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Nach Verkauf: Alte Propsteikirche darf abgerissen werden

Käufer gibt sich bedeckt Nach Verkauf: Alte Propsteikirche darf abgerissen werden

Darf die frühere Propsteikirche am Rosental abgerissen werden, obwohl sie doch Denkmalschutz genießt? Diese Frage interessierte gestern nicht nur LVZ-Leserin Kathrin Brumme, die sich darüber doch sehr wunderte. 

Die alte Propsteikirche am Rosental in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Darf die frühere Propsteikirche am Rosental abgerissen werden, obwohl sie doch Denkmalschutz genießt? Diese Frage interessierte gestern nicht nur LVZ-Leserin Kathrin Brumme, die sich darüber doch sehr wunderte. Die Antwort lieferte Roland Quester, der Sprecher des Baudezernates im Leipziger Rathaus. „Aufgrund der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit“ des Gebäudeerhaltes hätten das Landesamt für Denkmalpflege und die Kommune im Juni 2017 eine beantragte Abbruchgenehmigung tatsächlich erteilt.

Über die Denkmaleigenschaft des 1978 bis 1982 nach Plänen des VEB Ingenieurbau Leipzig/BMK Süd errichteten Ensembles sei der Stadtverwaltung überhaupt erst im Mai 2015 vom Landesamt für Denkmalpflege informiert worden, erläuterte Quester. Dies sei zeitlich mit der Profanierung (Entweihung/Entwidmung) der alten Propsteikirche per kirchlichem Dekret zusammengefallen. Geschützt worden sei seinerzeit das gesamte Kirchenensemble, das aus Glockenturm, Gemeindezentrum und einem Wohnhaus besteht. „Im September 2015 stimmte die Denkmalbehörde der Entnahme von Glocken aus der Propsteikirche zu, um sie in die neue St. Trinitatis zu integrieren.

In der Folgezeit kam es leider wiederholt zu Einbrüchen und Vandalismusschäden, bei denen auch die Orgel zerstört und Orgelpfeifen entwendet wurden“, erinnerte der Sprecher. „Für die Entnahme und Sicherung der Kunstgestaltung, der Eingangstüren und Bankreihen wurde dann im Februar 2017 die Genehmigung des Denkmalschutzes erteilt, während der Antrag auf Abbruch der Kirchengebäude noch abgelehnt wurde.

Nach Prüfung und Erstellung eines Gutachtens durch das Landesamt für Denkmalpflege (Hauptproblemfelder: Baugrund, Hydrologie, Gründung, Mängel an der konstruktiven Durchbildung des Gebäudekomplexes, Qualitätsmängel der verwendeten Baustoffe) wurde dann jedoch im Einvernehmen mit dem Landesamt aufgrund der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit der Erhaltung die beantragte Abbruchgenehmigung im Juni 2017 erteilt.“ An die Abrisserlaubnis seien aber einige Auflagen gebunden – etwa den Glockenturm zu erhalten und wiederverwendbare Materialien wie Schiefer- und Sandsteinverkleidungen zu bergen und in eine Neubebauung zu integrieren.

Was der neue Eigentümer des rund 5000 Quadratmeter großen Areals wirklich plant, bleibt derzeit noch im Dunkeln. In Leipzigs Immobilienbranche wird kolportiert, es handle sich bei dem Käufer um eine kleine Firma aus der Nordvorstadt, die bisher keine großen Erfahrungen mit Wohnungsbauprojekten hat. Angeblich wolle sie dort aber etliche Wohnungen bauen. Die fragliche Firma verlangte gestern, man solle Presseanfragen bitte schriftlich einreichen. Der Chef sei im Büro und antworte dann später. Bis Redaktionsschluss blieb die Antwort aus.

Jens Rometsch

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