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Lokales Nach Anschlagsserie: Schlüsseldienst-Branche in Leipzig warnt vor „schwarzen Schafen“
Leipzig Lokales Nach Anschlagsserie: Schlüsseldienst-Branche in Leipzig warnt vor „schwarzen Schafen“
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22:35 17.01.2014
Leipziger Schlüsseldienste warnen vor „schwarzen Schafen“ in der Branche: Handwerkskammer-Präsident Ralf Scheler (r.) bei einem Krisengipfel mit Firmenvertretern. Quelle: Christian Nitsche
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Leipzig

In den letzten Jahren seien Abzock-Firmen auch auf dem hiesigen Markt stärker aktiv geworden, sagte Kammerpräsident Ralf Scheler. Die Polizei tappt bei ihren Ermittlungen zu den Anschlägen weiter im Dunkeln.

Kriminelle haben Schlüsseldienstfirmen in Leipzig offenbar schon seit Längerem im Visier. Überfälle auf Notdienst-Mitarbeiter und gezielte Einbrüche in Dienstwagen habe es in den letzten Jahren immer wieder gegeben, berichtete Hartmut Schleicher, dessen Firma Schleicher Sicherheitssysteme auch Türnotöffnungen anbietet. Abgesehen hatten es die Täter meist auf Bargeld oder teures Werkzeug. Ein anderer Leipziger Schlüsseldienst stattete deshalb vor einigen Monaten seine Mitarbeiter mit Elektroschockern zum Schutz vor Übergriffen aus, wie er gegenüber LVZ-Online erklärte. Schleicher lässt als Vorsichtsmaßnahme nicht mehr alle seine Wagen mit Beschriftung fahren. Die letzten Vorfälle hätten ihn und seine Kollegen „erschrocken“. Auch viele Kunden seien beunruhigt.

[gallery:700-NR_LVZ_GALLERY_29841]Wie LVZ-Online berichtete, hatten Unbekannte innerhalb der letzten zwei Jahre auf die Autos eines nicht in der Kammer organisierten Leipziger Schlüsseldienstlers drei Anschläge verübt. Zuletzt war sein Wagen an Heiligabend in Großzschocher in die Luft gesprengt worden. Ein weiterer Kleinunternehmer wurde im Oktober bei einem Notdiensteinsatz in Plagwitz brutal niedergeschlagen, ein Kollege danach telefonisch bedroht. „Unsere Fachbetriebe distanzieren sich davon, dass es einen Krieg unter den Schlüsseldiensten in Leipzig gibt“, betonte HWK-Präsident Scheler. Die Kriminalpolizei ermittelt derzeit unter Hochdruck. Ein Konkurrenzkampf in der Branche wird als Hintergrund nicht ausgeschlossen.

 

1125 Euro für eine Türöffnung: Wie sich Kunden gegen Abzocke schützen

Die in der HWK organisierten Unternehmen beobachten mit Sorge, dass in Leipzig zunehmend unseriöse Anbieter auf den Markt drängen. „Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Fälle erlebt, bei denen vor allem ältere Menschen, die sich ausgeschlossen oder ihren Schlüssel verloren hatten, von Ganoven abgezockt wurden“, berichtete Schleicher. Er ist Mitglied im Bundesverband Sicherungstechnik Deutschland (BSD) und arbeitet für Staatsanwaltschaften in solchen Fälle als Expertengutachter. „Das geht bei 325 Euro für eine Türöffnung los und reicht bis zum Fall einer 84-jährigen Frau, die 1125 Euro bezahlen musste“, so Schleicher.

Seriöse Anbieter würden bereits am Telefon einen festen Preis vereinbaren, erklärte Schleicher. In Leipzig liegt dieser meist unter 100 Euro. „Wir fragen Kunden: Ist die Tür zugefallen, ist sie abgeschlossen, was für eine Tür ist es?“ Die Handwerkskammer empfiehlt Betroffenen, nicht in den Gelben Seiten oder im Internet nach Schlüsseldiensten zu suchen, sondern im Notfall den Hausmeister oder die Verwaltung zu kontaktieren. Diese könnten in der Regel einen seriösen Anbieter vermitteln. Bei den in der HWK organisierten Firmen handele es sich um „eingetragene Fachbetriebe, die eine entsprechende Ausbildung ihrer Mitarbeiter und Referenzen mitbringen“, betonte Kammerpräsident Scheler. Er verwies auch auf eine kostenlose Handwerker-App, in der alle eingetragenen Betriebe zu finden seien.

Polizei vernimmt Opfer und wertet weitere Spuren aus

Die Betrüger-Firmen gehen laut HWK gerade im Internet und mit teuer erkauften Werbeplätzen in Branchebüchern auf Kundenfang. Abzock-Unternehmen betreiben zudem häufig mehrere Telefonhotlines mit 0800-Nummern, die zu Call-Centern in anderen Städten führen. Besonders dreist: Gelegentlich verwenden die Betrüger auch Adressen, die mit den seriösen Firmen nahezu identisch sind. „Die Kunden kommen dann zu uns und wollen eine teure Rechnung reklamieren, obwohl wir gar nicht im Einsatz waren“, schilderte Enrico Achilles vom gleichnamigen Leipziger Schlüsseldienst einen Fall. Es stellte sich heraus, dass die Firma ihren Sitz angeblich direkt nebenan haben sollte, dort aber gar nicht gemeldet war.  

Das Landeskriminalamt (LKA) hat inzwischen die kriminaltechnische Untersuchung des gesprengten Firmenfahrzeugs abgeschlossen. Aus ermittlungstaktischen Gründen will sich die Leipziger Polizei nicht zu Details äußern. „Wir ermitteln in alle Richtungen. Es werden noch weitere Spuren ausgewertet“, sagte Sprecher Andreas Loepki auf Anfrage von LVZ-Online. Der Geschädigte sei inzwischen erneut von der Kripo vernommen worden. Weitere Befragungen schloss er nicht aus. Noch fehlt den Ermittlern jedoch eine heiße Spur. „Einen Tatverdächtigen gibt es bislang nicht“, so der Loepki.

Robert Nößler

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