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Lokales Nach 20 Jahren: Leipziger Courage-Festival ist Geschichte
Leipzig Lokales Nach 20 Jahren: Leipziger Courage-Festival ist Geschichte
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15:23 24.04.2018
Gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Antisemitismus: „Leipzig zeigt Courage“ – hier beim Konzert am 30. April 2011. Quelle: Regina Katzer
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Leipzig

Mit einer Dreiviertel-Mehrheit hat der Verein "Leipzig Courage zeigen" das Ende des 20 Jahre alten Festivals beschlossen. Mit Blick auf Finanzen, Besucherzahl und Verantwortung sei ein Konzert in dieser Größenordnung nicht mehr ehrenamtlich zu stemmen, erklärt Erik Wolf, Kassenwart des 30 Mitglieder starken Vereins – etwa zehn davon zählen als Aktive. In den vergangenen Jahren habe es kein Konzert mehr gegeben, das weniger als 70. 000 Euro gekostet hat. Der übergroße Teil davon wurde über Spenden finanziert. „Diese Akquise ehrenamtlich zu stemmen, war außerordentlich schwierig“, sagt Vereinschef Henry Lewkowitz. „Wir haben uns die Entscheidung trotzdem nicht leicht gemacht“, erklärt Wolf und lobt die Arbeit des alten Vorstands unter Bernd Kruppa.

Die Vize-Vorsitzende Irena Rudolph-Kokot nennt einen weiteren Grund: Das Courage-Konzert entstand vor 20 Jahren als Reaktion auf die Aufmärsche des Neonazis Christian Worch in Leipzig. Die politische Situation sei heute eine ganz andere; und auch das Publikum der Courage-Konzerte habe sich geändert. „Der klassische Nazi in Bomberjacke“ tauche in der Form in Leipzig weniger auf. Stattdessen habe man es mit einer neuen Rechten zu tun. „Das braucht neue Antworten und neue Formate“, so Rudolph-Kokot. Es gehe auch darum, eine Antwort auf die erstarkende AfD zu finden. „Wir müssen mit anderen Leuten reden, nicht nur mit denen, mit denen wir sonst immer reden“, ergänzt Erik Wolf.

Eigentlich sei der Verein auf akute Situationen ausgerichtet, sagt Rudolph-Kokot. Wie zu Beginn der Legida-Aufmärsche, als zwei große Gegen-Kundgebungen mitorganisiert wurden. Und so soll die Arbeit des Vereins jetzt in eine andere Richtung gehen. Eine Teilnahme am Brückenfest ist geplant. Es gehe künftig verstärkt um kleinere, dezentrale, thematische Veranstaltungen in den Stadtteilen, um mehr Präsenz in der Stadtgesellschaft – um Lesungen, Podiumsdiskussionen, um politische Bildung. „Wir wollen nicht reduziert werden auf das Konzert“, sagt der Vorsitzende Lewkowitz. Der Courage-Preis soll aber weiter verliehen werden – nur in diesem Jahr wird es damit wohl nichts. Für alle Zeiten will man sich von der Veranstaltung des Courage-Festivals nicht verabschieden. „Wenn in zehn Jahren jemand feststellt: Wir brauchen wieder ein großes Konzert, dann machen wir das“, sagt Wolf.

Indes hat sich eine Gruppe um Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel formiert, der von Beginn an als Aushängeschild und Gesicht des Courage-Konzertes gilt. Sie will am 30. April eine Ersatzveranstaltung auf dem Dach der Moritzbastei organisieren – mit einer ähnlichen Ausrichtung. Offizieller Veranstalter ist der Anker-Verein. „Es wird eine kleinere Form sein, aber dafür umso politischer“, sagt Anker-Geschäftsführerin Heike Engel. Motto: Für Toleranz und gegen Rassismus.

Von Björn Meine

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