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Lokales Museum „Zum Arabischen Coffe Baum“ nach Umgestaltung wieder offen
Leipzig Lokales Museum „Zum Arabischen Coffe Baum“ nach Umgestaltung wieder offen
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13:10 07.02.2017
Am Dienstag wird das Museum wieder eröffnet. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Klein, charmant und kurzweilig: So lieben viele Leipziger das Museum, das im Haus „Zum Arabischen Coffe Baum“ zur Zeitreise durch mehr als 300 Jahre sächsische Kaffeegeschichte verführt. Die Ausstellung ist nun – erstmals seit der Eröffnung 1999 – komplett überarbeitet worden. 15 liebevoll gestaltete Räume, in denen arabische Kaffeegefäße, Kaffeemühlen und Tischröster, eine Vielzahl von Tassen, historische Speisekarten, Kaffeehaussilber und vieles andere vorgestellt werden, laden ab Dienstag wieder ein.

„Unsere Ausstellung soll die Augen verzaubern und Erinnerungen wachrufen“, sagt Museumsdirektor Volker Rodekamp: „Kaffee ist einerseits ein schillerndes, kulturhistorisches Thema. Es hat aber auch eine politische Brisanz.“ So sind auch Themen wie Kaffee als globale Handelsware oder Kaffeevermarktung heute aufgenommen worden, wobei Aspekte wie Kinderarbeit und Spekulationshandel keineswegs ausgespart bleiben. Und es geht natürlich auch um fairen Handel. Der Besucher erfährt aber auch, wie Kaffee als Kolonialware gehandelt wurde.

Neu sind ebenso die Vitrinen rund um „Kaffee in der DDR“. So gibt es ein Wiedersehen mit einer Tüte „Kosta“, die seit 1977 nicht mehr hergestellt wurde. Das war das Jahr der Kaffeekrise, als nach einer Missernte in Brasilien die devisenschwache DDR bestimmte Sorten nicht mehr exportieren konnte. Daraufhin wurde ein minderwertiger Mischkaffee namens „Kaffee-Mix“ kreiert. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnte diesen ab – es kam zu zahlreichen Eingaben bei den Behörden und zu empörten Reaktionen. „Der Kaffee wird als Politikum ersten Ranges und Volksgenussmittel bezeichnet“, so die Kulturwissenschaftlerin Anne Dietrich. Es gab aber auch teurere Sorten wie „Rondo“ und „Mona“, sowie jene aus dem Delikat-Fachgeschäft. Wer konnte, kaufte seine gemahlenen Bohnen im Intershop – auch die dafür notwendigen Forumschecks sind zu sehen.

Natürlich wird erläutert, woher der Begriff Kaffeesachsen stammt. Im siebenjährigen Krieg sollen Sachsen mit den Worten „Ohne Gaffee gönn mer nich gämpfn“ das Schlachtfeld verlassen haben. Friedrich der Große prägte daraufhin, so sagt es jedenfalls die Legende, diesen Begriff.

Eine Barttasse für bärtige Männer

Ob diese Legende stimmt, weiß allerdings niemand so genau. Wer möchte, erfährt, woher der Begriff Bliemchenkaffee stammt. Das war ursprünglich keineswegs eine „dünne Brühe“. Es war hochwertiger Kaffee, der in Tassen – etwa aus Meissener Porzellan – gereicht wurde, auf deren Grund man eine kunstvolle Blume sehen konnte. Schön anzuschauen ist auch eine Barttasse. Damit die männliche Zierde beim Schlürfen des braunen Muntermachers nicht „baden gehen“ muss, wurde für Männer Ende des 19. Jahrhunderts eine Barttasse mit eingelegtem Steg kreiert. Dass Leipzig Bachs Kaffeekantate nicht ausspart, versteht sich von selbst – der Leipziger Kaffeehausgeschichte wird aber mehr Aufmerksamkeit als vorher geschenkt. 1697 wurde in Leipzig übrigens die erste deutsche Kaffeehausverordnung erlassen. Sie untersagte zum Beispiel Glücksspiele und Prostitution.

„Unser Kaffeemuseum ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt Rodekamp. Die Ausstellung im ältesten, heute noch existierenden Kaffeehaus Deutschlands erläutert sich selbst, was bei Führungen freilich vertieft wird. Mehr als 400 000 Besucher haben sie bislang gesehen – ab Dienstag geht es weiter. Offizielle Wiedereröffnung ist um 17 Uhr.

Das Museum im „Coffe Baum“ in der Kleinen Fleischergasse 4 ist eine Außenstelle des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig. Geöffnet ist täglich von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Mathias Orbeck

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