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Mutmaßliche rechtsextreme Hooligans nach Nachtbus-Überfall vor Gericht

Mutmaßliche rechtsextreme Hooligans nach Nachtbus-Überfall vor Gericht

Vor dem Landgericht hat der Prozess gegen neun mutmaßliche rechtsradikale Schläger begonnen. Acht von ihnen sollen vor knapp zwei Jahren auf brutale Weise einen Nachtbus der Linie 6 überfallen haben.

Leipzig. Es geht um schweren Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung. Vier der Männer sollen außerdem mit für den Überfall auf ein Konzert im soziokulturellen Zentrum Anker in Möckern verantwortlich sein. Zwei der Angeklagten gaben am Montag die Taten zu.

Die im Bus sitzenden rund 30 Menschen packte die nackte Angst, als sie in der Nacht zum 1. Mai 2008 die Haltestelle Friedrichshafner/Essener Straße erreichten. Schätzungsweise 15 bis 20 rechtsradikale Hooligans stürmten auf den Bus zu. Einige drangen in den Bus ein. Scheiben gingen zu Bruch, mit einem Kantholz wurde die Frontscheibe eingeschlagen. Ein Opfer wurde schwer verprügelt, als es an der Haltestelle aus dem Bus ausstieg.

Laut der am Montag von Staatsanwalt Ricardo Schulz verlesenen Anklageschrift hatte sich die rechtsradikale Gruppe zuvor zuerst an einem Supermarkt, dann auf einem Hinterhof eines nicht bewohnten Grundstücks nahe der Haltestelle getroffen. Von dort hätten sie gezielt den Bus angegriffen. Die Angreifer waren vermummt mit Sturmhauben, Sonnenbrillen sowie ins Gesicht gezogenen Jacken und Kapuzen. Sie vermuteten darin offenbar linksgerichtete Besucher des Musikfestivals Leipzig Courage zeigen vom Völkerschlachtdenkmal kommend. Ursprünglich soll der Plan gewesen sein, das Festival direkt anzugreifen. Das unterblieb jedoch, offenbar wegen der hohen Polizeipräsenz, so Schulz. Auch eine "nicht unerhebliche Menge Alkohol sei im Spiel gewesen", so Schulz.

Ein zweiter Anklagepunkt bezog sich auf einen Angriff auf einen Band-Vorausscheid des besagten Festivals. Dieses fand am 11. April 2008 im soziokulturellen Zentrum Anker statt. Mehr als 15 Angreifer griffen die Veranstaltung und deren Besucher an, schlugen zu und versuchten, in das Gebäude einzudringen. Mindestens eine Leuchtrakete wurde daneben in das Haus gefeuert.

Richter Stefan Blaschke gab den Angeklagten nach der Verlesung der Anklageschrift die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Nur zwei der neun Männer zwischen 21 bis 25 Jahren machten zunächst von der Möglichkeit Gebrauch. "Es stimmt", sagte ein 22-Jähriger zu den Vorwürfen. "Wir wollten die Linken aus dem Bus rausziehen und verprügeln", hatte er bei einer früheren Vernehmung bereits gesagt. Er erklärte, er selbst habe dem erheblich verletzten Opfer in die Kniekehle getreten, um ihn zu Fall zu bringen. Es sei eine "Kurzschlussreaktion" gewesen. Das Opfer musste daraufhin zahlreiche Tritte und Schläge einstecken. Es spuckte Blut, hatte einen Tinnitus, eine Schädel- sowie ein Bauchprellung.

Die Aussagen des 22-Jährigen wichen teilweise von denen ab, die er früher zu Protokoll gegeben hatte. Außerdem nannte er kaum Namen, welcher der Angeklagten inwiefern beteiligt war. Das tat auch der zweite Angeklagte nicht, der sich äußerte. Er gab zu, bei dem Überfall auf den Nachtbus und auf den Anker dabei gewesen zu sein.

Der Prozess ist auf sechs Verhandlungstage angesetzt. Ende Mai soll das Urteil gesprochen werden.

Matthias Winkelmann

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