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Lokales Nach Kindesentführung in Leipzig: Das können Eltern tun
Leipzig Lokales Nach Kindesentführung in Leipzig: Das können Eltern tun
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09:28 09.06.2017
Prof. Kai von Klitzing.  Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

 Kai von Klitzing, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Leipzig, verweist im LVZ-Interview auf das präventive Gespräch mit dem Nachwuchs.

Vorfälle wie der jetzige in Leipzig beängstigen sicher gerade viele Eltern. Haben sie eine Chance, um den Nachwuchs auf solche möglichen Situationen vorzubereiten? Sollten sie mit den Kindern offen über so etwas reden oder sie lieber verschonen?

Auf jeden Fall! Ich finde, grundsätzlich ist es die Aufgabe von Eltern, ihre Kinder mit unserer Welt vertraut zu machen; sie zu ermutigen, auch mit schwierigen Herausforderungen umzugehen. Ein gewisses Maß an Angst vor Gefahren ist gut, zu viel Angst hemmt die Entwicklung. Leider gehört zur Lebensrealität nicht weniger Kinder, dass Misshandlung und Missbrauch bei weitem am häufigsten durch Menschen aus der eigenen Familie und dem Bekanntenkreis geschehen. Dies ist um ein vielfaches häufiger als der Übergriff durch unbekannte Menschen auf der Straße. Dies Kindern zu erklären und sie davor zu schützen, finde ich sehr viel schwieriger, weil Kinder doch auf die liebevolle Fürsorge durch die Menschen ihrer Umgebung angewiesen sind, um sich entwickeln zu können.

Ab welchem Alter soll und kann man mit Kindern solche Dinge besprechen?

Man kann mit Kindern jeden Alters über die körperlichen Bedürfnisse sprechen, dazu gehört auch die Sexualität. Kleine Kinder haben hierzu sowieso ihre eigenen Vorstellungen. Deshalb lohnt es sich, ihnen auch erst einmal zuzuhören, um dann in sprachlich kindgerechter Weise anzuknüpfen. Schon in ganz jungem Alter kann man einem Kind erklären, dass Erwachsene in der Regel sich liebevoll um Kinder kümmern. Aber es kommt auch vor, dass ein Erwachsener ein Kind auf eine Weise anfasst, dass es ihm unangenehm ist. Dann darf es „nein“ sagen und sollte dies unbedingt seinen Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen erzählen.

Was könnten Sie aus Ihrer Sicht größeren, schon verständigeren Kindern raten?

Im Teenageralter entwickeln sich eigene sexuelle Bedürfnisse, Vorlieben und Wünsche. In diesem Alter fühlt man sich da aber noch ganz unsicher, möchte gerne mit dem eigenen Körper und seiner Phantasie experimentieren, ohne dass es gleich ernst wird und ohne dass Erwachsene reinreden. Als Eltern sollte man aktiv dafür sorgen, dass diese verletzliche Phase vor Handlungen geschützt wird, die primär der Befriedigung sexueller Bedürfnisse von Erwachsenen dienen. Es kommt darauf an, mit den Jugendlichen einen angemessenen Schutzraum abzustecken. Das bedeutet zum Beispiel angemessene Ausgangsregelungen zu vereinbaren, den Zugang zu sozialen Medien und Internet angemessen zu begrenzen und immer ein offenes Ohr für die Redebedürfnisse der Jugendlichen zu haben. Die größte Gefahr besteht dann, wenn ein Kind oder Jugendlicher unter einem Mangel an Zuwendung im Elternhaus leidet und deshalb empfänglich für Annäherungsversuche Erwachsener mit sexuellen Hintergedanken wird.

Von Angelika Raulien

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