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Lokales Nach Anschlag auf Gasthof: Benefizkonzert wird Politikum
Leipzig Lokales Nach Anschlag auf Gasthof: Benefizkonzert wird Politikum
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21:36 28.12.2018
Der Gasthof "Zur Ratte". Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Ursprünglich sollte es „nur“ ein Benefizkonzert werden. Doch inzwischen ist es viel mehr: Die Hilfsaktion für die Wirtsfamilie Schneider, deren Gasthof „Zur Ratte“ von Linksextremisten zerstört wurde, ist ein Politikum geworden. Bekannte Leipziger Musiker wollen dort ein Zeichen gegen jegliche Walt setzen; auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat sich hinter diese Aktion gestellt. Schlagerstar Hans-Jürgen Beyer hat seine Auftrittszusage zurückgezogen. „Ich habe Angst“, erklärte er mit Blick auf die linken Gewalttäter.

Hans-Jürgen Beyer: „Ich habe Angst.“

„Als ich von dieser sinnlosen Gewalt hörte, war ich erschüttert“, erzählt Günter Palm, einer der Musiker der Band Beat-Club Leipzig, die beim Benefizkonzert am 4. Januar im Gasthof in der Erikenstraße 10 ab 18 Uhr auftreten will. „Wir spielen seit Jahren in diesem Haus und sind dadurch dem Wirt Uwe Schneider verbunden.“ Er und der Discjockey Detlef Dölitzsch haben sich spontan entschlossen, dort ein Benefizkonzert unter der Überschrift „Rock und Kunst gegen Gewalt“ zu organisieren. „Fast alle, die ich gefragt habe, haben sofort zugesagt“, berichtet er. So die Sängerin Cybil Caprice, die Oldie-Live-Band Leipzig sowie die Musiker Thomas Spillner und Stephan Langer von der ehemaligen DDR-Band „Winni II“. Auch Drixi’s Comedy-Show will auftreten.

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Weil er den Saal seines Gasthofes der AfD vermietete, geriet ein Wirt ins Fadenkreuz der Antifa. Linksextremisten verwüsteten seine Gaststätte – nach sechs Wochen ist hier wieder geöffnet.

Zuerst zugesagt, dann aber wieder abgesagt hat Schlager-Star Hans-Jürgen Beyer. „Als ich von der Situation des Wirts hörte, habe ich spontan zugesagt“, sagte er am Freitag. „Denn ich helfe, wenn ich kann.“ Tage später hätten ihn dann aber Familienmitglieder angerufen und ihm den politischen Hintergrund des Anschlags erklärte. „Ich bin auch gegen Gewalt, aber ich möchte mich politisch nicht benutzen lassen“, sagt er seitdem. Und auf Nachfrage ergänzt er: „Ich habe Angst.“ Angst vor ähnliche Gewalttaten bei seinen Auftritten oder bei ihm zu Hause.

Oberbürgermeister Jung: „Ich freue mich sehr.“

Günter Palm hat sich mit einer E-Mail an Oberbürgermeister Jung gewandt. „Ich wollte wissen, wie er darüber denkt“, sagt der 65-jährige Musiker. Jungs Antwort sei schon fünf Stunden später eingetroffen. Darin schreibt der OBM, dass eine eigene politische Überzeugung niemals eine Rechtfertigung sein könne, um anderen Menschen Schaden zuzufügen. Er freue sich „sehr“, dass sich Leipziger Künstler zusammengetan haben, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen und „hoffentlich vielen Menschen zeigen, dass sie auch in schweren Zeiten zusammenstehen und für die Schneiders da sind“.

Anschlag auf Lokal in Leipzig, in dem der nächste Parteitag der AfD stattfinden sollte

Organisator Palm, der keiner Partei angehört, hofft jetzt auf möglichst viele Besucher. Im Saal hätten bis zu 300 Gäste Platz, sagt er. Der Eintritt sei frei, aber jeder Gast werde um eine Spende von mindestens 20 Euro gebeten. Die dabei zusammen kommende Summe werde den Schaden nicht wettmachen können. „Aber sie ist eine Geste an den Wirt und ein Zeichen gegen Gewalt aus jeder Richtung.“

Siegbert Droese: „Ein Zeichen für freien Meinungsstreit setzen“

Auch die Leipziger AfD, deren Veranstaltung offenbar die linksextreme Attacke ausgelöst hat, will das Benefizkonzert unterstützen. Ihr Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter Siegbert Droese hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) angeschrieben und ihn gebeten, ebenfalls „ein Zeichen für einen freien Meinungsstreit“ zu setzen. Eine Antwort aus Berlin steht noch aus.

Von Andreas Tappert

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