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Lokales Nach Unwettern: Schlammlawinen verwüsten Straßen in Sachsen - Behinderungen im Verkehr
Leipzig Lokales Nach Unwettern: Schlammlawinen verwüsten Straßen in Sachsen - Behinderungen im Verkehr
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15:47 27.05.2014
Passanten stehen am 27.05.2014 in einer Schlammlawine nach starkem Regen in Meißen. Quelle: dpa
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Menschen wurden nach Polizeiangaben nicht verletzt. Die Höhe der Schäden konnte zunächst nicht beziffert werden.

Knapp drei Stunden lang prasselte der Regen zwischen Dresden und Meißen auf das Elb- und das Triebischtal nieder. In Meißen fielen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in einer Stunde 37 Liter Regen pro Quadratmeter, in Dresden-Strehlen waren es sogar 40 Liter. „Das war eine Gewitterfront. Die enormen Wassermassen haben die Felder nicht aufnehmen können“, sagte ein Polizeisprecher in Dresden. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren im Einsatz. Die Aufräumarbeiten dauerten am Abend noch an. Die Stadt Meißen schaltete ein Bürgertelefon.

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Meißen und Umgebung waren am Dienstag am stärksten vom Unwetter betroffen. Durch Schlammlawinen sind unter anderem Straßendecken schwer beschädigt worden.

Auch in anderen Teilen des Freistaates war die Feuerwehr nach den heftigen Gewittern im Dauereinsatz. Im Raum Chemnitz standen laut Polizei mehrere Autos unter Wasser, Gullydeckel wurden von den Wassermassen hochgedrückt. Der Verkehrswarndienst warnte für die Autobahn 4 (Dresden-Chemnitz) vor Gefahr durch Wasser auf der Fahrbahn. In Dresden setzte ein Blitzschlag laut Polizei einen Dachstuhl in Brand. Zudem standen Keller, Straßen, Unterführungen und ein Tunnel unter Wasser. „Mehrere Autos blieben in den Fluten stecken“, berichtete der Polizeisprecher. Die Feuerwehr rückte in Dresden bis zum Abend zu 190 Einsätzen aus.

Verspätung bei Bussen und Bahnen in Leipzig

In Leipzig gab es nach Angaben der Verkehrsbetriebe Störungen und Verspätungen bei Bussen und Bahnen. Feuerwehr und Polizei meldeten am späten Abend keine größeren Vorkomnisse. Zwar sei das Wasser an einigen Straßen und Bahnunterführungen nur langsam abgeflossen und habe große Pfützen gebildet, langfristige Sperren habe es aber nicht gegeben.

Das Landeshochwasserzentrum Sachsen gab für alle Flussgebiete im Freistaat mit Ausnahme der Elbe Warnungen heraus. Unterdessen waren neue Gewitter mit Sturmböen sowie Starkregen angesagt. „Von Tschechien her ziehen weiter kräftige Niederschläge heran“, sagte DWD-Meteorologe Thomas Hain in Leipzig.

Das Landeshochwasserzentrum Sachsen warnte am Dienstag vor steigender Hochwassergefahr an allen sächsischen Flüssen, mit Ausnahme der Elbe. Durch die heftigen Niederschläge werden zuerst die Fluss-Oberläufe anschwellen, kleinere Fluss-Einzugsgebiete zum Beispiel im Osterzgebirge müssen mit stark steigenden Pegeln rechnen. Die Hochwasser-Experten gehen von Alarmstufe 2 und 3 aus. "Zeitverzögert werden auch die Wasserständen an den Meldepegeln flussabwärts reagieren", heißt es weiter.

Wegen einer technischen Störung ist die Darstellung der Hochwasserpegel auf der Homepage des Landeshochwasserzentrums zeitverzögert, teilt die Behörde mit. Die Teilnehmer des Hochwassernachrichtendienstes sind von der Störung aber nicht betroffen.

Starkregen in Leipzig

Dicke Wolken über dem Freistaat. (Archivfoto) Quelle: dpa

Dennoch werde es weiter regnen, sagte ein Meteorologe in Leipzig. Es zögen neue kräftige Niederschläge von Tschechien heran. Noch bis Donnerstag muss laut Wetterdienst mit ergiebigem Dauerregen zwischen Ostsachsen, Harz und Ostthüringen gerechnet werden. Über dieser Region hängt eine Luftmassengrenze fest, bei der warme und feuchte Luftmassen aus dem Süden auf kalte aus dem Norden treffen.

Für Leipzig gilt: „Es ist möglich, dass in kurzer Zeit zwischen 25 und 35 Liter pro Quadratmeter fallen“, so Schirrmeister vom DWD am Dienstagvormittag gegenüber LVZ-Online.

Erst ab Donnerstag nimmt sich die Regenzeit eine Pause, wenn auch nur von kurzer Dauer. „Himmelfahrt“-Feiernde sollten zumindest eine Regenjacke im Gepäck haben, obgleich die Niederschlagsmenge nicht mehr die Intensität vom Dienstag erreichen werden.

Hintergrund: Schäden schwerer Hochwasser in Sachsen seit 2002

2002: Die Schäden der Flutkatastrophe im August wurden auf knapp 9 Milliarden Euro geschätzt. Die größten Verwüstungen gab es an Wohnhäusern, Unternehmen sowie der kommunalen Infrastruktur. Mit rund 84 Millionen Euro waren Kultureinrichtungen und besonders Dresden betroffen. Auch in der Land- und Forstwirtschaft sowie an Hochwasserschutzanlagen entstanden erhebliche Schäden.

2010: Anfang August verursachte ein Hochwasser in Ostsachsen, der Sächsischen Schweiz und im Chemnitzer Raum Schäden von bis zu 800 Millionen Euro, vor allem an der kommunalen Infrastruktur. So war nach dem Bruch einer Staumauer in Polen eine Flutwelle durch die Neiße gerollt. Die Verwüstungen eines zweiten Hochwassers im September summierten sich auf rund 130 Millionen Euro.

2013: Bei einem Hochwasser ähnlicher Dimension wie 2002 entstanden landesweit Schäden von knapp 2,3 Milliarden Euro, fast die Hälfte davon den Kommunen. Private Haushalte waren mit 431 Millionen Euro betroffen, Unternehmen mit 263 Millionen Euro, die Landwirtschaft mit 35 Millionen Euro und die Kirchen mit 6 Millionen Euro.

Fotos vom Juni-Unwetter 2013 in Leipzig:

Mehr zum Wetter im Portal von LVZ-Online.

dpa / mpu/ lyn /agri

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