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NPD: „Rückzug aus Odermannstraße ist Wunschdenken“ – Bürger wollen protestieren

NPD: „Rückzug aus Odermannstraße ist Wunschdenken“ – Bürger wollen protestieren

Die Nachricht machte schnell die Runde. In sozialen Netzwerken im Internet wird seit einigen Tagen berichtet, dass sich die NPD aus ihrem Zentrum in der Leipziger Odermannstraße zurückzieht und aufs Umland ausweicht.

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Blick auf das NPD-Büro in der Odermannstraße.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Ersten Freudenbekundungen in Lindenau folgt nun die Ernüchterung. Bei der Meldung handelt es sich um eine Ente.

„Das ist reines Wunschdenken, von einem Auszug kann keine Rede sein“, sagte der sächsische NPD-Sprecher Jürgen Gansel. Erst am Montag sei der Landesparteivorstand zusammengekommen. Mit am Tisch habe der Leipziger Kreisvorsitzende Helmut Herrmann gesessen.

„Da war die Schließung kein Thema“, so Gansel. Ganz im Gegenteil, in den vergangenen Wochen sei das Gebäude umgebaut und „das Gelände verschönert worden“, erklärte der Sprecher. Gansel kennt die Gerüchte aus dem Web. Vor allem bei Facebook habe er davon mitbekommen. „Wir wissen aber nicht wer das geschrieben hat, weil kein bürgerlicher Name angegeben war“, meinte der Sprecher.

Auch der Verfassungsschutz in Sachsen weiß nichts von einer Aufgabe des Objekts. „Uns liegen derzeit keine Erkenntnisse für eine etwaige Beendigung der Nutzung des Objekts Odermannstraße 8 durch Rechtsextremisten vor", teilte Behördensprecher Alrik Bauer auf Anfrage mit.

Nach dem Tod des NPD-Landtagsabgeordneten Winfried Petzold im vergangenen Dezember, der in der Odermannstraße ein Büro betrieb, war immer wieder über die Zukunft des Hauses spekuliert worden. Im März 2012 zogen dann die beiden Leipziger NPD-Stadträte Klaus Ufer und Rudi Gerhardt mit einem Büro in das mit Mauern und Stacheldraht umgebene Gebäude ein.

Für negative Schlagzeilen sorgte zuletzt im August der Übergriff von Neonazis auf Teilnehmer des Sommerfestes des Kunstvereins D 21. Die Rechtsextremisten hätten zunächst auf dem Gelände des NPD-Zentrums am Lagerfeuer gesessen und Rechtsrock gehört, berichtete Juliane Nagel, Stadträtin der Linken.

Später hätten sich unter Ausrufen von Drohungen mehr als 20 Neonazis beim benachbarten Sommerfest aufgebaut. Die herbeigerufene Polizei drängte die Störer zurück ins NPD-Zentrum. Nach Angaben der Beamten sind die Einsatzkräfte dabei mit Steinen beworfen worden. Auch „Sieg Heil“-Rufe seien aus der Menge der Zurückgedrängten zu hören gewesen.

In den Wochen danach herrschte Ruhe in der Odermannstraße. „Ich habe das Gefühl, dass sich die Kräfte dort erstmal stabilisieren mussten“, sagte Juliane Nagel. Auch sie glaubt nicht an einen Rückzug. Die Proteste gegen das Zentrum sollen deshalb nicht abreißen. Am 27. Oktober plant die bundesweite Kampagne „Rassismus tötet!“ eine Demonstration vom Südplatz bis zur Odermannstraße.

Auch Frank Kimmerle vom Erich-Zeigner-Verein will sich weiter gegen das NPD-Zentrum engagieren. „Wir werden unsere Aktivitäten aufrecht erhalten und erhöhen“, sagte er. Am 17. Oktober ist eine Lesung mit dem Autoren Toralf Staud um 19 Uhr im Erich-Zeigner-Haus vorgesehen. Der Journalist hat gerade gemeinsam mit Johannes Radke das Buch „Neue Nazis: Jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts“ vorgelegt.

Die Kommentarfunktion ist bis auf Weiteres nich verfügbar.

Matthias Roth/Frank Döring

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