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Lokales Nach Plagiatsvorwürfen: Heftige Kritik an Siegfried Hallers Hochschultätigkeit in Leipzig
Leipzig Lokales Nach Plagiatsvorwürfen: Heftige Kritik an Siegfried Hallers Hochschultätigkeit in Leipzig
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16:37 26.07.2011
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Der Dresdner Plagiatsforscher Stefan Weber bezeichnet die Lehrtätigkeit des Leipziger Jugendamtsleiters als „skandalös“. Die HTWK setzt die Zusammenarbeit mit Haller nach den am Montag bekanntgewordenen Plagiatsvorwürfen zu seiner Doktorarbeit jedoch bereits im Oktober mit einem Workshop fort.

Haller sei „sicher nicht in der Lage, die Referenzkultur und Seriosität dieser Arbeiten zu beurteilen“, kritisierte Weber am Dienstag gegenüber LVZ-Online. Der studierte Soziologe Haller hatte am Montag Schwächen bei der Kenntnis über wissenschaftliche Standards eingeräumt, nachdem öffentlich Kritik an der Zitierweise seiner 2003 eingereichten Dissertation laut geworden war. Das Internetportal VroniPlag entdeckte bis Dienstag bei einer derzeit laufenden Analyse seiner Arbeit auf fast der Hälfte der 100 untersuchten von insgesamt 400 Seiten Plagiatsstellen. Haller hatte dies damit erklärt, von ihm mitverfasste Schriften als Quellen verwendet und nicht ausreichend gekennzeichnet zu haben.

"Ich gelte unter den Studenten als streng"

Seine Autorität als Dozent sieht Haller selbst jedoch nicht gefährdet. „Ich gelte unter den Studenten als streng“, sagte er am Montag. Seit 2004 begutachtete der 56-Jährige Diplomarbeiten an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften und hielt verschiedene Seminare zur Spezifik des Jugendamtes. In den vergangenen Jahren habe diese Tätigkeit jedoch geruht, erklärte Hochschulsprecherin Katharina Ballani auf Anfrage. „Damals hat er nur wenige Arbeiten betreut und diese nur als Zweitgutachter.“

Zuletzt nahm Haller nach eigener Aussage 2008/2009 eine Abschlussarbeit zusammen mit einem Professor der Fachhochschule Mittweida ab. Im Sommersemester 2011 gab er an der Theologischen Fakultät der Uni Leipzig ein Hauptseminar zum Thema „Christliche Ethik, Diakonie und öffentliche Sozialstandards“ zusammen mit Professor Martin Petzoldt, von dem er eingeladen worden war. Ob die Plagiatsdiskussion Auswirkungen auf seine Lehrtätigkeit habe, liege nicht in seinem Ermessen, teilte Haller am Dienstag mit.

"Haller als Wissenschaftler aus dem Rennen"

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Während der Jugendamtsleiter erklärte, im kommenden Semester keine Hochschulaktivitäten zu planen, ist er in der für Oktober angesetzten HTWK-Fachtagung „Health for All“ bereits als Leiter eines Workshops angekündigt. „Lebenslange Prävention – eine Herausforderung für die Kommunen und Landkreise“ lautet der Titel. Die HTWK will sich weder zu der Veranstaltung noch zur aktuell laufenden Diskussion um Haller äußern. Auch zur bereits im Juni eingeleiteten Plagiatsprüfung seiner Dissertation durch die Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg wolle man kein Statement abgeben. Von einer Neubewertung der Zusammenarbeit mit dem Jugendamtsleiter ist jedoch ganz offensichtlich keine Rede.

Als Wissenschaftler sei Haller aus dem Rennen, behauptet Plagiatsforscher Weber. Jemand, der rund 100 überwiegend wissenschaftliche Publikationen verfasst oder mitverfasst habe, könne nicht allen Ernstes öffentlich erklären, er sei über wissenschaftliche Standards nicht aufgeklärt worden. „Das ist ungefähr so, wie wenn ein Haus einstürzt und der verantwortliche Bauingenieur sagt dann, er sei mit den Grundgesetzen der Statik nicht vertraut gemacht worden“, so der Medienwissenschaftler.

Robert Nößler

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