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Lokales Mutter und Tochter lassen Leipzig hinter sich
Leipzig Lokales Mutter und Tochter lassen Leipzig hinter sich
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00:21 22.06.2018
Katja Wolf (38) und ihre Tochter Matilda (10) Quelle: André Kempner
Leipzig

Ein Jahr mit dem Wohnmobil durch Europa: Das haben sich Katja Wolf (38) und ihre Tochter Matilda (10) vorgenommen. In wenigen Wochen starten die beiden in Leipzig. Alle bürokratischen Fragen sind geklärt, die Wohnung ist gekündigt. Matilda wird für ein Jahr die Schule pausieren, um mehr von der Welt zu sehen und ihre Sprachkenntnisse auszubauen. „Es war schwieriger als gedacht. Privater Unterricht ist in Deutschland nicht einfach möglich. Ich muss sie für das eine Jahr von der Schule abmelden. Es ist abhängig vom Schulleiter. Einige Schulen sind offener“, sagt die 38-Jährige. Matilda besucht die vierte Klasse. Da ohnehin ein Schulwechsel ansteht, ist es für die beiden der perfekte Zeitpunkt, um ein Jahr ins Ausland zu gehen.

Das Ziel, kein Ziel zu haben

Im Juli geht’s mit dem Gedanken „Kein Ziel zu haben, ist das Ziel“ los. Katja ist Videobloggerin, hat einen eigenen Youtube-Kanal. Unter Peace, Love & Om veröffentlicht sie Videos, die Aussteiger in ähnlichen Situationen porträtieren und ihre eigenen Ziele abbilden.

Mit dem Wohnmobil Zeus wollen Mutter und Tochter durch Europa – möglichst minimalistisch und frei von großen Plänen. Quelle: André Kempner

Ständige Ortswechsel, neue Jobs in TV-Produktionsfirmen, in denen Katja als Redakteurin arbeitete. Vor fünf Jahren kam der Bruch: Katja erlag einem Burn-Out. Seitdem hat sie ihre Art zu leben und zu denken geändert. 2014 reist sie gemeinsam mit Matilda und mit ihrem VW-Bus für sechs Monate durch Frankreich, die Beneluxstaaten und Schweden. „Damals war Matilda noch nicht in der Schule“, erinnert sie sich.

Die Journalistin will ihr Leben entschleunigen, minimalisieren. Nicht so leben, wie die Gesellschaft es von ihr erwartet. Lieber, wie sie es für richtig empfindet. „Wir flüchten uns von einer Beziehung in die nächste, aber es wird nicht besser. Wir ziehen um, aber wir werden nicht glücklicher. Wir wechseln die Arbeit und kurze Zeit später erliegen wir dem nächsten Burn-Out. Nichts verändert sich, weil wir uns nicht verändern. Sondern die äußeren Umstände“, sagt sie in einem ihrer Videos.

Vor einem Jahr begeben sich die beiden für sechs Wochen mit Wohnwagen „Zeus“ auf Reisen, durch Spanien. In dieser Zeit stellen sich die Weichen für die geplante Europa-Reise: „Nach dieser Zeit waren wir uns einig: Das wollen wir länger machen.“ Katja verändert sich beruflich, macht sich selbstständig. Neben ihrem Video-Blog arbeitet sie als virtuelle Assistentin für einen Onlineshop. Eine Aufgabe, die sie überall erfüllen kann. Beste Voraussetzungen für die Reise.

Schwere Entscheidung: Leipzig oder ein Jahr Europa?

Leipzig zu verlassen, fällt der 38-Jährigen schwer. Gerade im Sommer. „Diesen Entschluss habe ich nicht leicht gefasst. Ich habe mich gefragt, ob es das richtige ist.“ Katja und Matilda lassen es sich offen, ob sie nach dem Jahr zurückkommen. „In einem Jahr kann viel passieren“, sagt sie.

Seit sechs Jahren wohnen sie in einer 60-Quadratmeter-Altbauwohnung in Connewitz. Zurück nach Leipzig, in die Lage, zu dem Preis wird nicht einfach möglich sein, glaubt sie. Ab Juli sind es acht Quadratmeter, die sich Mutter und Tochter teilen.

Auch Matilda freut sich. Auf die Landschaften, die Strände, die Menschen, die Sprache. Ihre Freundinnen wird sie vermissen, gibt sie zu. Aber die Freude überwiegt. Mal etwas anderes sehen als Leipzig. „Matilda ist seit unserer Zeit in Leipzig etwas festgefahren. Sie geht nicht mehr wie früher auf andere Menschen zu.“ Katja will den Blick ihrer Tochter öffnen – für andere Dinge, Welten und Menschen.

Viele Bekannte bewundern Katja für ihren Mut, entgegnen ihr aber, diesen Schritt nie gehen zu können. „Jeder ist in der Lage auszubrechen. Jeder kann es sich leisten, wenn er sich ein eigenes Standbein schafft und von Dingen freimacht, die er nicht braucht. Ihr Leben passe in acht Quadratmeter. „Warum nicht jedes andere auch?“, fragt sie.

Von Maria Sandig

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