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Museumsdirektor Deimel wird verabschiedet

Museumsdirektor Deimel wird verabschiedet

Ein Ethnologe kennt keinen Ruhestand: Claus Deimel, Direktor des Grassi-Museums für Völkerkunde, wird zwar heute offiziell "in die Rente" verabschiedet. Als Dokumentarfilmer, Autor und freischaffender Wissenschaftler will der 65-Jährige aber noch viel vorlegen.

Seit 40 Jahren sind die Tarahumara-Indianer, die im Norden Mexikos leben, sein Forschungsgegenstand. Deimel hat über sie promoviert und Bücher geschrieben. Zuletzt hat er das Leben in der Sierra Tarahumara im Nordwesten Mexikos sogar in einem Film verewigt. Jene bewegten Bilder einer Minderheit, die um ihr Überleben kämpft, sind heute bei einem Empfang im Kinosaal des Grassi-Museums zu sehen. Dort treffen sich Kollegen und viele Gäste, um den Direktor der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen des Freistaates Sachsen zu verabschieden. Denn die Völkerkundemuseum Leipzig, Dresden und Herrnhut sind unter Deimels Regie unter einem Dach vereint.

 Im Januar 2001 trat er, damals aus einem sicheren Museumsjob in Hannover kommend, seinen Dienst im Leipziger Völkerkundemuseum am Johannisplatz an. Der gesamte Grassi-Komplex war seinerzeit in einem maroden Zustand, musste dringend saniert werden. Umzüge, das Interim in der Mädlerpassage, Baubesprechungen im Grassi, die Neukonzeption der Ausstellung als "Rundgänge durch eine Welt" - alles musste organisiert und bewältigt werden. "Die Chance, ein Museum völlig neu aufzubauen, bekommt man aber nur einmal im Leben", blickt Deimel zurück. Er nahm die Herausforderung in einem der ältesten Völkerkundemuseen Deutschlands mit einer exzellenten Sammlung an und hat es nie bereut. Er spricht von "einer tollen Kollegenschaft". "So eine Aufgabe ist nur mit Mitarbeitern, die ihren Job lieben, zu bewältigen", beschwört er das "Wir" im Grassi. Und das hat er gemeinsam mit seinen Direktorenkolleginnen Eva-Maria Hoyer (angewandte Kunst) und Eszter Fontana (Musikinstrumente) in die erste Liga deutscher Museen zurückkatapultiert.

 "Die Völkerkunde ist natürlich, auch wegen ihres kolonialen Hintergrundes, oft problematisch", sagt der Ethnologe. Und ist stolz darauf, dass sein Team - anders als andere Sammlungen - dabei die Forschung nie vernachlässigt hat. Wie Deimel selbst als Experte für die Tarahumara-Indianer, denen er als Ethnologie-Student zum ersten Mal begegnete. Bei ihnen möchte er noch so manchen Forschungsaufenthalt verbringen - auch wieder mit der Kamera.

 Deimel zieht nun nach Hamburg, um in einem Mehrgenerationenhaus mit der Familie zu leben. Aufgaben gibt es für den Ethnologen noch genug. So wird er als Experte in die Deutsche Unesco-Kommission berufen, die sich um immaterielles Kulturerbe wie Traditionen und Volksbräuche kümmert.Wehmütig blickt Deimel, der bis Ende Mai im Amt ist und jetzt erst einmal Urlaub macht, daher nicht auf seinen Direktorenposten zurück. So ist er durchaus froh, der zunehmenden Bürokratie entfliehen zu können. Leipzig will er treu bleiben, regelmäßig Freunde besuchen, diverse Verpflichtungen wahrnehmen. Im Mai kommt er noch einmal für ein paar Tage ins Grassi, "um tausend Seiten" fürs Archiv aufzuarbeiten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.04.2013

Orbeck, Mathias

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