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Nach Kritik: Leipziger Sparkassen-Bus soll noch mehr Standorte anfahren

LVZ-Interview Nach Kritik: Leipziger Sparkassen-Bus soll noch mehr Standorte anfahren

Harald Langenfeld, Chef des Kreditinstituts, erklärt im Interview die Filialpolitik der Sparkasse Leipzig, seine Haltung zum Thema Sponsoring und Herausforderungen durch die EZB-Zinspolitik.

Sparkassenchef Harald Langenfeld.

Quelle: Foto: André Kempner

Leipzig. Harald Langenfeld (56), Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig, erklärt im Interview die Filialpolitik der Sparkasse Leipzig, seine Haltung zum Thema Sponsoring und Herausforderungen durch die EZB-Zinspolitik.

Die Sparkasse ist dieses Jahr vor allem durch die Ankündigung aufgefallen, 10 der 85 Filialen und 11 der 53 Selbstbedienungsstandorte zu schließen. Haben Sie mit dem Proteststurm gerechnet?

Die Bankenwelt verändert sich. Die Kunden kommen seltener in die Filialen – im Durchschnitt einmal jährlich. Wir hatten andererseits im vergangenen Jahr über 25 Millionen Vorgänge im Online-Banking, Tendenz weiter stark steigend. Darauf müssen wir uns einstellen.

Oben drauf kommt die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Richtig. Sie berührt unsere Rentabilität. Wir müssen heute handeln, damit wir auch in Zukunft betriebswirtschaftlich stabil unterwegs sind. Das schaffen wir in diesem Umfeld nur, indem wir auch unsere Kosten in allen Bereichen senken. Das heißt auch im Filialbetrieb. Das ist unumgänglich. Glauben Sie mir, ich würde auch lieber jedes halbe Jahr das Richtfest einer neuen Geschäftsstelle feiern.

Das bedeutet schon ein Stück weit den Rückzug aus der Fläche?

Klares Nein. Wir haben uns intensiv, zwei Jahre lang, mit unserem Filialnetz befasst und alle Standorte geprüft. Wir haben unsere Entscheidung mit sehr viel Augenmaß getroffen und werden mit 75 Filialen und 42 Selbstbedienungsstandorten immer noch das mit weitem Abstand dichteste Filialnetz in unserer Region haben. Beratung vor Ort und Nähe zum Kunden bleiben auch künftig unsere Erkennungszeichen.

Haben Sie trotzdem Verständnis für Proteste?

Aber ja. Dort, wo Service und Komfort verloren gehen, ist das für die Menschen, gerade für die älteren, schwierig. Wir reagieren auch darauf.

Wie?

Indem wir unsere mobile Geschäftsstelle an weiteren Standorten einsetzen. Wir sind auch dabei, an mehreren Standorten Agenturlösungen zu suchen.

Anstatt das Gewandhaus zu unterstützen, könnten Sie doch einige vor dem Aus stehende Geschäftsstellen behalten, wird Ihnen von Kunden vorgeworfen.

Spenden und Sponsoring sind wichtige Teile unseres öffentlichen Auftrages. Wir unterstützen jedes Jahr über 900 Vereine und Initiativen. Viele Aktivitäten gerade im Jugendbereich gäbe es ohne unsere Hilfe nicht.

Zurück zum Gewandhaus.

Wir achten darauf, dass auch hier unser Sponsoring vor allem für die Jugend verwendet wird. Viele haben so das erste Mal die Möglichkeit, ein Konzert zu besuchen, werden an Musik herangeführt. Darüber hinaus ist das Gewandhaus Aushängeschild und wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Sie sehen: Unser Sponsoring ist eine Dividende an die Menschen in unserer Region.

Wie ist das erste Halbjahr für die Sparkasse verlaufen?

Wir sind im operativen Geschäft gut gestartet und liegen in vielen Bereichen über dem Vorjahr. Gerade das Kreditgeschäft hat weiter zugelegt, bei den Firmenkunden noch stärker als bei den Privatkunden. Das ist ein stabiler Trend.

Ein Zeichen für eine anziehende Konjunktur und zunehmende Investitionen der Unternehmen?

Ja, die Investitionen ziehen an. Viele Unternehmer haben mehr Zutrauen in eine nachhaltig positive Entwicklung. Die konjunkturellen Aussichten sind auch hier in der Region sehr positiv. Ich bin davon überzeugt, dass Sachsen in diesem Jahr erneut den Rückstand zum Westen verringern wird.

Wie wirkt sich die Niedrigzinspolitik für die Sparkasse aus?

Sie führt dazu, dass der Zinsüberschuss, unsere wichtigste Ertragsquelle, deutlich zurückgegangen ist. 2009 lag er bei 176 Millionen Euro, 2015 bei 160 Millionen Euro. Im vorigen Jahr ist er auf 155 Millionen Euro gesunken. Der Rückgang wird sich auch 2017 fortsetzen.

Sie versuchen auch, über zunehmende Geschäfte einen Teil zu kompensieren?

Selbstverständlich. Ein Beispiel: Als ich 2007 zur Sparkasse Leipzig kam, lag das Kreditvolumen bei unter 2,5 Milliarden Euro. Im vorigen Jahr haben wir die Vier-Milliarden-Euro-Grenze geschafft. Allein das Neugeschäft betrug im vergangenen Jahr rund 950 Millionen Euro.

Wie lange wird die Niedrigzinsphase anhalten?

Die EZB hat das Ankaufprogramm bis September verlängert, es dürfte auch danach fortgesetzt werden. Wir müssen uns darauf einrichten, auf mittlere Sicht mit den Niedrigzinsen zu leben. Im Übrigen war es richtig, dass man auf die durch Übertreibungen internationaler Investmentbanken ausgelöste Finanzkrise mit einer verschärften Regulierung reagiert hat.

Jetzt kommt das Aber?

Ich kritisiere, dass diese europäischen und weltweiten Regelungen in gleicher Weise auch auf regionale Institute wie Sparkassen ausgedehnt wurden, die damals Stabilitätsanker waren.

Sie sind seit zehn Jahren Vorstandschef der Sparkasse. Welche Bilanz ziehen Sie?

Leipzig ist eine großartige Stadt, die sich wirtschaftlich, kulturell und sportlich unglaublich gut entwickelt hat. Die Sparkasse ist stabil und solide aufgestellt und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in unserer Region. Wir arbeiten daran, dass es so bleibt.

Von Ulrich Milde

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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