum.

Wütende Stimmen

Es geht um schlecht ausgebaute Gehwege, unfreundliche oder überforderte Ärzte und schmutzige Stadtviertel. Hier übernimmt nun Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD). Er und auch Müntefering wissen: Es ist noch viel zu tun, vor allem auf kommunalpolitischer Ebene. Und auch wenn das anschließende Stück der Seniorentheatergruppe nicht alle Gemüter beruhigen kann, den 64-jährigen Holm Staude hat es inspiriert: „Ich werde da auch einmal vorbei schauen. So viele machen einfach gar nichts. Sie schieben immer irgendeinen Grund vor. Dabei gibt es zehn Seniorenbüros in der Stadt.“ Senioren, die Vorbehalte und Hemmschwellen gegenüber jedweder Initiative haben, Franz Müntefering weiß um sie: „Ich kenne die Leute, die sagen, die anderen sind ihnen zu alt. Dann sage ich: Schaue doch einmal in den Spiegel. Und die, die sagen, die anderen sind alle komisch, denen sage ich: Lieber mit komischen Leuten spazieren gehen als alleine auf dem Sofa sitzen.“

Von Anna Flora Schade

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