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Nach Einbruch: Orgel hat Totalschaden

Alte Leipziger Propsteikirche Nach Einbruch: Orgel hat Totalschaden

Der Einbruch in die stillgelegte Propsteikirche am Rosental – es ist alles noch viel schlimmer. Bislang bekannt: das Schicksal einer alten Glocke. Sie wurde von den Dieben mit einer Flex zerlegt. Zwei Teile sind wieder aufgetaucht. Doch um die Schuke-Orgel steht es ganz schlecht. Totalschaden.

Die Schuke-Orgel in der entwidmeten Propsteikirche am Rosental: Von außen fällt auf, dass einige Prospektpfeifen fehlen.

Quelle: Pfarrei St. Trinitatis

Leipzig. Es war eine „erschreckende Entdeckung“, die Vincent Scharper dieser Tage bei einem Ortstermin in dem vor knapp anderthalb Jahren entwidmeten Sakralgebäude in der Emil-Fuchs-Straße machte. „So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen, das kannte ich nur aus Erzählungen, die im Zweiten Weltkrieg spielten“, sagt der Orgelbauer von der Firma Schuke aus Potsdam, die das Instrument mit seinen 2410 Pfeifen und 36 Registern in den Achtzigerjahren baute und bis zuletzt regelmäßig wartete. „Als wir sie damals lieferten und intonierten, war ich Lehrling, ich kenne das Instrument wie meine Westentasche. Was da geschehen ist, spottet jeder Beschreibung.“

Als die Nachricht vom Einbruch in die Ex-Kirche, die die katholische Pfarrei St. Trinitatis gerade zu verkaufen versucht, Mitte September die Runde machte, war erst einmal „nur“ von der entwendeten 250 Kilogramm schweren Glocke und 17 gestohlenen Pfeifen die Rede. Letztere zierten den sogenannten Prospekt, also den von außen sichtbaren Teil des Instruments. Wie es dahinter, also im Gehäuse aussieht, das beschreibt der 47-jährige Scharper so: „80 Prozent des Pfeifenwerks in der Orgel wurden erst herausgerissen, dann zertreten oder zusammengebogen.“ Der genaue Schaden lasse sich momentan noch gar nicht beziffern, zumal „Lateralschäden“ an der Technik und weitere fehlende Pfeifen zu befürchten seien. „Da haben Leute gewütet, mutwillig zerstört. Unfassbar.“

Als wahrscheinlich gilt, dass es sich bei „den Leuten“ um dieselben Täter handelt, die am 12. September einem Schrotthändler zwei Glockenteile verkaufen wollten und der Kripo namentlich bekannt sind. Nach Angaben von Polizeisprecherin Katharina Geyer handelt es sich um einen Mann und eine Frau. „Gegen sie wird wegen eines besonders schweren Falls von Diebstahl und Warenbetrugs ermittelt“, erläutert die Sprecherin. Eine dritte Person – ein 17-Jähriger – war am Tag der Anzeigenaufnahme am 16. September als Leuchter-Dieb ermittelt worden. Laut Propst Gregor Giele wurde bei dem Einbruch, der sich wohl zwischen dem 7. und 12. September ereignete, unter anderem auch der mächtige Osterleuchter geklaut.

Weiteres Diebesgut ist bislang nicht wieder aufgetaucht. Also auch nicht die Krone der Glocke. Für den bronzenen Klangkörper besteht wohl Hoffnung. „Wir sind mit einer Glockengießerei in Nördlingen im Gespräch“, sagt Propst Giele. „Möglicherweise lässt sich die Glocke wieder instand setzen.“ Wie berichtet, soll das Relikt aus der im Krieg zerstörten Propstei demnächst das noch fehlende Geläut im Turm des neuen Gotteshauses gegenüber vom Neuen Rathaus zieren. Für die Schuke-Orgel, die wie die gesamte Rosental-Kirche unter Denkmalschutz steht, hatte es zuletzt zwei Kaufinteressenten gegeben. Was nun aus der „Königin der Instrumente“ wird, ist völlig offen. Giele: „Wir müssen abwarten, wie die Sachverständigen den gegenwärtigen Zustand der Orgel bewerten.“ Doch so weit ist Schuke-Mitarbeiter Scharper noch nicht. „Fakt ist: Technisch ist immer alles möglich. Nur liegen die Kosten für eine Restaurierung oft weit über dem Neubaupreis“, gibt der Orgelbauer zu bedenken – und kann immer noch nicht glauben, was da vor wenigen Tagen in Leipzig passiert ist.

Dominic Welters

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